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Alte Liebe rostet nicht
Sechs Oldtimerfreunde inmitten ihrer blank polierten Karossen (im Bild von links): Dietmar Scheib, Gisela Renz, Günter Engel, Helmut Luz, Wilhelm Renz und Pia Heim. Bild: Watson
Die Oldtimerfreunde Neckar-Alb-Schönbuch bewahren das Kulturgut Auto

Alte Liebe rostet nicht

Während manche das Auto als Schadstoffschleuder verteufeln, wollen andere es als Kulturgut bewahren: Die Oldtimerfreunde Neckar-Alb-Schönbuch erfreuen sich seit 25 Jahren an alten Autos und deren Geschichte.

30.08.2014
  • Miri Watson

Walddorfhäslach. Einige Mitglieder der Oldtimerfreunde haben sich im Garten ihrer Zweiten Vorsitzenden Pia Heim in Walddorfhäslach bei Spezi und Radler versammelt; die Autos stehen glänzend poliert auf dem Parkplatz direkt nebenan. Der Umgang der Oldtimerfreunde miteinander ist vertraut und freundschaftlich. „Geselligkeit wird bei uns groß geschrieben“, sagt Heim.

Seit 1989 gibt es den Verein – dieses Jahr wurde das 25-jährige Bestehen mit einer viertägigen Ausfahrt gefeiert. Es ging in den Schwarzwald, wo dann gemeinsame Ausflüge zum Barfußpark, zur Brauerei in Alpirsbach und zum Bärenpark in Schapbach unternommen wurden. Obligatorisch war natürlich ein Besuch des Fahrzeugmuseums in Marxzell, bei dem die Mitglieder des Vereins sich gemeinsam zu ihrem liebsten Thema weiterbilden konnten. „Das Ding“, sagt Heim und meint damit die Beschäftigung mit alten Autos, „hat Suchtfaktor“.

Das wird auch daran deutlich, dass auf gute 130 Mitglieder über 250 Fahrzeuge kommen: Nicht nur alte Autos, sondern auch Traktoren, Mopeds und sogar Lastkraftwagen besitzen die Männer und Frauen des Vereins. So unterschiedlich ihre Gefährte auch sind, einig sind sich die Oldtimerfreunde darin, dass nur die Fahrzeuge, die möglichst im Originalzustand belassen wurden, echte Oldtimer sind. Dietmar Scheib, der Erste Vorsitzende, findet es richtig, dass auch nur solche Wagen das Oldtimer-Kennzeichen bekommen können. „Es geht ja darum, ein Bewusstsein für das Kulturgut Auto und seine Geschichte zu schaffen“, sagt Scheib.

Fahrzeuge, die vor mindestens 30 Jahren erstmals zugelassen wurden und in denen nur Teile verbaut sind, die ebenfalls so alt sind, können seit 1997 das Kennzeichen mit dem „H“ hinten bekommen. Für die Halter bringt das Preisvorteile in der Versicherung und in der Kfz-Steuer mit sich. Wer nach Zuteilung des Kennzeichens aber an seinem Oldtimer herumschraubt und neuere Teile einbaut, der kann das H-Kennzeichen bei der nächsten Hauptuntersuchung auch wieder verlieren. So wird verhindert, dass ein falsches Bild der Autogeschichte vermittelt wird. „Die Oldtimer werden ja oft auch mit Erinnerungen an die Kindheit oder Jugend verbunden: Dieses Auto hatte die Tante, oder mit jenem Auto sind wir damals nach Österreich gefahren“, sagt Scheib. Die Geschichten der alten Autos sind oft auch persönliche Geschichten.

Persönliche Gründe sind es häufig auch, die einen zum Oldtimerfreund werden lassen: Die Tochter von Pia Heim zum Beispiel wuchs mit der Begeisterung ihrer Mutter für die alten Wagen auf. Bei der letzten Oldtimer-Messe auf dem Killesberg 2006 ging sie zwischen den ausgestellten Oldtimern hindurch und stellte fest: „Hier riecht es wie damals, als ich klein war.“ Als sie 20 war kaufte sie sich keinen Neuwagen, sondern einen alten VW-Bus. „Früh übt sich. Aber man ist nie zu alt, sich für alte Wagen zu interessieren“, findet Heim.

Es sei natürlich nicht immer ganz so einfach, die alten Fahrzeuge auch zu fahren: Viele haben für heutige Verhältnisse eher schlechte Bremsen oder sind noch nicht mit Servolenkung ausgestattet. „Ich meine das nicht als Vorurteil, aber manche Wagen können von Frauen nicht gefahren werden“, sagt Scheib, obwohl nahezu die Hälfte der Mitglieder bei den Oldtimerfreunden Frauen sind.

Doch die meisten Autos im Verein sind solche, „mit denen man Spaß haben kann“, wie Heim das ausdrückt. Also Autos, die nicht so wertvoll sind, als dass man Angst davor haben müsste, sie zu fahren. Denn ihre Autos fahren – das machen die Oldtimerfreunde gerne.

Gemeinsam unternimmt der Verein mehrere Ausfahrten im Jahr. Obligatorisch ist auch der Besuch der Stuttgarter Oldtimer-Messe Retro Classics, bei dem die Oldtimerfreunde Neckar-Alb-Schönbuch jedes Jahr einen Stand betreuen. Immer am dritten Sonntag im August organisieren sie auf dem Reutlinger Marktplatz den Oldtimertag, an dem Interessierte in echten Oldtimern mitfahren dürfen. Und weil Geselligkeit bei den Oldtimerfreunden groß geschrieben wird, gibt es jeden zweiten Freitag im Monat einen Vereins-Stammtisch im Kleintierzüchterheim in Häslach, bei dem Neugierige herzlich willkommen sind.

Alte Liebe rostet nicht
Blitzender Chrom, glänzender Lack. Details wie dieser Kühlergrill eines Opel Olympia bringen Oldtimerfreunde ins Schwärmen. Bild: Hantke

Alte Liebe rostet nicht
Immer am dritten Sonntag im August organisieren die Oldtimerfreunde Neckar-Alb Schönbuch den Oldtimertag in Reutlingen. Auch in diesem Jahr stießen die motorisierten Oldies wie hier ein alter VW Käfer samt Reisegepäck auf großes Interesse beim Publikum. Bild: Hantke

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30.08.2014, 12:00 Uhr

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