Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Nachbau am Großen Mühlkanal

Am Nepomuk-Haus soll sich bald wieder ein Mühlrad drehen

Das Haus am Nepomuk, in dem früher eine Öl- und Lohmühle arbeitete, soll wieder ein Mühlrad bekommen. Der Mühlkanal zweigte auf Höhe des Priesterseminars vom Neckar ab, das Wasser schoss zwischen der Rückwand des Nepomuk-Hauses und dem hinteren Teil der Zehntscheuer hindurch. Genau dort wollen Rottenburger Schüler in Zusammenarbeit mit der Forsthochschule ein drei Meter hohes Mühlrad installieren.

08.11.2012
  • hete henning

Rottenburg. Bis zum Neckarfest soll das Mühlrad fertig sein, und es soll keineswegs nur zur Zierde an der Wand hängen. An einer Stelle, die im Moment noch kaum zugänglich ist, an der schmalsten Stelle des früheren Großen Mühlgrabens zwischen dem Haus am Nepomuk und der Verlängerung der Zehntscheuer, soll sich das große Rad aus Stahl und Eichenholz in einem mit Wasser gefüllten Graben drehen. Ernst Heimes, Stadtführer und Besitzer des Nepomuk-Hauses, will auf diese Weise Touristen, Einheimischen und vor allem der Schuljugend ein Stück Rottenburger Geschichte und einen Eindruck von früher Energiegewinnung vermitteln.

Den alten Schleifstein zum Laufen bringen

Die Öl- und Lohmühle war in jenem Teil des Nepomukhauses untergebracht, wo heute Ausstellungen und Lesungen abgehalten werden. Unterhalb der Treppe in den ersten Stock ist noch das Loch zu erahnen, durch welches die Achse des Mühlrades (der Wellenbaum) ins Innere führte. Dort wurden nicht nur Ölfrüchte wie Raps oder Lein, sondern auch Eichenrinde zur gerbsäurereichen Gerberlohe zermahlen. Von den benachbarten Gerbern zeugen noch die Balkone in der Gasse Im alten Mühlgraben jenseits der Bahnhofstraße: An den Balustraden, erklärt Ernst Heimes, wurden einst die Häute über dem Kanal zum Trocknen aufgehängt. Auch ein Schleifstein, mit dem beispielsweise Sensen geschärft wurden, wurde per Wasserkraft angetrieben. Den Schleifstein gibt es noch, und Heimes möchte ihn mit dem Mühlrad wieder zum Laufen bringen.

Das Mühlrad-Projekt ist ein gemeinschaftliches Unternehmen von Schülern der Berufsschule Rottenburg sowie der Hochschule für Forstwirtschaft. David Gaeckle, der dort im dritten Semester Ressourcenmanagement Wasser studiert und in einem Anbau am Nepomuk-Haus wohnt, hat so etwas wie die Rolle des Technischen Leiters übernommen. „Wir berechnen die Dimensionierung und Gestaltung des Rades“, erklärt Gaeckle; außerdem mache sich die Hochschule Gedanken über die Abdichtung des Wassergrabens, in dem sich das Mühlrad drehen soll. Auch eine Bachelor-Arbeit zum Thema Wasserkraft sei denkbar.

Der Graben wird mit Wasser gefüllt

Wie das ganze aussehen soll, hat Gaeckle mit Hilfe einer rottenburgisch rot-weiß angemalten Holzscheibe demonstriert, die er auf zwei Böcke an der Rückseite des Nepomukhauses stellte: Das Mühlrad soll einen Durchmesser von drei Metern haben. Für den Bau des Rades sind sechs Schüler zuständig, die derzeit das Vorqualifizierungsjahr für Arbeit und Beruf (VAB) an der Berufsschule absolvieren. Im Moment, sagt Schulleiter Dominik Kugler, beschäftigten sich die Schüler noch mit der Theorie und dem Bau eines Tischmodells; im kommenden Halbjahr gehe es dann in der Lehrwerkstatt der Berufsschule an die Umsetzung, so dass das Rad rechtzeitig zum Neckarfest installiert werden könne. Für die VAB-Schüler, die ganz gezielt in ihrem Arbeits-, Lern- und Sozialverhalten gefördert werden sollen, sei das Projekt „ein Erfolgsgarant“, freut sich Kugler. Der vorige VAB-Jahrgang lieferte zum Neckarfest 2012 zwei fünf Meter lange Kanadier-Boote.

Wie Ernst Heimes berichtet, werden die Schüler auch den Graben fürs Mühlrad ausheben, möglicherweise sogar auf der gesamten Hauslänge von zehn Metern. Sicher ist, dass der Graben mit Wasser gefüllt wird, welches mangels Strömung das Mühlrad aber nicht antreiben kann. Deshalb wollen sich die Projektpartner mit einem Trick behelfen: Ein Elektromotor soll das Rad in Bewegung setzen.

Am Nepomuk-Haus soll sich bald wieder ein Mühlrad drehen
Alter mühlenbetriebener Schleifstein in der Scheune des Hauses am Nepomuk (mit Ernst Heimes). Über das rechte Rad lief der lederne Antriebsriemen. Bild: Henning

Am Nepomuk-Haus soll sich bald wieder ein Mühlrad drehen
Hinterm Haus am Nepomuk (rechts) verlief früher der Große Mühlgraben. Auf der gegenüberliegenden Seite, der Verlängerung der Zehntscheuer, befand sich die Brauerei Stein. Die rot-weiße Holzplatte lässt die Dimension des Mühlrad-Nachbaus erahnen. Dort, wo die Bodenplatten entfernt sind, wird ein Graben ausgehoben und mit Wasser gefüllt. Bild: Henning

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

08.11.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball