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Geteilte Freude an der Straße

Am Montag begannen offiziell die Bauarbeiten an der B 28 im Neckartal

Den Spatenstich zum Bau der gut 29 Millionen Euro teuren B 28 zwischen Tübingen und Rottenburg begleiteten Befürworter wie Gegner. Es war nicht für alle ein reiner Freudentag.

04.04.2016
  • Mario Beisswenger

Weilheim. Es war wie im Fußballstadion. Jubel auf Seiten der Hirschauer Delegation, die am Montagvormittag zum Promi-Spatenstich nach Weilheim ans bisherige Ende der B 28-Ausbaustrecke pilgerte. Von der Gegentribüne, besetzt mit Bewohnern der rechten Neckarseite, kamen dagegen enttäuschte Einwürfe.

Landesverkehrsminister Winfried Hermann fühlte sich angegriffen vom Vorwurf, ein Lügner zu sein. Statt vorbereitetem Sprechtext verteidigte er seine Haltung. „Ich hab mich 20 Jahre dafür eingesetzt, eine gute Lösung zu finden.“ Doch für eine Tieferlegung der Trasse habe es nie eine politische Mehrheit gegeben.

Mit einem Federstrich von der Landesregierung die Kosten für eine vor allem von Kiebingern geforderte Tieferlegung der Straße zu bezahlen, sei nicht möglich. Andere Gemeinden würden dann zurecht mit gleichen Forderungen kommen. Es hätte eine geradlinige Entscheidung gebraucht, etwa die, das Planfeststellungsverfahren für die Baugenehmigung neu aufzurollen.

Der von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt entsandte Norbert Barthle (CDU) schob dagegen lässig die Verantwortung für die jetzige Ausbauvariante Stuttgart zu. „Das Land ist für die Planung zuständig.“ Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium setzte aber auch den Akzent, an dem sich alle orientierten: Der Tag des Spatenstichs sei Anlass, sich zu freuen.

Die neue Straße sorge unter anderem für „weniger Lärm und weniger Abgase. Alles in allem steigern wir die Lebensqualität für die Bürgerinnen und Bürger.“ Da hakte nach dem offiziellen Teil die scheidende SPD-Landtagsabgeordnete Rita Haller-Haid ein. „Man vergisst immer, dass die Straße auch Verbesserungen bringt.“

Dem stimmte selbst Tübingens OB Boris Palmer zu. Ruhigere Ortsdurchfahrten, weniger Lkw in den Dörfern, das sei schon ein Grund zur Freude. Die andere Seite sollte aber auch im Blick bleiben. „Es darf nicht dabei bleiben, nur eine Straße zu bauen. Wir müssen dafür sorgen, von dort die Autos wieder runterzuholen.“

Im Unterschied zu Barthle sah Palmer die Luftqualität von Tübingen leiden, wenn mehr Autos von der B 28 geleitet in die Stadt rauschen. Auch der Bühler Ortsvorsteher Gerhard Neth machte sich Sorgen, was in seinem Dorf los ist, wenn es auf der B 28 staut: Die Fahrzeuge werden die Bühler-Abfahrt nutzen und dann doch wieder durchs Dorf rollen.

Landwirt Volkmar Raidt hat keine Angst vorm Verkehr, sondern beklagte einen direkten Eingriff in seine Geschäftsgrundlage. Flächenverbrauch durch Straßenbau ist sonst eine abstrakte Zahl. Raidt bezifferte den Verlust durch die neue B 28 auf zwölf Prozent seiner Anbaufläche. „Das lässt sich nicht ausgleichen, das bedeutet weniger Einkommen für uns.“ Er hatte auf seinem Traktor ein Banner, auf dem er nach nahe gelegenen neuen Pachtflächen suchte.

Die Kiebinger nutzten die Ansprache von Rottenburgs OB Stephan Neher zu einem deutlich formulierten Wunsch nach Verlegung des Bahnsteigs auf die Dorfseite. Neher ging darauf allerdings nicht ein.

Verkehrsminister Hermann wollte in der Bahnsteigfrage nicht wieder den Schwarzen Peter bekommen. Das Land könne da noch nicht mal Zuschüsse versprechen, weil die Stadt Rottenburg erstmal einen Antrag stellen müsste.

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04.04.2016, 20:00 Uhr

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