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Liebeskomödien inklusive

Am Donnerstag beginnt das 12. Filmfest Frauenwelten

Ein Hauch James Bond weht diesmal durch das Filmfest Frauenwelten. In einem der 35 Spiel- und Dokumentarfilme, die von Donnerstag an eine Woche lang im Kino Museum gezeigt werden, gibt sich Ex-007 Pierce Brosnan die Ehre. Was beweist: Männliche Berührungsängste vor dem von der Frauenrechtsgruppe Terre de Femmes organisierten Festival sind nicht angebracht.

20.11.2012
  • Klaus-Peter Eichele

Am Donnerstag beginnt das 12. Filmfest Frauenwelten
„Festung“ von Kirsi Liimatainen wurde schon beim Max Ophüls Festival preisgekrönt. Die Geschichte einer 13-Jährigen, auf deren Familie ein lastendes Geheimnis und unheilvolles Schweigen liegt. Die Regisseurin kommt am Dienstag, 27. November, zur Vorstellung nach Tübingen.Verleihbild

Aber zugegeben: Die leichte Liebeskomödie "Love Is All You Need", in der Brosnan vor traumhaft toskanischer Kulisse die Hauptrolle spielt, ist kein typischer Frauenwelten-Film. Auch in diesem Jahr geht es in den meisten um physische oder strukturelle Gewalt, die Frauen angetan wird, oder um die politischen, sozialen und kulturellen Hürden, die sie auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben behindern.

"Wir wollen", sagte die Gründerin und Leiterin des Festivals, Irene Jung, "die Zuschauer zu Empathie und Solidarität verführen". Filme, die bloß niederschmettern, eignen sich dafür weniger. Neben der meist tristen Bestandsaufnahme gehe es daher immer auch darum, hoffnungsvolle Ansätze zu zeigen: starke Frauen, die sich nicht in ihre Opferrolle fügen, sondern mutig gegen Menschenrechtsverlet­zungen kämpfen.

Anders als in den Vorjahren gibt es diesmal keinen durchgängigen thematischen Fokus. Kleinere Schwerpunkte sind die Prostitution auf dem schmalen Grat zwischen Freiwilligkeit und Zwang, und die laut Jung „komplexe Frage“, wie ein Ausgleich zwischen Gewalttätern und weiblichen Opfern jenseits juristischer Sanktionen aussehen könnte.

In den islamischen Gesellschaften

Zwei Spielfilme mit Gästen, „Invisible“ aus Israel und „Schuld sind immer die anderen“ (Trailer rechts) aus Deutschland, beschäftigen sich speziell damit. Letzterer beruht auf Recherchen in einer Einrichtung des freien Vollzugs für jugendliche Straftäter in Leonberg. Vertieft wird das Thema bei einem Aktionstag mit weiteren Filmen, Diskussionen und einer Ausstellung am Sonntag im Kino Museum.

Schuld sind immer die Anderen

Schuld sind immer die Anderen --

01:55 min

Ein wiederkehrendes Motiv, seit das Festival vor zwölf Jahren gegründet wurde, ist die Situation von Frauen in islamischen Gesellschaften. Darum geht es auch im Eröffnungsfilm „Le sac de farine“, der frisch preisgekrönt auf dem Filmfest Mannheim nach Tübingen kommt (Donnerstag, 20 Uhr, Studio Museum). Mit autobiografischer Note schildert Regisseurin und Festivalgast Kadija Leclere das Schicksal eines Mädchens, das von seinem muslimischen Vater aus Belgien in ein marokkanisches Dorf entführt wird, dort aber hartnäckig am Traum von einem Studium in Europa festhält. Islam-Ba-shing betreibe der Film aber nicht, so Irene Jung. Vielmehr vermittle er das Aufwachsen in zwei Kulturen auch als eine Chance.

Typisch Frauenwelten ist der Mix aus streng informativen Dokumentarfilmen und cineastischen Perlen, die sich dem frauenpolitischen Anliegen von der filmkünstlerischen Seite nähern. Eines der Highlights im Programm ist für Jung der vielfach ausgezeichnete Spielfilm „Shun Li And The Poet“, die zart poetische Geschichte einer kultur- und geschlechtsübergreifenden Freundschaft vor dem Hintergrund mafiösen Frauenhandels zwischen China und Europa. Lieblingsfilm von Kathrin Frenz, der Programm-Koordinatorin des Festivals, ist „Electrick Children“. Der amerikanische Debütfilm erzählt von der ziemlich skurrilen Emanzipation eines mormonischen Mädchens von seiner streng religiösen Familie.

Jeanine Meerapfel mit Liebesgeschichte

Mit 15 Namen ist die Gästeliste der Frauenwelten diesmal fast so gut besetzt wie die der Französischen Filmtage. Es kommen – ohne Rücksicht aufs Geschlecht – Regisseure, Schauspieler und Experten, die das Publikum zu verschiedenen Filmthemen mit Hintergrund-Informationen versorgen.

Am renommiertesten ist die seit fast 50 Jahren aktive Regisseurin Jeanine Meerapfel, die am Samstag um 20.30 Uhr ihren neuen Film „Der deutsche Freund“ vorstellt: In der zwischen Argentinien und Deutschland pendelnden Liebesgeschichte kommen sich eine Jüdin und der Sohn einer Nazifamilie näher.

Mit einem Budget von rund 80000 Euro sind die Frauenwelten mittlerweile Tübingens zweitteuerstes Filmfestival. Mehr als die Hälfte kommt von Dirk Niebels Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Die Stadt Tübingen steuert 7500 Euro bei.

James Bond beim Filmfest Frauenwelten? Das wäre zu schön gewesen, um wahr zu sein. Eigentlich sollte die romantische Komödie "Love Is All You Need" mit Ex-007 Pierce Brosnan während des Festivals durchgängig im Kino 1 des Museums gezeigt werden - jetzt wurde sie kurzfristig vom Spielplan genommen und auf nächste Woche verschoben. Der Grund: Das Finale der vampirischen "Twilight"-Saga beansprucht alle verfügbaren Spielplätze. Dem Anteil weiblicher Zuschauer im Kino Museum wird der Wechsel vermutlich nicht schaden.

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20.11.2012, 12:00 Uhr

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