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Jetzt geht es um die Wurst

Am Steinlachtaler Highway gibt es ein Stück mehr Imbisskultur

Markus Egerter war drauf und dran, Ingenieur zu werden. Jetzt hat der 29-Jährige in Ofterdingen eine Imbissbude an der B 27 eröffnet.

04.08.2014
  • Kathrin Löffler

Ofterdingen. Es könnte so fix gehen: Gepresstes Schweinefleisch, handelsüblicher Gewürzketchup drüber kippen – fertig ist die Currywurst. Nicht wenige Mitbewerber in der Branche der schnellen Kulinarik praktizieren es so. Markus Egerter nicht. Bei seinem „Fast Food” geht tatsächlich nur der Akt des Konsums ziemlich zügig. Die Zubereitung dauert. Fünf Stunden darf seine Currysoße köcheln, bis sie einer Wurst würdig ist. Finale Geschmacksnote: fruchtig. Spezialzutat: Cola. Die Endrezeptur der Hausmacher-Tunke wurde in ausführlichem Prozedere ausgelotet.

Vor kurzem tauschte Markus Egerter Hörsaal gegen Highway-Peripherie. Bis März studierte der Bodelshäuser Maschinenbau in Heilbronn. Nach fünf Semestern ließ er es bleiben. Das Arbeitsleben lockte. Egerter wollte sich etwas Eigenes aufbauen. Selber etwas schaffen. Seine Motivation: „Dass man den Erfolg gleich sieht.” Mit dem Gedanken, sich in der Gastronomie selbstständig zu machen, hat er schon öfters gespielt. Genauer: Im klassischen Imbiss-Geschäft. Grund: die eigene Unzufriedenheit mit dem bestehenden Angebot. In Tübingen beispielsweise gebe es da nur noch das „X”. „Ich fand’s nicht mehr besonders prickelnd”, sagt Egerter. Erst hatte er deshalb geplant, in der Fußgängerzone der Unistadt eine weitere Wahlmöglichkeit für flotte fleischlastige Verköstigungen zu bieten. Sein Onkel riet zur Risikominimierung: Ihm gehört das Ofterdinger Parkplatzareal neben der Bundesstraße und dem B 27even-Danceclub. Er bot dem Neffen an, es doch erst einmal dort mit einem mobilen Stand zu versuchen.

Egerter erstand einen Wagen, baute ihn um und taufte das Ergebnis „Extrawurscht”. Seit Anfang Juni versorgt er direkt an Ofterdingens Magistrale von Montag bis Freitag zwischen 11 und 20 Uhr Durchreisende und ortsansässige Hungrige. Pendler kommen, Beschäftigte lokaler Betriebe, Privatpersonen. Gereicht werden die Prototypen der Stehtisch-Speisung: neben dem Kultsnack auch Rote, Chicken Wings, Wurstsalat. Alles von regionaler Provenienz. Damit will Egerter „eine Alternative schaffen zum Döner”. Tier vom Drehspieß gibt es seiner Meinung nach im Umkreis nämlich allerorten – aber nichts Verzehrfertiges vom Schwein.

Weg von der Hochschule, raus an die frische Luft und die große Straße. Klingt nach einem beständig wehenden Düftchen von Abenteuer und Unabhängigkeit. Pustekuchen. „Die Selbstständigkeit ist eher anstrengend”, diagnostiziert der Jung-Gastronom. Das Studentenleben sei freier und ungebundener gewesen. Nun trage er die Verantwortung, seinen Laden täglich aufzumachen. Die Zeiten spontanen Ausschlafens sind vorbei. Egerter agiert momentan in 12-Stunden-Tagen. Zutaten wollen eingekauft und Schilder gedruckt, das Geschirr muss gespült und der Wagen geputzt werden.

Was der Bodelshäuser super findet: „Jetzt bekommt man öfters Feedback.” Im Studium sei das weniger der Fall gewesen. Korrekturmaßnahmen hält er für durchführbar, sollte sich ihm der Sinn seiner Neuorientierung irgendwann einmal weniger erschließen: „Ich bin noch jung, ich kann immer noch einlenken”, sagt Markus Egerter grinsend.

Für die nahe Zukunft will er sich versuchsweise an erweiterten Öffnungszeiten und neuen Zielgruppen probieren. Geplant ist, den Wurstbedarf unter den spätabendlichen Ankömmlingen am benachbarten Danceclub zu taxieren. Umgezogen ist er auch schon – auf die gegenüberliegende westliche Straßenseite. Neben das ehemalige, momentan leer stehende Döner-Häuschen. Egerter hat es gekauft und sich an die Restaurierung gemacht. Denn demnächst will er seine Speisen nicht mehr auf Rädern, sondern aus einer stabilen Unterkunft heraus servieren. Und für jene Ofterdinger Esser, die gern mit dem Gaumenfeuer spielen, geht auch noch was. Es sollen mehr Soßen in weiteren Schärfegraden eingeführt werden.

Am Steinlachtaler Highway gibt es ein Stück mehr Imbisskultur
Vom Hörsaal zum Imbiss: Markus Egerter in seinem „Extrawurscht“-Stand an der B27.

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04.08.2014, 12:00 Uhr

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