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Wider das Sommerloch

Als Ersatz fürs U&D war „Summer Jane“ im Mössinger Jugendhaus M

Umsonst und Draußen 2014: Is‘ nich! Stattdessen schmissen die Macher eine Art Benefizveranstaltung im und am Jugendhaus M. Ein wenig mehr Festgäste hätte die so genannte „Summer Jane“ aber vertragen.

04.08.2014
  • kathrin löffler

Mössingen. Es beginnt gerade zu dämmern, als am Samstagabend ein ordentliches Gewitter über die Große Kreisstadt zieht. Im Partyzelt neben dem Jugendhaus rüstet man sich und faltet die seitlichen Planen herunter. Drinnen auf der Bühne rotzen die „Savants“ ihrem Auditorium ein ziemlich ergötzliches Krachgebräu entgegen. Vor der Tübinger Combo prosten und pogen sich ein paar Grünhaarige und Chucksträger durch Pfützen und thailändische Luftfeuchtigkeitswerte. Für den Rest scheint die konzertante Sause mit schöner Schrammeluntermalung aber eher gemütlichen Hocketencharakter zu haben. Wer Anwesende zu zählen gewillt war, erreichte kaum einen dreistelligen Bereich.

„Ich fürchte, dass es nicht so lange geht heute”, prophezeit Stefanie Dürr vom Orga-Team der anschließenden Aftershow-Feierei ein frühes Ende. Die Atmosphäre sei cool, der Besuch aber mager. Normalerweise treiben am ersten Sommerferienwochenende tausende rock’n’rollesk Orientierte den Hegwiesenplatz um. Alljährlich ist der Termin fürs U&D reserviert. Heuer cancelten die Organisatoren die traditionelle Punkrock-Perle vor den Albprovinztoren. Grund: zu geringe monetäre Planungssicherheit, zu wenig Personal. Das Festival finanziert bekanntlich Bands und Infrastruktur über den Getränkeverkauf. Und das gelang zuletzt immer nur um Haaresbreite. Zwar gebe es Unterstützung von sponsorwilligen Firmen, aber alles werde teurer, sagt Dürr. „Wenn man jedes Mal so knapp rechnen muss, wird’s schwierig.”

Dazu fehlt es Monokultur an Nachwuchs. Der Verein mit Baracken-Provenienz stemmt das Open-Air mit zwischenzeitlicher Unterbrechung seit Jahren. Wobei, Verein: Wo andere Clubs aus einem 150-Mitglieder-Pool schöpfen, verbucht Monokultur derzeit rund 25 Aktive. Das reicht nur schwerlich, um eine zweitägige Großveranstaltung vorzubereiten und durchzuführen. Dürr: „Wir hoffen, dass wir Leute werben und Jüngere mit heranziehen können.” Die Monokultisten entschieden: Ein Jahr Festivalpause. Ganz unbefriedigend mochten sie den Sommer für hiesige Sympathisanten live gespielter derber Töne aber nicht verstreichen lassen.

Gemeinsam mit der Stadtjugendpflege lud man also zur Summer Jane in Zelt und Jugendhaus. Hintergedanke: Mit Eintrittsgeldern und Verköstigungseinnahmen sollte ein kleines U&D-Pölsterchen angehäuft werden. Das Line Up war deutlich regionaler weil günstiger: Sgt. „Hyperdrive“, aus dem eigenen Team rekrutiert, machte mittags den Anfang, dann hatten „MaXo and the Dudes“ ihren ersten Auftritt überhaupt. „Stumfol“ gab sich solo und mit einer Portion Melancholie die Ehre. Die heuer in neckar-älblerischen Festivalkreisen schwer angesagten „Calves“ ersetzten mit ihrem Indierock die kurzfristig ausgefallene „Krupa Krovi“, und die „Rocket Boys“ kamen mit klassischem Rock’n‘Roll aus der Reutlinger Ecke.

Aber: Die Summer Jane war nicht als kleinräumiger Abklatsch des großen U&D-Bruders konzipiert. Vielmehr mühten sich diverse Abteilungen der Stadtjugendpflege, ein auch familientaugliches Programm anzubieten. Die sonst internationale Frauenfrühstücksrunde servierte Kaffee, Kuchen und türkische Kulinarik. Streetsoccer wie Hüpfburg boten Bespaßung und Leibesertüchtigungspotenzial. Der Nachwuchs stakste als Spiderman vom Kinderschminken zurück. Doch leider: Der Zulauf blieb zäh. Fürs Sparschwein hat sich die Summer Jane als wenig lukrativ entpuppt. Es sei aber ein „schönes Miteinander“ gewesen, sagt Dürr. Der harte Kern saß dann doch bis zum Morgen ums Lagerfeuer. Für 2015 ist das Team gewillt, wieder ein U&D zu wuppen. Möglicherweise werden aber ein paar alte Rock’n’Roller-Zöpfe fallen. Denn so monokulturell von Liebhabern des derben Um-die-Ohren-Sounds dominiert wie einst ist der Verein gar nicht mehr. Entsprechend ist angedacht, ein wenig an der stilistischen Festivalausrichtung zu schrauben. Vielleicht wird die populärer und mainstreamiger, vielleicht beschallt ein DJ die Wiese. Ideen gibt es. Dürr: „Das U&D wird nicht komplett umgekrempelt, aber man kann sich ja ein bisschen verändern.“

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04.08.2014, 12:00 Uhr

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