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Doch die meisten Ausgleichsmaßnahmen für den Achalmtunnel sind längst fertig

Am Listhof sterben die Kröten

Der Listhof dient als Öko-Ausgleich für den Scheibengipfeltunnel – das ist seit bald 20 Jahren klar. Die meisten Maßnahmen sind längst abgeschlossen. Nur die Kröten werden beim Umweltbildungszentrum überfahren, weil drei Krötentunnel immer noch fehlen.

05.11.2015
  • Matthias Reichert

Reutlingen. Der Ausgleich war damals „ein Kunstgriff, weil die Stadt Geld brauchte, um das ehemalige Panzergelände am Listhof herzurichten“, sagte Ira Wallet, der Vorsitzende des Vereins Pro Achalm. Der lud am Dienstag ins Alte Rathaus, um den Öko-Ausgleich für den Scheibengipfeltunnel mit Fachleuten zu diskutieren.

270 000 Euro hat der Bund seit 1998 für den Naturausgleich am Listhof gezahlt, rechnete Projektleiter Norbert Heinzelmann vom Tübinger Regierungspräsidium vor. Fast alles sei ausgeführt: Gehölze und Hecken wurden gepflanzt, Gewässer verlegt, ein Reptilienhabitat angelegt. Das habe er in 25 Jahren Straßenbau noch nicht erlebt, sagte Heinzelmann: „Die meisten Maßnahmen waren schon vor dem Spatenstich fertig.“

Nur drei Amphibientunnel am Listhof fehlen noch. Das führe zu einem Krötensterben, regten sich die Umweltschützer auf. Die neuen Gewässer würden zwar von den Amphibien gut angenommen, hieß es – „aber die Tiere rennen auf die Landstraße Richtung Ohmenhausen“. Und in den kleineren Gewässern seien die Feuersalamander „nachhaltig verschwunden“. Laut Heinzelmann hatte der Reutlinger Gemeinderat überlegt, gleich eine Fußgängerunterführung mitzubauen. Doch die war zu teuer, das Projekt liegt seither auf Eis. Der Projektleiter will bei der Stadt Druck machen – bis 2017 sollten die Durchlässe fertig sein.

70 000 Euro sind vom Bund für kleinere Maßnahmen wie Nistkästen für Vögel und Fledermäuse geflossen. Die Zuhörer kritisierten aber, dass diese Kästen nur zwei Jahre finanziert seien. Landschaftsplaner Norbert Menz sagte: „Die Natur regelt das selbst. Wenn die Kästen angenommen werden, müsste das funktionieren.“ Eine Zuhörerin konterte darauf: „Und wenn nicht, ist die Maßnahme für die Katz.“

Am Tunnel selbst werden Bäume gepflanzt – Linden, Bergahorn, Eichen, so Menz. An die Randstreifen kommen Hecken. Die Bachbepflanzungen werden noch geplant. Unklar ist auch, was auf die Freifläche am Südportal kommt. Die Fläche sei für Rettungskräfte im Notfalleinsatz reserviert, sagte Heinzelmann. Möglicherweise werde sie geschottert, dann wachse schnell Rasen drüber. Asphalt scheide aus.

Weitere Zuhörer kritisierten, dass am Nordportal der Fußweg zur Achalm abgesperrt ist. „Das ist unsere Baustraße“, sagte der Projektleiter. Über die werden demnächst 20 000 Kubikmeter Aushub runtergefahren – den Weg zu öffnen, „ist mir zu gefährlich“, so der Projektleiter. Das Wegenetz werde anschließend wieder freigegeben, ein verlängerter Parallelweg hänge am Grunderwerb.

Das Gleiche gilt für die Gewässer. Hier ist der Ausgleich längst nicht überall abgeschlossen. „Der Umbau geht sehr schnell, das Problem ist der Grunderwerb“, sagte Torsten Müller, der bei der Stadt Reutlingen für Gewässer zuständig ist. Teils hätten die Anlieger dort Gumpen, Hütten oder Zäune gebaut. Das Problem sei, dass auf kurzen Distanzen viele Grundbesitzer beteiligt werden müssten. Im Norden wurden bereits Bäche verlegt und Fahrwege verengt. Teils seien die alten Pläne aber unpräzise – so drohe in einem Fall, der Hang wegzurutschen, wenn ein Bach wie vorgesehen verlegt werde.

Am Listhof sterben die Kröten
Der Scheibengipfeltunnel (hier das Südportal) zerschneidet zwei Naherholungsgebiete. Der Grün-Ausgleich ist am weit entfernten Listhof entstanden.Bild: Hansen/Haas

Projektleiter Norbert Heinzelmann vom Tübinger Regierungspräsidium zeigte ein Katastrophen-Video: Wenn es im Tunnel brenne, solle man sofort aus dem Auto ausstecken, den Zündschlüssel steckenlassen, damit die Feuerwehr die Fahrzeuge wegfahren könne, und alles liegenlassen. „Nichts wie raus“, so Heinzelmann – in den Rettungsstollen, der alle 240 Meter über Durchgänge erreichbar ist. Die ganze Umgehung ist 3,1 Kilometer lang, davon 1,9 Kilometer Tunnel. Er soll im Spätsommer 2017 eröffnet werden. Das Projekt wird, wie berichtet, 125,5 Millionen Euro teuer.

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05.11.2015, 12:00 Uhr

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