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Brotkorb hing höher

Als die Leute beim Bäcker noch backen ließen

Wie sich die Zeiten ändern! Gerhard Böhm, der alte Mössinger Bäckermeister im Ruhestand, muss selber immer wieder staunen.

30.09.2011

Mössingen. Er hat Probleme mit dem Gehen – Folge der zentnerschweren Säcke, die er zu seiner Zeit noch schleppen musste. Hier schildert er, wie es früher in den Backstuben zuging: Täglich wurden zwei- bis dreimal jeweils 18 bis 20 Laib als Teig im Brotkorb zum Bäcker gebracht, um backen zu lassen. Nach anderthalb Stunden konnten die Hausfrauen ihre fein duftenden eigenen Erzeugnisse wieder abholen.

Vor noch längerer Zeit, als es bei den Leuten zu Hause noch keine Backmöglichkeit gab, musste man auch jeden Kuchen sowie die Weihnachts-Brötchen zum Bäcker bringen, um backen zu lassen.

In der Zeit, da Mössingen noch um die 5000 Einwohner hatte, gab es in Mössingen neun Bäckereien, die meisten Bäcker trieben damals noch eine kleine Landwirtschaft um und verdienten somit ihren Lebensunterhalt. Jetzt, da Mössingen um die 20 000 Einwohner hat, gibt es hier nur noch drei backende Betriebe – Padeffke, Arndt und Wiech. Trotzdem ist Mössingen mit Backwaren fast überversorgt, da in jedem der zahlreichen Großmärkte sich eine Bäckerei-Filiale befindet.

Bäckermeister Gerhard Böhm weiß noch viel zu erzählen aus den frühen Nachkriegszeiten, als „der Brotkorb höher hing“, wie es sprichwörtlich heißt – die Leute noch nicht so viel Geld hatten, es aber andererseits noch viele kleinere Läden gab: „Vom Haus Gaebele bis zur Langgass-Schule runter sind es fünf Lebensmittelläden gewesen – auf kurzer Strecke!“

Böhm kann sie noch alle aufzählen: Mössner, Müller/Epple, Hornberger. „Im Autohaus Wagner war der Konsum.“ Und zur Flammer-Marie ging er, wie alle Kinder, besonders gerne: „Da hat man Bonbole kriegt, für a paar Pfennig, in lauter offene Gläser.“

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Als die Leute beim Bäcker noch backen ließen
So sah es bis Mitte der 1990er Jahre noch fast täglich in der Bäckerei-Konditorei Böhm auf der Mössinger Lehr aus – Hausfrauen aus dem ganzen Steinlachtal brachten Gerhard Böhm (rechts) ihren Teig zum Brotbacken.Archivbild: Franke

Als die Leute beim Bäcker noch backen ließen

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30.09.2011, 12:00 Uhr

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