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Mit Engelszungen

Am Zahn der Zeit

Keine Frage: Die große Zeit des Selbermachens ist vorbei. Wir leben in der Post-Do-It-Yourself-Ära, was unschwer daran zu erkennen ist, dass all die Möbel, die wir vor zehn Jahren selber geschreinert haben, mittlerweile auseinanderfallen. Vielleicht hätten wir doch nicht an den Schrauben sparen sollen?

14.04.2016
  • Bernhard Haage

Nein, wer heute noch sein Sushi selber rollt, ist entweder Japaner, Profikoch oder gehört zur unbelehrbaren Sorte der genialen Dilettanten. Als Angehöriger letzterer Spezies kann ich gar nicht anders, als die Welt auf immer neuen Wegen experimentell zu verbessern. Beispiel Zahnpasta: Wussten Sie eigentlich, dass ein durchschnittlicher hundertjähriger Reutlinger im Laufe seines Lebens beinahe 5000 Euro für Zahnpasta ausgibt? Das Geld könnte er jetzt viel besser für einen halben Treppenlift gebrauchen, denn Zähne hat er sowieso keine mehr. Allerdings ist die Kohle längst vergurgelt, verschrubbt und ins Waschbecken gespuckt. Der begeisterte Pasta-Koch in mir signalisiert, dass das auch anders gehen muss: Warum die Zahnpasta nicht einfach selber machen?

Bei der Recherche im Internet stoße ich schnell auf Gleichgesinnte. Es gibt tatsächlich einige Menschen, die sich ihre Beißerchen mit Salz, Natron, Heilerde oder getrockneter Minze schrubben. Mit Kokosöl und ein paar Tropfen ätherischen Ölen vermischt, wird eine richtige Zahnpasta daraus. Zumindest wenn es kühl im Zimmer ist. Andernfalls läuft diese Pasta nämlich einfach davon.

Es gibt sicher angenehmere Dinge als hinter einer flüchtigen Zahnpasta herzulaufen. Deshalb habe ich meine Gehirnzellen für einen kurzen Augenblick in den Innovationsmodus versetzt und eine erstaunliche, wenn auch im Grunde naheliegende Lösung für all unsere (Zahn-)Probleme gefunden: Kein Mensch braucht mehr Zahnpasta, wenn wir die pflegenden und reinigenden Substanzen ganz einfach direkt ins Essen mischen.

Zwar ähnelt die Bolognesesoße mit Heilerde und Aktivkohle versetzt eher einer gehäuften Schaufel Friedhofserde, auch dauert es ein bisschen, bis man sich an das Knirschen beim Kauen gewöhnt hat, aber die Zeiteinsparung ist enorm. Der durchschnittliche 100-jährige Reutlinger gewinnt im Laufe seines Lebens sage und schreibe 5475 Stunden (oder 228 Tage) an Zeit, die er für erbaulichere Dinge als die Zahnpflege nutzen kann.

Zudem reinigt die Heilerde (extra-fein) bei jedem Bissen sanft den Zahnschmelz, während die Aktivkohle (bitte keine Stein- oder Braunkohle verwenden) für eine optische Aufhellung und ein entsprechend strahlendes Lachen sorgt. Mit dem möchte ich mich von ihnen verabschieden. Genießen Sie die gewonnenen Tage.

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14.04.2016, 01:00 Uhr

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