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Blaue Tour unter grauem Himmel

Am Energietag Energie-effiziente Gebäude besichtigt

Nicht nur ein Neubau, auch ein sanierter Altbau kann zum Passivhaus werden. Dies zeigten die Stadt und ihre Kooperationspartner am Energietag bei „Blauen Touren“ zu beispielhaften Gebäuden und an Infoständen auf dem Marktplatz.

27.09.2010
  • Celia Eisele

Tübingen. Beinahe wären es graue Touren geworden, doch dann wurde das Wetter doch besser. Nachdem es den Infomarkt der Stadtwerke, der Agentur für Klimaschutz und der Stadtverwaltung vor dem Rathaus am Samstag total verregnet hatte, ließ sich am Sonntag während der„Blauen Touren“ ab und an die Sonne blicken.

Drei verschiedene Stadtführungen wurden angeboten. Als beispielhaft sanierte Altbauten präsentierte die Agentur für Klimaschutz das Nonnenhaus, das Umweltzentrum und die Aischbachschule. Mit dem Fahrrad ging es zu verschiedenen Energieanlagen der Stadtwerke: zu den Sonnenkollektoren im Freibad, zur Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Paul-Horn-Arena und zum Wasserkraftwerk in der Brückenstraße.

Thema der dritten Tour, organisiert von der Stadtverwaltung und der Architektenkammer Tübingen, waren Energie-effiziente Neubauten im Derendinger Mühlenviertel. Als kleiner Ausreißer stand mit dem Passiv-Bürogebäude im Thiepval-Areal außerdem ein energetisch sanierter Altbau auf dem Besichtigungsprogramm.

Als dieser im Jahr 2003 von Grund auf saniert worden ist, galt es noch als unwirtschaftlich, einen Altbau zum effizienten Passivhaus zu machen. So wird ein Gebäude genannt, wenn es im Jahr weniger als 15 Kilowattstunden Heizenergie pro Quadratmeter verbraucht. Der Primärenergieverbrauch darf 120 Kilowattstunden pro Quadratmeter nicht übersteigen. Dem Ingenieurbüro Ebök war es als Bauherr wichtig, dass das eigene Bürogebäude Energie-effizient ist – rechnen sollte es sich allerdings auch. „Wir wollten nicht auf Teufel komm raus ein Passivhaus“, so Geschäftsführer Matthias Laidig. Als sich dann selbst bei einer sehr konservativen Berechnung herausstellte, dass sich eine Sanierung zum Passivhaus in überschaubarer Zeit amortisieren würde, war der Bauherr positiv überrascht.

„Vor der Sanierung war das ein ziemlich heruntergekommener Schuppen“, sagte Laidig. Mit einer guten Dämmung und einem ausgeklügelten Lüftungssystem konnte der jährliche Energiebedarf auf 107 Kilowattstunden pro Quadratmeter begrenzt werden – die Stromversorgung für alle Bürogeräte inbegriffen. Das gesamte Haus ist von einer so genannten Schürzendämmung umgeben, die bis unter die Erde reicht. Durch den Flur ziehen sich drei dicke Metallrohre für Zu- und Abluft. In jedem Raum wird über dieses Rohrsystem die Luft permanent ausgetauscht.

Passivhaus-Komponenten einplanen

Nur an kalten Tagen müsse zusätzlich etwas geheizt werden, so Laidig. An sehr kalten und sehr warmen Tagen wird außerdem die konstante Temperatur unter der Erdoberfläche genutzt. Mit einem Erdwärmetauscher wird dann die zugeführte Frischluft vortemperiert, so dass sie nicht ganz so kalt oder nicht ganz so warm in die Lüftungszentrale strömt.

Die höheren Investitionen in die Sanierung hätten sich bereits gelohnt, so Laidig. Häuslebauern rät er: „Es muss nicht unbedingt ein Passivhaus sein. Aber versuchen Sie wenigstens, mit Passivhaus-Komponenten zu planen.“ Am Ende wird es dann vielleicht doch eines – so wie das Ebök-Gebäude, das im Jahr 2003 als erster Altbau als Passivhaus zertifiziert wurde.

Die Gebäudehülle ist das Wichtigste

Dämmung und Lüftung waren auch in den anderen Gebäuden der Tour die zentralen Elemente der Energie-Effizienz. „Es ist sehr wichtig, in die Gebäudehülle zu investieren“, sagte Vera Ambros von der Architektenkammer Tübingen. Die Gebäudetechnik solle darauf abgestimmt werden – und nicht andersherum. Das Haus der Baugemeinschaft „Wohnsinn“, durch das der Architekt Matthias Wachter führte, hat außerdem zusammen mit einem Nachbarhaus eine umweltfreundliche Holzpelletheizung und Sonnenkollektoren für die Warmwasserbereitung. Die gemeinsame Nutzung entspricht der Konzept der Baugemeinschaft, nach der die Bewohner sich gegenseitig helfen wollen.

Dass ein Passivhaus-Standard auch bei Einfamilienhäusern kostengünstig zu erreichen ist, zeigte das Beispiel eines Reihenhauses am Magazinplatz. Eine noch bessere Energiebilanz hat das benachbarte Mehrfamilienhaus „elementar“. Dank seiner „intelligenten Fassade“ mit integrierten Fotovoltaik-Modulen erzeugt es so viel Energie, dass der Gesamtenergiebedarf unterm Strich etwa bei Null liegt. Mit solchen Häusern lässt es sich also wirklich „blau machen“.

Am Energietag Energie-effiziente Gebäude besichtigt
Dicke Rohre für die Belüftung: Architekt Matthias Wachter (rechts) führte durch das Haus „Wohnsinn“. Bild: Faden

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27.09.2010, 12:00 Uhr

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