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„Amerika wird wieder gewinnen“
Donald Trump hält seine erste Rede als US-Präsident. Foto: afp Foto: AFP
Machtwechsel

„Amerika wird wieder gewinnen“

Nach dem feierlichen Ableisten des Amtseides macht der 45. US-Präsident Trump klar: Seine Politik wird geprägt von einem Nationalismus, dem sich alles andere unterzuordnen hat.

21.01.2017
  • DPA

Washington. Die wohl wichtigste Demokratie der Welt feiert ihr Hochamt: Donald Trump hat vor dem festlich geschmückten Kapitol in Washington seinen Amtseid abgeleistet und übernimmt den Staffelstab von Barack Obama. Der 45. Präsident der Vereinigten Staaten ist im Amt – und alles soll anders werden. Daran lässt Trump keinerlei Zweifel.

Es ist die ungewöhnlichste, aufsehenerregendste und für viele auch beängstigendste Amtsübernahme in der jüngeren Geschichte des stolzen Landes, das aus seiner Verfassung den Honig für seine Existenz und Eigenart saugt. Trump, so glauben viele Kommentatoren, könnte nach dem liberalen Obama zur Schocktherapie für die Amerikaner werden. Seine Rede wird Musik in den Ohren seiner Anhänger sein, für seine Kritiker bestätigt sie alle Sorgen.

Amerika zuerst, ruft Trump, sogar zweimal. Alles soll sich dem beugen, in der Wirtschaft und der Außenpolitik. Ja, Amerika wolle ein Vorbild sein. Aber Nationen hätten das Recht, zuerst an sich zu denken. Das klingt nicht nach Bündnissen und internationalem Gemeinsinn, sondern nach einer Rückbesinnung. Trump ist da ganz konsequent, er hat auch im Wahlkampf keine anderen Botschaften verbreitet. Genau dafür wurde er gewählt. Den radikalen Islamismus will er vom Erdboden tilgen.

Trumps Rede ist ein 16 Minuten langer Schlussstrich unter das Amerika Barack Obamas, auch wenn er seinem Vorgänger höflich dankte. „Amerika wird wieder gewinnen. Wir werden unsere Jobs zurückbringen. Wir werden uns unsere Grenzen zurückholen. Wir werden unseren Wohlstand zurückbringen. Wir werden unsere Träume zurückbringen.“

An seine Anhänger: Ich werde Euch niemals im Stich lassen. Alles werde sich ändern. „Jetzt beginnt es, genau hier“, sagte Trump. „Das ist Euer Moment, das ist Euer Tag. Die USA sind Euer Land.“ Dieser 20. Januar werde in die Geschichte eingehen als der Tag, an dem das Volk die Macht zurückerhalte.

Zwischen 700 000 und 900 000 Menschen sollten nach Washington kommen, um den neuen Präsidenten zu sehen. Wie er vor dem Kapitol steht, wie er dem höchsten Richter John Roberts in die Augen sieht, wie er auf die Verfassung schwört, die Hand auf der Bibel Abraham Lincolns und seiner eigenen. Angespannt wirkte Trump. Nervös, unruhig. Hinter ihm Melania Trump, fast maskenhaft.

Ernst und würdevoll waren Barack und Michelle vor dem Kapitol erschienen, kurz nach Hillary Clinton, der größtmöglichen Verliererin. Dort drüben, nur wenige Meter entfernt, dort hätte sie stehen wollen. Dort aber stand und schwor ihr Kontrahent. Statt ihrer bekommen die Amerikaner mit Trump einen politisch Ungehobelten als Präsidenten. Einen Mann, der sein Dasein auf die Tatsache gründet, anders zu sein. In seiner Rede versprach er mit Wucht, daran nichts zu ändern.

Schon weit vor Tagesanbruch hatten sich Tausende aufgemacht, um dem Großereignis vor dem Kapitol beiwohnen zu können. „Heute ist der Tag, an dem wir alle zusammenkommen“, sagte Chuck Schumer, der oberste Demokrat im Senat. Nicht alle folgen diesem Rat. Fernsehbilder aus der Luft zeigten die Mall vor dem Kapitol bei weitem nicht voll. Es regnete leise.

Trump führte nach einem Mittagessen im Kapitol eine Parade zum Weißen Haus an. Auf den rund drei Kilometern Paradeweg bis zum Weißen Haus versammelten sich Zehntausende, um die Zeremonie live oder auf Videoleinwänden zu verfolgen. Allein die „Biker für Trump“ hatten 5000 Motorradfahrer mobil gemacht. Von Rekordzahlen war die Menge aber weit entfernt.

Viele nahmen Strapazen auf sich, um da sein zu können. Anne Sullivan (65) aus North Carolina saß sieben Stunden im Auto, um von ihrem Heimatort nach Washington zu fahren. „Ich liebe Donald Trump“, sagte sie. „Er hat göttliche Eingebungen.“ Sie habe davon geträumt, dass er gewinnt. Und er werde Amerika auf die richtige Weise führen. „Nicht so wie Ihre Präsidentin“, sagt sie dem deutschen Reporter. „Merkel lässt die ganzen Terroristen ins Land.“

Derek Allen zeigt derweil, was er unter Donald Trumps Plänen versteht, die Wirtschaft anzukurbeln. Der Händler verkauft Pudelmützen und natürlich die berühmt gewordenen Baseballkappe mit der Aufschrift „Make America Great Again“ – Trumps Wahlspruch. Die Dollarscheine füllen schon im Morgengrauen seine Hosentasche. Auch das Wetter ist auf seiner Seite. Regenschirme, die die Sicherheitschecks überstehen, bringt Allen heute für zehn Dollar das Stück an den Mann. „Wir reisen schon seit April Trump hinterher - ein Supergeschäft“, sagt er. „Die Leute haben Geld.“

Trotz aller Kritik an Trump – der Tag der Vereidigung wurde schon vorher als Tag der Demokratie in den USA beschworen. Trotz häufig heftiger Bauchschmerzen über das, was der kommende Präsident in den vergangenen 18 Monaten alles von sich gegeben hatte. Eine friedliche Übergabe der Macht gilt den USA als Gesetz. Trump hat umrissen, dass er sich dies nicht als fröhlichen Spaziergang vorstellt. Michael Donhauser, dpa

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21.01.2017, 06:00 Uhr

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