Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Lothars enges Sakko

Am EM-Spielfeldrand in Poznan

Post aus Polen schickt Tobias Zug – unser Sportredakteur berichtet in loser Reihenfolge über seine Eindrücke von der Fußball-Europameisterschaft.

16.06.2012

Ach, Lothar ist ja auch da: Matthäus, der Ex-Weltmeister, „euer Nationalheld”, wie mir ein polnischer Volunteer im Innenraum des Stadions von Poznan ehrfurchtsvoll zuflüstert. Hatte sogar eine eigene Visagistin bekommen, der deutsche Rekord-Nationalspieler, die ihm beim ARD-Interview geschätzt alle fünf Minuten das Gesicht puderte. Zwischendurch musste Matthäus sich permanent die Hosen hochziehen – im Gegensatz zu den Beinkleidern wirkte sein Sakko dagegen viel zu eng.

Leger und im passenden Anzug daneben stand der ehemalige Bayern-Spieler Valerien Ismael und beobachtete den Lothar. Als TV-Experte bei Al-Dschazeera in Frankreich sei er da, sagte Ismael mir. Ich war akkreditiert als Foto-Techniker. Und die Matthäus-Visagistin heuerte während des Interviews am Spielfeldrand schnell noch einen Fotografen an, um Bilder an ihrem wohl unvergesslichen Tag machen zu lassen.

Die ausländischen Fans machen nach einer Woche EM übrigens schon Fortschritte in ihren Polnisch-Kenntnissen. Am Donnerstag in Poznan stimmten jedenfalls nach einer Stunde selbst Italiener “Polska, biaÿo-czerwony” an, das Hohelied auf die rot-weißen Polen, dem all die kroatischen und polnischen Fans folgten.

Den Besuchern gefällt’s in Polen; die Stimmung ist unverkrampft, was auch an den Stadien liegt: komfortabel und modern, kurze Wege zu Toiletten und Services, keine Zäune oder sonstige Trennwände. Kroaten sitzen vereinzelt bei Italienern und umgekehrt. Und wenn, wie geschehen, mal ein besoffener Kroate über die kleine Absperrung vorne fällt, dann kommt halt ein “Steward” und hilft ihm wieder zurück auf die Tribüne.

Fast alle im Land wollen irgendwie an dieser Europameisterschaft teilhaben oder wenigstens ihre Begeisterung kundtun, dass Polen auch mal im Zentrum des Medien- und Besucherinteresses steht. Da fährt der Gabelstapel-Fahrer mit der rot-weißen Fahne rum, in den Schrebergärten-Kolonien wehen die Flaggen. Wer sich wundert, an den Häusern auch noch oft gelb-weiße Fahnen zu sehen: Die sind von Fronleichnam, die haben die erzkatholischen Polen halt einfach hängen lassen.

Allerdings: Nicht überall brummt die “Euro-phorie”. Das Deutschland-Spiel gegen die Niederlanden guckte ich in Jarocin an. In der Stadt mit etwa 30 000 Einwohnern wurde eigens eine Fanzone mit Großleinwand aufgebaut. Beim Auftaktspiel der Polen sei’s richtig voll gewesen, versichert ein “Security”-Mensch.

Danach sei der Andrang etwas abgeflaut. Beim Deutschland-Spiel jedenfalls waren die 13 Security-Männer und die hübsche Dame an der Zapfanlage gegenüber den Zuguckern in der Überzahl. Die vier polnischen Jugendlichen neben uns aber bejubelten jedes Tor und am Ende auch den Sieg der Löw-Buben. Besonders beliebt: Lukas Podolski, der gebürtige Pole.

Am EM-Spielfeldrand in Poznan

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

16.06.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball