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„Das alte Klomp gehört weg“

Am Tag vor der womöglich entscheidenden Rats-Sitzung scheiden sich an der Ambacher Mühle in

Wenn es nach dem Willen der Dußlinger Gemeindeverwaltung geht, soll die Ruine der Ambacher Mühle in der Kappelstraße 22 ohne großes Aufhebens abgerissen werden. Kurz vor knapp kam ein Bürgerbegehren in die Quere. Was sagen Dußlinger Einwohner zu den Abriss- Plänen? Das TAGBLATT ging auf Stimmenfang.

28.11.2012

Von Amancay Kappeller

Dußlingen. Abreißen oder erhalten? Beim Thema Ambacher Mühle gehen die Meinungen im erst kürzlich so friedlich wiedervereinten Dußlingen auseinander. Der Dußlinger Sado Gibovic hat 17 Jahre lang in der Kappelstraße gewohnt und kennt die Mühle – zumindest von außen – gut. Der gebürtige Bosnier hält den Bau, der nicht denkmalgeschützt ist, für eine nicht mehr sanierungsfähige Ruine. Den Abriss befürwortet er, zumal man in eine Sanierung seiner Meinung nach mehr Geld investieren müsste als in den Bau eines komplett neuen Hauses. „Erhalten wäre deshalb Quatsch“, findet Gibovic.

Auch für Jolande Hildebrand ist der Abriss die richtige Lösung. „Wenn sie?s nicht abreißen, müsste man einen Haufen Geld reinstecken“. Dann stelle sich automatisch auch die Frage, was mit dem alten Kasten passiere. Die Erbengemeinschaft möchte die marode Mühle ganz offensichtlich los werden; seit Jahren findet sich kein Käufer für den historischen Bau aus dem 15. Jahrhundert.

Lieselotte Vollmer lebt seit 1956 in Dußlingen und kennt die Ambacher Mühle schon lange. Damals war sie noch in Betrieb. Dass in dem verfallenen Gebäude keiner mehr wohnen könne, sei ja klar. Wenn es keinen gebe, der die Mühle haben wolle und die Gemeinde den Platz brauche, „dann kann man halt nix machen“, findet Vollmer.

Die Dußlinger Bürger Bruno Müller und Detlinde Bryniok haben der Gemeinde, allen voran Rathaus-Chef Thomas Hölsch, mit ihrer Unterschriftenaktion keine kleine Hürde vor die Abbruch-Pläne aufgebaut. Mehrere hundert Dußlingerinnen und Dußlinger haben sich mit ihrer Signatur hinter den Erhalt der Mühle gestellt. Doch ob es einen Bürgerentscheid geben wird, klärt sich wohl erst am morgigen Donnerstag. Auch Iris Heinlein hat unterzeichnet. Die Lehrerin spricht sich ganz klar für den Erhalt der Ambacher Mühle aus. Dußlingen habe viel zu wenig „Plätze zum Wohlfühlen“ – also Orte, an denen die Gemeinde zusammenwachsen, an denen man sich – auch und gerade als Zugezogene – orientieren kann. Zumal im Ort in letzter Zeit viele Neubauten entstanden seien. Schade findet die Mutter es, dass sich für die Mühle kein Investor gefunden hat.

Jomana Chehade findet es bedauerlich, dass die Ambacher Mühle, die seit 1995 leer steht, weichen soll. Das alte Gemäuer gehöre schließlich zu Dußlingen, zur Dorfgeschichte. Die Verkäuferin hat längere Zeit im Ort gewohnt. Sie könnte sich vorstellen, das von Zerfall gekennzeichnete Bauwerk in saniertem Zustand für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, etwa als Museum. Hilde Thun indes ist gegen die Mühle: Eine Sanierung würde viel zu viel Aufwand und zu hohe Kosten verursachen.

Die Dußlingerin Erika Fischer möchte eigentlich nicht, dass das Industriedenkmal abgerissen wird. „Wahrscheinlich führt aber kein Weg daran vorbei“, so die Einschätzung der Rentnerin. Denn hohe Summen in den maroden Altbau stecken: Das lohnt sich in Fischers Augen nicht.

