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Börsianer reagieren besonnen

Am ersten Handelstag nach den Angriffen gibt es nur geringe Ausschläge - Ölpreis steigt aber

Die Börsen reagierten gestern nur mit kurzfristigen Abschlägen auf die Terrorangriffe in Paris. Nur Aktien von Airlines und Tourismusanbieter gerieten unter Druck. Die EZB sieht keinen Grund zum Eingreifen.

17.11.2015
  • ROLF OBERTREIS (MIT AFP UND DPA)

Frankfurt Auch auf dem Frankfurter Börsenparkett, bei Volkswirten und Analysten ist das Entsetzen über die Terroranschläge in Paris groß. Trotzdem war von Panik an den Finanzmärkten nichts zu spüren, ganz im Gegensatz zu den Reaktionen nach den Terroranschlägen vom September 2001 in den USA. Gold, generell als Krisenindikator tituliert, verteuerte sich nur leicht um 0,4 Prozent, der Deutsche Aktienindex (Dax) rutschte zunächst um 0,9 Prozent ab, stieg aber am späten Vormittag leicht.

Am ersten Handelstag nach den Angriffen gibt es nur geringe Ausschläge - Ölpreis steigt aber
Der Bulle vor der Frankfurter Börse steht für Kursanstieg. Foto: afp

Größere Abschläge gab es bei Fluggesellschaften und Aktien der Tourismusbranche. Das Papier von Lufthansa etwa verlor zeitweise rund 2,75 Prozent, bei Tui waren es vorübergehend mehr als 5 Prozent.

Die unbegreiflichen Anschläge hätten mit aller Deutlichkeit gezeigt, wie angreifbar unsere Gesellschaft sei, sagte Eugen Keller vom Bankhaus Metzler. "Doch auch am heutigen Montag zeigt sich das alte Muster, dass selbst Einbrüche nach solch einschneidenden Ereignissen allenfalls kurzfristiger Natur sind."

Vor Jahren sei nach Anschlägen in Spanien und London ein ähnliches Marktverhalten zu beobachten gewesen. Andreas Paciocek von CMC Markets fürchtet, dass die Terroranschläge den Katalysator für viele negative Entwicklungen in Europa und der Welt liefern könnten. Trotzdem dürfte der Einfluss an der Börse begrenzt bleiben. "Hier dominieren weiterhin die geldpolitischen Spekulationen." Und damit die Frage, ob die Europäische Zentralbank (EZB) im Dezember die Geldpolitik über die Ausweitung ihres Anleihe-Kaufprogramms weiter lockert.

Die EZB sah gestern keinen Anlass zum Handeln, betonte Vize-Präsident Vitor Constancio auf der Euro Finance Week in Frankfurt. "Wenn die Ereignisse zu einem deutlichen Vertrauensverlust und spürbarer Risikoaversion in der Wirtschaft führen, kann das sehr negative Folgen haben", schränkte er aber auch ein und deutete die hohe Wachsamkeit der Notenbanker an.

Die Anschläge von Paris dürften für die Notenbank keine wesentliche Rolle spielen, glaubt Jörg Krämer, Chef-Volkswirt der Commerzbank. Anders als nach den Terrorattacken vor 14 Jahren in den USA. Damals senkten die Notenbanken die Zinsen, stellten großzügig Liquidität bereit, um den Einbruch der Wirtschaft abzumildern. Die Situation damals war nach Ansicht von Ulrich Kater, Chef-Ökonomen der Deka-Bank auch gänzlich anders.

Mit den Anschlägen vom September 2001 sei die Weltordnung erschüttert worden. 2001 war der Dax nach den Anschlägen deshalb um 8,5 Prozent eingebrochen, die Börse in New York wurde für mehrere Tage geschlossen. Nach den Anschlägen auf Züge in Madrid vor elf Jahren war der Dax um nur 3,5 Prozent abgerutscht, ein Jahr später bei der Attacke auf einen Linienbus in London war es um weniger als 2 Prozent nach untern gegangen. Mit den Anschlägen von Paris habe sich die geopolitische Bedrohung nicht verändert, auch wenn sie sich verschärft habe, sagt Kater.

In Paris hat die Börse nach den verheerenden Anschlägen vom Freitag entgegen ersten Befürchtungen kaum Kursverluste erlitten. Der französische Leitindex CAC40 stabilisierte sich am Mittag bei einem moderaten Minus von 0,06 Prozent. Stärker betroffen von der Anschlagserie waren vor allem Unternehmen aus der Tourismusbranche. Nachdem der Kursindex der Pariser Börse nach Eröffnung gestern Morgen kurzzeitig um über 1 Prozent gefallen war, pendelte er sich wenig später auf Normalniveau ein. "Es ist ein Zeichen der Widerstandsfähigkeit, dass Europas Indizes entgegen berechtigter Befürchtungen keine Anzeichen von panikartigen Verkäufen zeigen", sagte der Händler Connor Campbell vom Finanzdienstleister Spreadex.

Vor dem Hintergrund der Anschläge in Paris stieg aber der Ölpreis. In Singapur kostete ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzmarke West Texas Intermediate 40,93 Dollar (37,98 EUR) und damit 19 Cent mehr als am Freitag. Die Nordseesorte Brent kostete pro Barrel 44,77 Dollar (41,70 EUR), 30 Cent mehr als am Freitag. Frankreichs Ankündigung eines verstärkten Militäreinsatzes in Syrien könnte die Preisentwicklung trotz eines Öl-Überangebotes einige Tage lang nach oben treiben, sagte Daniel Ang von der Investmentfirma Phillip Futures in Singapur.

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17.11.2015, 12:00 Uhr

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