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Am Tag als Bobby Ewing starb

Launig ohne Tiefgang: Gnädige Abrechnung eines Zu-spät-Geborenen mit den Öko-Achtzigern.

Launig ohne Tiefgang: Gnädige Abrechnung eines Zu-spät-Geborenen mit den Öko-Achtzigern.

AM TAG ALS BOBBY EWING STARB
Deutschland

Regie: Lars Jessen
Mit: Peter Lohmeyer, Gabriela Maria Schmeide, Franz Dinda, Nina Petri, Richy Müller

- ab 6 Jahren

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24.11.2015
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1986 war das Jahr, als zum Entsetzen der „Dallas“-Gemeinde Serienliebling Bobby Ewing (angeblich) erschossen wurde, der Bremer Balltreter Michael Kutzop mit einem versemmelten Elfmeter Bayern München die Deutsche Fußball-Meisterschaft schenkte, und Gerüchte über hohe Strahlenwerte sich zur Gewissheit eines atomaren Super-Gaus in Tschernobyl verdichteten.

Doch trotz dieser Steilvorlage aus der Ukraine lag die deutsche Öko-Bewegung in ihren letzten Zügen. Man sieht das an diesem ausgemergelten und angejahrten Häufchen, das vor dem Kernkraftwerk Brokdorf unter dem Feixen der Polizei sinnlose Sitzblockaden veranstaltet. Einige der Demonstranten leben in der Nähe in einer Landkommune, wo man sich ohne rechten Erfolg an sozialen Projekten versucht, Schafe schert und die Nachbarn mit Nacktbaden ärgert. In diesen Verfall platzen aus Bremen die politisch unbedarfte Hanne und ihr pubertierender Sohn, die sich in dem vermeintlich stallwarmen „Wohnkollektiv“ von einem Familiencrash erholen wollen.

Lars Jessen, Regisseur dieser launigen Zeitreise in die Anti-AKW-Achtziger, ist Jahrgang 1969, und schon von daher gefeit vor einer glanzäugig nostalgischen Nachbetrachtung. Sein filmisches Ich ist der 17-jährige Niels, den im Gegensatz zu seiner anpassungsfreudigen Mutter das scheinliberale Kommune-Reglement anwidert und der lieber bei der prolligen Dorfjugend Anschluss sucht. Andererseits verkneift es sich Jessen, die Politideologen und Öko-Zausel (an der Spitze Struwwel-Peter Lohmeyer mit verwegener Perücke) als Freakshow vorzuführen. Der Abscheu vor den ästhetischen Entgleisungen ist meist in gutmütigen Humor verpackt und mit ein bisschen Bewunderung für die rechtschaffenen Utopien versetzt. Die unvermeidlichen kabarettistischen Einlagen – eine Urschreitherapie oder die verschlungenen Gewalt-Debatten – bleiben im Rahmen des Erträglichen. Die exzellente Retro-Fotografie von Kameramann Andreas Höfer und viele lustvoll ausgebreiteten Artefakte und Redewendungen sorgen für authentisches Flair.

Das alles erinnert in Thema und Machart an Lukas Moodyssons „Zusammen“ und Stefan Krohmers „Sie haben Knut“ – und fällt im Resultat doch deutlich ab. Zu unscharf zeichnet Jessen die Figuren, als dass sie einen – im Guten oder im Bösen – berühren würden. Einzig Jungspund Niels zeigt ansatzweise Charakter, auch wenn sein Techtelmechtel mit Bürgermeisters Töchterlein kaum das Handelsübliche im Coming-in-Age-Genre sprengt. Auch analytisch hat der Film wenig zu bieten. Das Linksalternative ist für Jessen bloß eine kuriose Marotte zum Mitschmunzeln. Wie und warum diese Käuze tatsächlich einmal den Zeitgeist verkörpert haben (und nach ihrem kulturellen Niedergang frisch frisiert in Parlamente und Regierungen zogen), bleibt unerklärt

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24.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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