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24.11.2015

Inhalt: Dumpfes Dröhnen erfüllt die gute Reutlinger Stube, alles wankt wie bei einem Erdbeben. Als der neunjährige Robert Silcher droben am Himmel die Ursache dahingleiten sieht, steht für ihn fest: Irgendwann wird auch er in so einem Zeppelin fliegen.

Rund 30 Jahre lang waren die sanften Kolosse aus Friedrichshafen die unbestrittenen Herrscher der Lüfte. Im Ersten Weltkrieg transportierten sie Bomben für Kaisers Armee. Später wurde in friedlicher Mission die Erde umrundet, der Nordpol überquert, und von 1930 an pendelte der Zeppelin im Liniendienst zwischen Deutschland und den USA. Als 1937 bei der Landung in Lakehurst das bis dahin größte Exemplar, die „Hindenburg“, in Flammen aufging und 36 Menschen starben, war die Ära der Luftschiffe jäh zu Ende.

Die Ursache der Explosion vor laufenden Nachrichten-Kameras ist bis heute nicht geklärt. Umso mehr schossen die Spekulationen ins Kraut, denen Regisseur Gordian Maugg in seinem Film „Zeppelin“ (nach dem Roman des Ex-Reutlingers Alexander Häusser) nun eine weitere hinzufügt. Sein fiktiver Held ist Robert Silcher, der seinen Kindheitstraum tatsächlich verwirklicht: Vom einfachen Arbeiter auf der Zeppelin-Werft steigt er zum Besatzungsmitglied auf. Seine Begeisterung für die Luftfahrt steigert sich indes zur Besessenheit, so dass er zur tragisch-diabolischen Figur bei der Katastrophe wird.

Das ist so weit ein solider und spannender Historienkrimi, an dem vor allem die kreative Einbettung von originalen Filmaufnahmen in die Spielhandlung überzeugt – eine Methode, die Maugg bereits bei seinem Film „Der olympische Sommer“ (1993) angewandt hat. Weniger gelungen ist die Verlängerung der Geschichte in die Jetztzeit, wo der Enkel des Pioniers als Detektiv in eigener Familiensache kaum Konturen entwickelt.

Nach einer britischen und amerikanischen Variante ist Mauggs Werk erst der dritte große Spielfilm über den Zeppelin – und der erste deutsche. Die Zurückhaltung verblüfft, hatte doch der „gemütliche Riese“ (Maugg) zu seiner Lebzeit eine gewaltige Faszinationskraft entwickelt. So finanzierte sich das Friedrichshafener Unternehmen fast ausschließlich durch Spenden der Bevölkerung.

Für Maugg repräsentiert der Zeppelin auch das gute Deutschland. Für viele schwäbische Arbeiter, deren Perspektive die Erzählung einnimmt, sei die Werft am Bodensee mit ihren hohen sozialen Standards und dem ingeniösen Pioniergeist ein Eldorado gewesen. Bei den Flügen um die ganze Welt habe sich ein anderes, bisher nicht gekanntes Deutschland offenbart: friedlich, weltoffen, demokratisch.

Die Nazis, so Maugg, konnten mit diesem Symbol wenig anfangen, weshalb ihnen zuweilen die Verantwortung für die Lakehurst-Katastrophe untergeschoben wird. Das dürfte freilich ebenso frei erfunden sein wie Mauggs Version, die aber immerhin große literarische Stimmigkeit für sich verbuchen kann.

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24.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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