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Wenn jede Minute zählt

Am Steinenberg und in Bad Urach: Klinik für Neurologie und Frührehabilitation

Schlaganfallpatienten und Unfallopfer mit schweren Kopfverletzungen benötigen eine intensive Versorgung. Auch ihre Rehabilitation stellt besondere Anforderungen. Beides wird in der neuen Klinik für Neurologie und Frührehabilitätion gewährleistet: Im Klinikum am Steinenberg und in der Bad Uracher Ermstalklinik.

10.09.2014
  • Uschi Kurz

Reutlingen/Bad Urach. Gearbeitet wird schon seit letztem Herbst. Den Status „Schlaganfallstation“ gibt es aber erst nach einem Jahr und einem Besuch einer Kommission der Deutschen Schlaganfallgesellschaft, erzählt Chefarzt Dr. Frank Andres, während er durch die noch nicht zertifizierte Schlaganfallstation im neuen Bettenhaus Süd führt. Sechs sogenannte „Stroke-Unit-Betten“ werden in der zentralen Notaufnahme, einer Art Intensivstation für Schlaganfall-Patienten vorgehalten.

„Der Schlaganfall ist ein Minutenspiel“, erläutert Andres anhand einer Grafik, wieso es im Ernstfall auf jede Sekunde ankommt. Der Schlaganfall (Stroke) zerstört im Gehirn einen Teil des Gewebes unwiederruflich. Doch neben dem Infarktkern gibt es noch schlecht durchblutetes Risikogewebe, das sich durch die Akuttherapie in den ersten Stunden noch retten beziehungsweise später wieder aktivieren lässt. Damit die Hilfe schnellstmöglich einsetzen kann, müssen alle Bescheid wissen. Niedergelassene Ärzte haben einen direkten Draht zur Stroke Unit. Der Rettungsdienst ist mit einem Schlaganfall-Assessment ausgestattet. „Bei Schwerkranken kriegen wir eine schöne Versorgungskette hin“, freut sich Andres über die Fortschritte, die im vergangenen Jahr gemacht wurden.

In der Notaufnahme werden die Patienten von Neurologen untersucht. Mit Hilfe modernster Geräte können Schäden im Hirn oder in den Nervenbahnen gemessen und lokalisiert werden. Glücklicherweise geben die Mediziner in diesem Stadium häufig Entwarnung. Hartnäckige Schwindelattacken oder Sehstörungen können auf einen Schlaganfall hinweisen, aber beispielsweise auch von einer Migräne herrühren. Von den 3000 neuroglogischen Patient(inn)en, die jährlich in die Klinik kommen, werden letztlich nur 1600 stationär aufgenommen, die Hälfte davon sind Schlaganfall-Patienten. Bestätigt sich der Verdacht auf Schlaganfall, wird versucht, den Pfropfen mit Hilfe von Medikamenten aufzulösen (Thrombolyse). Manchmal werden die Engpässe auch mechanisch geweitet.

Die Schwerstkranken, die in einem der sechs Stroke-Betten liegen, werden an Monitoren kontinuierlich überwacht. Erst wenn sich ihr Zustand stabilisiert hat, werden sie auf die neurologische Station verlegt, die über 19 Betten verfügt. Sie liegt auf einer Ebene mit den Neurochirurgen und den Radiologen, was für die Behandlung von Vorteil ist.

Natürlich zählen nicht nur Schlaganfälle zu den Krankheitsbildern. Im Sommer werden häufig Personen mit schweren Kopfverletzungen nach Motorradunfällen eingeliefert. Die Klinik für Neurologie und Frührehabilitation behandelt das gesamte Spektrum neurologischer Krankheiten, also Beschwerden, die durch Störungen des Gehirns, des Rückenmarks, der peripheren Nerven und der Muskeln entstehen. „Wir versorgen alle neurologischen Patienten, dafür braucht es nicht immer und sofort die maximalen Möglichkeiten einer Uniklinik“, betont der Chefarzt. Für seltene und besonders schwierige Fälle bestehe eine sehr gute Kooperation mit den Neurofächern der Universität Tübingen.

