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Alte Postkarten künden von der einstigen Brauerei-Herrlichkeit
Geschäft mit dem Hopfen

Alte Postkarten künden von der einstigen Brauerei-Herrlichkeit

NORDSTETTEN (gaw). Nordstetten hat die Brauerei-Landschaft im Oberamt Horb mit geprägt. In den 1970er-Jahren schloss die letzte Brauerei: der „Maier“. Vier alte Postkarten mit Ansichten von drei einstigen Brauereien nebst Wirtschaft im Ort („Adler“, „Schäpfle“ und „Ritter“), die kürzlich erworben wurden, sind nun Grundstock für eine Postkarten-Sammlung im Ortsarchiv – und regen zur Heimatforschung an.

19.07.2007

Stadtarchivarin Dr. Renate-Karoline Adler und Historiker Hans-Peter Müller freuen sich über die neueste Errungenschaft des Orts, die Horbs Kultur- und Museums-Vereins-Mitglied Heiner Raible aus seiner Sammlung freigesetzt hat. Ende es 19. Jahrhunderts sei es „schick“ gewesen, sich Postkarten zuzusenden, so Dr. Adler. Diese Kultur kam mit dem Tourismus und dem Fotografieren auf.

Alle Postkarten-Anwesen liegen an der Ortsdurchfahrt. Im Gebäude „Bierbrauerei Adler“ befindet sich heute die Metzgerei Singer. In einem Teil des Gebäudes „Anton Schneiderhan/Bierbrauerei“ ist das Lokal „Asia Garden“ und Willi Schwarz schon eine kleine Ewigkeit der Besitzer; diese Postkarte ist auf 1907 datiert. Und wer kennt nicht das „Schäpfle“ als urige Gastwirtschaft mit der ebenso urigen Wirtin Maria Schneiderhan? Seine imposante Bebauung in zweiter Reihe dürfte, was die Lage und die Größe betrifft, etwas irrtümlich sein.

Dafür gibt es sie sogar einmal coloriert. Über Emil Schneiderhans „Häusergeschichte von Nordstetten bei Horb“ erfährt man über die Vergangenheit der Areale. Und die beiden Experten hatten einige Daten aufbereitet, die einen Einblick in das Oberamt Horb von anno dazumal geben.

Im Oberamt Horb sei einst nicht nur gebraut, sondern im großen Stil Hopfen angebaut worden, so Dr. Adler. Ende des 18. Jahrhunderts ging der Weinanbau zurück und kam im 19. Jahrhundert ganz zum Erliegen. Dafür wurde das Bier- und Most-Trinken Modetrend des 19. Jahrhunderts.

Die Blütezeit des Hopfenanbaus in Horb war um 1880. Hopfen und Bier wurden sogar „exportiert“, also nicht nur für den Eigenbedarf angebaut und gebraut. Das Bierbrauen gestaltete sich als lukratives Geschäft. 1881 gründete sich ein Hopfenanbauverein. Um 1840 hatte Horb 23 Brauereien, die wohl in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden waren. 1870/80 waren es durch Fusionen noch 14. Danach ging die Bierherstellung weiter zurück, da man sich nicht am Markt halten konnte. In der alten Nordstetter Steige gab es um 1840 wohl an die 20 Eiskeller. Gebraut wurde ursprünglich nur im Winter.

Eine der größten Horber Brauereien war „Schwarz-Adler“ der Familie Steimle auf dem heutigen Lindenhof-Areal. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg war die Brauerei-Herrlichkeit in Horb passé. Die allerletzten Betriebe waren „Schiff“, „Ranken“ und „Schwanen“. 1950 stellte die letzte Brauerei in Horb in der Kernstadt den Betrieb ein.

Nach der Oberamts-Beschreibung von Horb aus dem Jahre 1865 sind es 52 Bierbrauereien im Oberamt, darunter in Nordstetten die von „Peter Schneiderhan“. Es muss sich um die Brauerei der Familie Klink in Nordstettens Horber Gässle handeln. In der Beschreibung steht zu diesem Brauhaus: „Das Nordstetter Bier hat einen guten Ruf und wird theilweise nach Außen abgesetzt.“

Nordstetten hatte damals bereits 1356 Einwohner, zwei „Kramläden“ und sechs „Schildwirtschaften“, davon vier mit Bierbrauerei. Dazu kam noch die Brauerei der Klinks, die erst später eine Wirtschaft eröffnet haben. Um die Wende ins 20. Jahrhundert waren es in Nordstetten noch fünf Brauereien mit Wirtschaften: „Adler“, Klink, „Maier“, „Ritter“ und „Schäpfle“. Jede der Fünf baute von 1881 bis 1903 ein neues Brauhaus. Zwei („Ritter“ und „Adler“) wurden bereits in den 1920er Jahren nachweislich wieder abgerissen, so ermittelte Müller.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert gab es noch die Brauerei „Krone“, deren Gasträume bis vor wenigen Jahren noch verpachtet waren, und in der heute die Praxis „Medico“ angesiedelt ist. In den 1970er Jahren schloss der „Maier“ als letzte Nordstetter Brauerei. Er wurde von der Hochdorfer Brauerei übernommen; im Lokal begrüßt heute Pizzawirt Lucio.

Alte Postkarten künden von der einstigen Brauerei-Herrlichkeit

Alte Postkarten künden von der einstigen Brauerei-Herrlichkeit

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19.07.2007, 12:00 Uhr

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