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Karl-von-Frisch-Gymnasium machten Jugendliche die Schule zur Welt

Am G 23-Gipfel auf dem Planeten Höhnisch

„We wanna play a game!“ Etliche Schüler und einige Lehrer des Karl-von-Frisch-Gymnasiums trugen in den vergangenen Tagen ein T-Shirt mit dieser Aufschrift. Zum dritten Mal vollzog sich dort „Schule als Welt“, eine Simulation.

27.07.2012
  • Jürgen Jonas

Dußlingen. Ruhe! Bitte nicht stören. In der Aula des Karl-von-Frisch-Gymnasiums tagen die Präsidenten und Außenminister von 23 Staaten und verhandeln um die Durchsetzung ihrer Interessen. 23 Klassen, 23 Länder, die zwecks besseren Überblicks in einzelne Regionen eingeteilt und zusammengefasst sind. Es gibt eine UN, Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften und andere Formen der Partizipation. Generalstreik und Demos sind möglich, Revolution erlaubt. Auch Krieg kann vorkommen.

„Planet Höhnisch“ nennt sich die Welt, die sich politisch und ökonomisch zu gestalten versucht. Die gesamte Schule ist beteiligt, alle Schüler, elf davon waren, nebst fünf Ehemaligen, sehr intensiv mit den Vorbereitungen befasst. Ein solches Spiel will durchdacht sein, bis alles ineinander stimmt. Sie haben die zwei Simulationen der Schuljahre 05/06 und 08/09 ausgewertet und erweitert. Die ganze Sache macht zwar Spaß, ist aber keiner, es herrscht Anwesenheitspflicht.

Jugendliche können sich eigentlich nur an die Köpfe langen und sagen: Das ist die Welt, die wir bewohnen sollen, und die sieht so aus? Was könnte getan werden, um die Lage zu bessern? Wie funktioniert das ganze Getriebe? Binnenökonomie und globaler Handel bilden eine wichtige Grundlage. Nicht unkompliziert, dies Beziehungsgefüge. Jede Region hat eigene Produktionseinheiten, „Firmen“, für die Güterkategorien Rohstoffe, Industrie, Energie, Dienstleistungen und Agrar. Sie erhalten Arbeitsaufträge, um die sie sich kümmern müssen. Es wird deutlich, dass Handeln Konsequenzen hat, Nichthandeln aber auch.

Beim Besuch der Presse befinden sich die Schüler in einer Präsentationsphase, wie Teresa Brönner als Öffentlichkeitsarbeiterin erläutert. Im Raum der Klasse 5c ist Mexiko beheimatet. Die Aufgabenstellung hieß am Morgen: Das Land braucht eine Brücke. Der Auftrag wurde an eine Firma namens Greenpoint vergeben. Sie haben ein Brückenmodell aus Spaghettis gebastelt. Lisa, Daria, Laura (11) und Celine (10) erläutern, warum eine Trägerbrücke geschickter ist als eine Hängebrücke. Der Staatspräsident heißt Luis, nimmt Stellung und denkt gleich an die praktische Umsetzung des Projekts. Fabian aus der Zehnten und Annkathrin, eine Neunerin, beobachten und bewerten den Auftritt.

Neues Gesetz: Gras wird legal

Teresa Brönner ist 17 Jahre alt und geht in die elfte Klasse. Sie spricht eigentlich für das gesamte Gymnasium, wenn sie sagt: „Schule als Welt ist ein sehr besonderes Projekt, das den Schülern ermöglicht, sich praktisch in politische Wirklichkeit und Strukturen hineinzuversetzen.“

26 Pressevertreter beobachten das Weltgeschehen, informieren und kommentieren. An jedem Tag gibt es Punkt 13 Uhr eine Tagesschau, bunt gemischt die Nachrichten. Besonders beklatscht wird die Meldung, dass Indonesien und, ihm folgend, auch Argentinien das Genussmittel Cannabis legalisiert haben, das, so die Begründung, ungefährlicher ist als Alkohol. Damit soll etwa eine niedrigere Kriminalitätsrate erreicht werden.

Es gibt gute Nachrichten: Australien hat seine Wasserprobleme souverän gelöst. Japan schafft den Walfang endgültig ab. In Saudiarabien wurde eine Aufklärungskampagne in Gang gesetzt: Hexen gibt es nicht. Die Frauenrechte dort gestärkt, Zwangsheirat verboten worden. In den Wirtschaftsnachrichten lässt sich der Kapitalismus als die Krise selbst nicht bemänteln.

Tratsch-Trash taucht auf: der Außenminister der USA habe, alkoholisiert, versucht, sich der Freiheitsstatue unsittlich zu nähern. Großbritannien liegt übrigens wieder im Krieg wegen der Falkland-Inseln. Der südafrikanische Staatschef ist von Mexikanern entführt worden. Die dort zuständige Ministerin wusste nichts über den Aufenthaltsort der eigenen Soldaten. Aufregend! Aber zum Ausgleich gibt es auch einen schönen Aufenthaltsraum, der den Namen „Mallorca“ trägt. Für besonders gute Arbeit und viel Ideenreichtum kann hier für ein Erholungsweilchen geurlaubt werden.

Am G 23-Gipfel auf dem Planeten Höhnisch
Die ganze Welt passt in den Wabenbau: Karl-von-Frisch-Schüler bauten eine Gesellschaft wie im echten Leben nach. Privatbild

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27.07.2012, 12:00 Uhr

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