Drei Tage bis vier Wochen dauert diese erste Phase der Behandlung, in der bereits eine gezielte Therapie einsetzt. Auf die sogenannte Phase A in der Klinik am Steinenberg folgt die „neurologische Frührehabilitation der Phase B“, kurz „Phase B“ genannt, in der neuen, eigens dafür eingerichtenen Abteilung der Ermstalklinik in Bad Urach. Zuvor war eine solche neurologische Frührehabilitation lediglich in geringerem Umfang in Zwiefalten möglich. „Phase B“, das bedeutet Fortführung der Akutbehandlung und Rehabilitation für Schwerstkranke, die noch intensivmedizinische Betreuung brauchen, meist schwer schluckgestört sind und beispielsweise permanent beatmet werden müssen. Pflegerisch ist diese Abteilung mit 18 Betten deshalb fast so gut besetzt wie eine Intensivstation.

In Berufsgruppen-übergreifender Zusammenarbeit von Therapeuten, Pflege und Ärzten wird ein Rehabilitationsplan entwickelt: täglich wird bis zu mehreren Stunden mit den Patienten geübt. „Neurologie ist ein Teamfach“, beschreibt der 48-Jährige, wieso sowohl in der Neurologie am Steinenberg als auch in der Ermstalklinik so viele verschiedene Disziplinen zusammenarbeiten. Durchschnittlich drei Monate verbringen die Patienten in der Phase B. Dann sind sie entweder so weit wieder hergestellt, dass sie in Bad Urach oder in der Nähe ihrer Wohnorte in eine normale Reha-Klinik (Phase C) verlegt werden können. Oder aber sie haben weiter einen so starken Unterstützungsbedarf, dass sie in einem Pflegeheim untergebracht werden müssen.

Oft würden die Mediziner ihre Patienten gerne noch weiter behandeln. Doch wie immer, wenn eine neue Abteilung aufgemacht werde, sagt Chefarzt Andres, stehe man besonders im Fokus der Kassen. Wie sehr die Phase B als Institution bisher gefehlt hat (ähnliche Einrichtungen in der Region gibt es lediglich in Ulm und am Bodensee), zeigt sich an den vielen Anfragen: „Wir können gar nicht alle Patienten aufnehmen.“ Bevorzugt werden Schwerstkranke aus Reutlingen und Tübingen, erst dann kommen Patienten aus dem Stuttgarter Raum zum Zug.

Am Steinenberg und in Bad Urach: Klinik für Neurologie und Frührehabilitation
Chefarzt Dr. Frank Andres und die medizinisch-technische Assistentin Ulrike Wackerhut demonstrieren an Sekretärin Carolin Hausecker, wie man mit modernster Technik die Nervenleitgeschindigkeit messen und eventuelle Störungen diagnostizieren kann. Auch bei Schlaganfallpatienten kommt die NLG zum Einsatz.Bild: Haas

Die Klinik für Neurologie und Frührehabilitation mit 25 Betten am Steinenberg und weiteren 18 stationären Betten in Bad Urach wird von Dr. Frank Andres, 48, geleitet. Andres begann seine klinische Ausbildung als Arzt im Praktikum in der Tübinger Neurologischen Universitätsklinik im Januar 1995. Dort hat er eine umfassende, akutneurologische Weiterbildung mit klinischem Schwerpunkt in der Schlaganfallmedizin und in der klinischen Neurophysiologie erfahren. Dieses Spektrum konnte er als Oberarzt im akademischen Lehrkrankenhaus in Karlsbad-Langensteinbach durch Expertise in der Neurologischen Frührehabilitation erweitern. Seit Sommer 2013 unterstützte Andres die Aufbau- und Umbauarbeiten im Klinikum am Steinenberg und in der Ermstalklinik sowie den Umzug der Phase-B-Frührehabilitation aus Zwiefalten.

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10.09.2014, 12:00 Uhr

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