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Kräuter frisch vom Gärtle

Als Gasthaus mit angebauter Brauerei 1855 errichtet, heute Hotel mit Restaurant und Brennerei: der „Kaiser“ in Bieringen

Ob im gemütlichen Ambiente der Gaststube oder draußen im Garten mit Bäumen und Blumen: Im traditionsreichen Bieringer Landgasthof „Kaiser“ bei Simon Albus fühlen sich Ausflügler ebenso willkommen wie die zahlreichen Stammgäste.

20.08.2014
  • Ursula Kuttler-Merz

Bieringen. „Ich habe ganz positive Erinnerungen an die Zeit, als meine Eltern noch den Gasthof hatten“, berichtet der jetzige „Kaiser“-Inhaber Simon Albus. Schon als kleiner Bub fühlte er sich nie alleingelassen, wenn Josef und Maria Albus in der Wirtschaft arbeiteten und „ich oben in meinem Bettle lag: Ich hörte ja unten im Haus die Stammgäste schwätzen“. Dass er selbst einmal Wirt sein würde, schien allerdings unwahrscheinlich.

Sein Abitur machte er am Rottenburger Eugen-Bolz-Gymnasium, anschließend Zivildienst als Rettungssanitäter. Er bereiste Neuseeland, studierte in Tübingen Sport-Management und verbrachte drei Semester in den USA.

Albus arbeitete in München und Herrenberg, und dann, so erzählt der 35-Jährige, „bin ich in die Schweiz nach Montreux gegangen und hab das Diplom in Hotelmanagement gemacht“. Während dieses Aufbaustudiums arbeitete er ein Dreivierteljahr in der „Traube“ in Tonbach: „Das ist die beste Küche Deutschlands“, sagt Albus. Sein nächster Arbeitsplatz war die Küche der Herrenberger „Linde“ – und „dann gings los“.

2011 eröffnete Simon Albus den frisch renovierten „Kaiser“ in Bieringen, den vor ihm die Pächterfamilie Presser und drei Generationen Josef Albus – Vater, Großvater und Urgroßvater – bewirtschaftet hatten. Das Gasthaus mit angebauter Brauerei wurde 1855 von Johann Georg Rudolf errichtet, also in der Blütezeit des Hopfenanbaus.

Vom Neffen des Erbauers, Josef Rudolf, erwarb Urgroßvater Josef Albus 1901 das Anwesen. Die Familie Albus baute die Gastronomie aus und ergänzte sie mit Gästezimmern und eigener Brennerei. Derzeitiger Brennerei-Chef ist Vater Josef Albus, der schon viele Gold- und Silbermedaillen gewonnen hat. „Die Brennerei und die Gastronomie, das ist eine geniale Symbiose“, sagt Sohn Simon, denn „viele kaufen Schnaps und kommen anschließend zum Essen – oder umgekehrt“. Hergestellt werden neben Klassikern wie Waldhimbeergeist und Williams Christ auch Spezialitäten wie Schlehengeist, Sauerkirschbrand oder Mirabellenwasser.

Vor dem Verdauungsschnäpsle freilich kommt die Mahlzeit: „Wir kochen ganz frisch“, versichert Simon Albus. Und das „wir“ bezieht sich vor allem auf den jungen Kaiser-Koch Davo Slutaj. Mit der Familie Albus verbindet ihn eine besondere Geschichte. Während des Krieges in Kroatien, flüchtete die Mutter mit ihren zwei kleinen Buben nach Bieringen, wo der (in Remmingsheim arbeitende) Vater lebte. Bei Nacht und Nebel standen die drei vor der Tür und fanden im „Kaiser“ Aufnahme.

Der vierjährige Davo fuhr damals mit seinem Dreirädle in der Gasthausküche rum, wenn „Omi“ Maria Albus kochte. Das prägte ihn fürs Leben. Er machte eine Koch-Ausbildung auf Schloss Weitenburg und arbeitete anschließend in der „Traube“ Tonbach, im „Adler“ in Asperg bei Harald Derfuß, im Hotel Dollenberg Bad Peterstal und in anderen Sterne-Häusern.

Seit 2012 kocht der 26-Jährige im Bieringer „Kaiser“ und bringt, so Simon Albus, „einen besonderen Pfiff“. Den Kartoffelsalat aber macht nach wie vor „Omi“ Maria Albus persönlich: „Das ist ihr Heiligtum“, sagt Slutaj lachend. Begeistert ist er vonden frischen Küchenkräutern im Garten hinter dem Haus, die direkt in die Kaiser-Kochtöpfe und auf die Teller wandern: „Von so einem Kräutergarten träumt jeder Koch!“

Auf den Tellern finden sich freilich nicht nur Kräuter. Das Kasier-Team – vier Angestellten und 16 Aushilfen – kocht und serviert Klassiker wie Wiener Schnitzel oder Zwiebelrostbraten, aber auch je nach Saison Spargel oder Pfifferlinge und Regionales.

Bei den Gästen beliebt ist das Maultaschen-Carpaccio mit Röstzwiebeln und Pinienkernen. Die Schwarzwald-Forellen kommen aus Dießen, und heimisches Wild gibt’s, „wenn der Jäger gerade ein Reh geschossen hat“. Zur Sommerzeit lassen es sich draußen im Kaiser-Garten nicht zuletzt die zahlreichen Neckartal-Radler und Feierabend-Ausflügler gut gehen.

Zwischen weißen Lilien, roten Stockrosen und blauen Klematis genießen sie Radler und Wurstsalat oder Königsgarnelen mit frischem Saiblingsfilet, dazu Linguine (feine Nudeln) mit Knoblauch, Basilikum, Oliven und Tomaten. Dass seit dem Bau des neuen Radwegs die Route nicht mehr durch Bieringen, sondern daran vorbei führt, finden sie allerdings schade. So bekommen etliche Pedal-Sportler gar nicht mit, was sie im „Kaiser“ versäumen.

Als Gasthaus mit angebauter Brauerei 1855 errichtet, heute Hotel mit Restaurant und Brennerei: der
„Die Brennerei und die Gastronomie, das ist eine geniale Symbiose“, sagt Wirt Simon Albus (rechts), hier mit seinem Koch Davo Slutaj.

Der „Kaiser“ ist als einziger Bieringer Gasthof erhalten geblieben. Adler, Rössle und Krone sind schon lange geschlossen. Seit dem Tod von Moritz Dorn gibt es auch den Sonntags-Frühschoppen in der Bahnhofs-Gaststätte nicht mehr. Anreise zum Bieringer „Kaiser“: Zu Fuß, mit dem Fahrrad (teils Neckartalradweg), mit der Bahn oder mit Buslinie 7629 zur Haltestelle Bieringer Brücke. Öffnungszeiten: Montag, Donnerstag, Freitag und Samstag ab 16 Uhr; Sonntag: ab 11 Uhr. Durchgehend warme Küche. Infos im Internet unter www.landgasthofkaiser.de

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20.08.2014, 12:00 Uhr

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