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10.12.2019

Von dhe

Auf den breiten Stufen einer Kathedrale, die wie ein gewaltiger Felssturz hinter ihnen aufragt, haben sich eine Bettlerin und ein Bettler notdürftig niedergelassen. Es ist nicht ganz eindeutig, wie sich die Situation entwickeln wird, denn die Frau ist in das angestammte Territorium des Mannes eingedrungen.

Diese Ansicht aus der prekären Gegenwart, vor den mächtigen Säulen des Kirchenbaus (Inbegriff des alten Europa?), setzt der spanische Regisseur Eloy Enciso an den Anfang seines ungewöhnlichen Filmexperiments: Wie für die Bettler der Fuß der Kathedrale, wird auch für die meisten anderen Figuren der Ort, an dem sie sich gerade befinden (das kann ein Bus sein oder eine Kneipe), für ein Weilchen zur Bühne, von der aus die Laiendarsteller wie Deklamatoren scheinbar den Text ihres Lebens zu
Gehör bringen.

Tatsächlich handelt es sich um Aussagen von Zeitzeugen, Künstlern und Politikern aus der Zeit nach dem Ende des Bürgerkriegs oder auch nach dem Ende der Franco-Diktatur. Da ist beispielsweise die ältere Frau, deren Mann „sie“ erschossen haben, kaum dass sie verheiratet war. Von welcher Seite die Täter stammten, wird nicht näher erläutert. Trauer und Bitterkeit
verdunkeln seither ihr Leben. Politik interessiere sie nicht: „Herrscher sind Herrscher.“ Wer kümmere sich schon um den Schmerz einer alten Frau?

In einer Zeit der aggressiven Marginalisierung und der resignierten bis wütenden Abkehr von der Politik klingt das beklemmend aktuell. Im Film ist es der junge Anxo (Misha Bies Golas), der diese Zeugen heraufzurufen scheint – in der langen Nacht (so der Filmtitel) der dunkelgrundigen Bilder. Als er immer weiter zurückschreitet in der spanischen Geschichte, sind schließlich nur noch Stimmen zu hören oder Briefstellen aus einem Foltergefängnis der Faschisten. (Arsenal, heute, 20 Uhr, engl. Untertitel).

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Erstellt:
10. Dezember 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
10. Dezember 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 10. Dezember 2019, 01:00 Uhr

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