Natalia Trost wohnt im Neubaugebiet, weit weg von der Mühle. Was das Richtige in Sachen Gemäuer ist, da ist sie sich nicht so sicher. Soll die Ruine renoviert werden oder nicht? Als historisches Haus habe diese immerhin eine Verbindung zum Ort, meint Trost.

Brigitte Strubelt fände es gut, wenn der Mühle die Abrissbirne erspart bliebe. „Stehen lassen“, so ihre Meinung. Mit der wieder hergerichteten Ambacher Mühle könne man „den Dorfkern erweitern“. Mit der neuen Bücherei-Mediothek habe man einen schönen Anfang gemacht; es fehle aber noch an kommunikativen Orten. „Dann würde Dußlingen mal ein Gesicht bekommen“, findet Strubelt.

Hans Grauer ist da anderer Ansicht: „Abreißen, so schnell wie möglich!“, fordert er. Für den Erhalt der Mühle unterschrieben sei schnell; welchen Beitrag aber leisteten die Unterzeichner darüber hinaus? Gitta Grauer teilt die Meinung ihres Mannes diesbezüglich nicht: „Lieber erhalten, wenn?s machbar wäre“. Sie hat gehört, dass nicht nur das Gebäude selbst einen historischen Wert hat; auch gebe es noch einiges an Inventar, das erhaltenswert sei.

Auch Jürgen Schmid hält es für wichtig, zumindest Teile des Innenlebens zu bewahren, etwa das Mahlwerk. Das Bauwerk an sich sei aber schon sehr heruntergekommen. „Es kommt immer drauf an, was man draus macht“, findet Gerhard Möck. Teile des alten Gebäudes, wie Rampe und Eingang, wurden bereits zu einem früheren Zeitpunkt abgerissen, daran erinnert sich der Anwohner. Möck glaubt allerdings nicht, dass es sich noch lohnt, viel Geld in die Ambacher Mühle zu stecken.

Und noch ein weiterer direkter Anwohner (der seinen Namen ungern zu dem Thema in der Zeitung lesen möchte) sieht keinen Sinn darin, die Mühle zu erhalten – obwohl diese eine Zeit lang „wie eine zweite Heimat“ für ihn war: Mit den Söhnen der Familie Ambacher war er befreundet, ging im Gebäude ein und aus. Vor 50 Jahren sei die Mühle bereits baufällig, Wasserrad und anderes bereits brüchig gewesen. „Das alte Klomp gehört weg“, so das unsentimentale Urteil des Dußlingers.

Je nach Blickwinkel ist diese Mühle ein Haufen Schrott in bester Lage – oder ein liebenswertes Stück der Dußlinger Dorfkultur. Am morgigen Donnerstag um 19 Uhr liegt im Gemeinderat der Prüfbericht der Tübinger Kommunalaufsicht vor. Die Stelle hat abgewogen, ob das Bürgerbegehren für den Erhalt der Ambacher Mühle formal und inhaltlich in Ordnung ist. Sollte dem nicht so sein, will die Gemeindeverwaltung den Abriss noch vor Neujahr abschließen.Bild: Freese

Die Dußlinger Gemeindeverwaltung hat eine klare Marschrichtung in Sachen Ambacher Mühle, die im Ort auch als Untere Mühle bekannt ist: Das heruntergekommene Gebäude aus dem 15. Jahrhundert soll im Zuge des Sanierungsgebiets Bahnhofstraße fallen – möglichst schnell und noch in diesem Jahr. Denn sonst müsste die Gemeinde auf eine ganze Menge Fördergeld verzichten: 60 Prozent der Abriss- und Grundstückskosten bekäme sie in diesem Fall in Form von Sanierungszuschüssen erstattet. Eigens zu Abrisszwecken hat die Gemeinde den maroden Bau von der Erbengemeinschaft, der die Mühle gehört, gekauft. Ein teilweise vierstöckiges Wohn- und Geschäftshaus soll an dem Standort zwischen Kappel- und Bahnhofstraße hochgezogen werden. Morgen könnte entschieden werden.

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Erstellt:
28. November 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
28. November 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 28. November 2012, 12:00 Uhr

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