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15 Monate Sanierung einer Wundertüte

Ammerbucher Lange Gasse wieder freigegeben

Seit Sommer 2011 war die einzige offizielle Ortszufahrt nach Pfäffingen gesperrt. Am Mittwochnachmittag wird die Lange Gasse wieder für den Verkehr freigegeben. Fertig ist die Rundum-Sanierung aber noch nicht.

31.10.2012
  • Uschi Hahn

Pfäffingen. Manchmal kamen sie sich vor, als hätten sie eine Wundertüte vor sich. Nur dass die Überraschungen selten Freude auslösten. Die Lange Gasse zwischen der Nagolder Straße und dem Pfäffinger Ortskern war für die Baukolonne der Balinger Firma Stumpp „eine Herausforderung“, wie Dieter Koch sagt. Seit über 30 Jahren arbeitet er als Kapo, Vorarbeiter also, im Straßenbau. Aber das, sagt er, hat er noch nie erlebt: „Immer was Neues, immer, wenn wir was geplant hatten, ist es anders geworden.“

Dabei war klar, dass die Komplett-Sanierung der Straße kompliziert wird. Schließlich verläuft sie auf „problematischem Untergrund“, wie der Bauingenieur Josef Geiger aus Rottenburg den Ammersumpf umschreibt. Während der Bauarbeiten musste permanent Wasser abgepumpt werden. Die tragfähige Schicht unter dem Asphalt ist nur 2,50 Meter dick. Darunter liegen elf Meter instabiler Sumpf; erst dann wird der Boden wieder fest.

Um das auszugleichen, sind viele Häuser in Pfäffingen auf Pfählen gegründet, die zehn bis zwölf Meter tief in der Erde stecken. „Alle Häuser, die nicht auf Pfählen stehen, bewegen sich“, weiß Ammerbuchs Ortsbaumeister Hans Prospero.

Eine Straße aber lässt sich schlecht auf Pfählen gründen. Stattdessen ist der Straßenkoffer in der Langen Gasse nun mit 80 bis 90 Zentimetern um einiges dicker als der Standard-Straßenkörper von 60 Zentimetern. Als Pufferschicht wurde zwischen zwei Lagen Fließ Schotter eingebaut.

Damit sich der Boden unter dem Straßenkoffer beruhigen kann, so Geiger, wird die Deckschicht noch nicht gleich eingebaut. Erst im Frühjahr sollen die schweren Asphaltmaschinen anrücken. Für zwei Tage muss die Ortsdurchfahrt dann noch einmal gesperrt werden.

Doch der schwankende Ammergrund war nicht alles, was die Straßenbaupläne durcheinanderbrachte. Zu den unliebsamen Überraschungen gehörten auch Altlasten der ehemaligen Maico-Werke. So sprudelte an einer Stelle plötzlich Wasser aus dem Boden, das heftig nach Diesel stank, berichtet Prospero, der während der vergangenen 15 Monate fast jeden Tag auf der Baustelle war. Allein die Altlastenbeseitigung kostete 40 000 Euro.

Womit auch niemand gerechnet hatte: Unter dem Asphalt der Gemeindestraße kamen zwei Vorgängerstraßen zutage, die eine Asphaltschicht nach 50, die andere nach weiteren 70 Zentimetern. Außerdem tauchten auf den gut 700 Metern zwischen dem Herrschaftsgarten und der Nagolder Straße jede Menge zuvor unbekannte Schächte auf – zum Beispiel einer von der Telekom, der sich als zentraler Schnittpunkt für die Glasfaserkabel aus Richtung Tübingen und aus Richtung Rottenburg entpuppte.

Um fast ein Vierteljahr verzögerte sich daher die Bauzeit. Dennoch hofft Prospero, dass die veranschlagte Summe von 1,2 Millionen Euro für den jetzt fast abgeschlossenen zweiten Bauabschnitt der Langen Gasse ausreicht. Immerhin habe man an manchen Stellen nicht ganz soviel Boden abtragen müssen, wie befürchtet, sagt der Ortsbaumeister. Bereits der erste Abschnitt von der Dorfstraße bis zum Herrschaftgarten hatte die Gemeinde 500.000 Euro gekostet.

Am heutigen Mittwochnachmittag um etwa 16 Uhr wird die Lange Gasse wieder für den Verkehr freigegeben. Pfäffingen ist dann wieder ohne Umleitungen zu erreichen. Weil am Geh- und Fahrradweg aber immer noch gebaut wird, kann es weiter zu kleineren Behinderungen kommen.

Ammerbucher Lange Gasse wieder freigegeben
Asphaltiert wurde die Lange Gasse in Pfäffingen vorerst nur im ersten Abschnitt von der Nagolder Straße her. Der größte Teil der Decke wird erst im kommenden Frühjahr aufgebracht. Rechts im Bild ist der neue breite Geh- und Radweg zu sehen; auf der anderen Straßenseite gibt es künftig keinen Gehweg mehr.

Bei der Sanierung der Langen Gasse hat die Gemeinde Ammerbuch auch Versorgungsleitungen und Kanäle erneuert sowie Leerrohre für Glasfaserkabel verlegt. Die Stadtwerke Tübingen ließen Strom- und Gasleitungen verlegen. Telekom und Kabel-BW ergänzten ihre Infrastruktur. Auch über der Erde ist jetzt alles auf dem modernsten Stand. Die neuen Straßenlaternen sorgen für die erste öffentliche LED-Beleuchtung in Ammerbuch. Sie leuchten die Lange Gasse abends bis 23 Uhr voll aus, bis 1 Uhr wird das Licht auf die Hälfte abgedimmt, bevor es bis 4 Uhr ganz ausgeht.

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31.10.2012, 12:00 Uhr

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