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Mit Engelszungen

An allen Fronten gekämpft, auf allen Hochzeiten getanzt

Wenn die Geschäftsführerin des AWO-Ortsverbandes Gisela Steinhilber am 23. November den Stab an ihre Nachfolgerin Birgit Hammer übergibt, hinterlässt sie ein bestelltes Haus. Sie kann in dem Bewusstsein gehen, viel erreicht zu haben. Und doch wird sie nicht müde zu betonen, es gebe noch so viel zu tun.

15.11.2016
  • Uschi Kurz

Die größte Aufgabe, sagt Steinhilber, sei von Anfang an die Finanzierung der Hilfen für Wohnungslose gewesen. Die seien damals wie heute so schlecht ausgestattet, dass man Kopfstände machen müsse, um kreative Lösungen zu finden. Sie habe an allen Fronten gekämpft, auf allen Hochzeiten getanzt, um die Arbeit der AWO bekannt und wieder ein paar Euro locker zu machen. Mit nur acht Stunden am Tag war es da oft nicht getan. „Wir haben aus dem Bedarf heraus neue Einrichtungen aufgebaut und dann die Finanzierung verhandelt.“ Das sei in sozialer Hinsicht toll, bringe in betriebswirtschaftlicher Hinsicht aber einige Defizite, betont die gelernte Bankfachfrau.

Als Herausforderung in all den Jahren hat sie immer die Verhandlungen mit dem Landkreis empfunden. Ohne werten zu wollen, stellt sie fest, dass in einer so großen Verwaltungsbehörde ein etwas anderes Denken herrsche. Der Ablauf sei einfach bürokratischer. So sehe man es beim Landkreis als Selbstverständlichkeit an, dass die AWO so viele Spenden selbst eintreibt. Dabei sei die Wohnungslosenhilfe ganz klar eine Pflichtleistung. „Trotzdem laufen die Hilfen unter Freiwilligkeitsleistungen.“

Auf etwas mehr fachliches Verständnis, so ihre Erfahrung, stoße man mit den Anliegen für ihr Klientel bei der Stadt. Was sie darauf zurückführt, dass dort viele Sozialpädagogen und Sozialarbeiter beschäftigt sind. Heißt das, dass sie sich im Falle einer Auskreisung der Stadt Reutlingen Verbesserungen für die Wohnungslosenhilfe verspricht? Hier zögert die 63-Jährige, die so kurz vor ihrem Abschied eigentlich kein Blatt mehr vor den Mund nehmen muss. Die Daseinsvorsorge, formuliert sie vorsichtig, sei bei der Stadt anders verankert. Kleinräumiger, stadtteilbezogener, das erleichtere den Zugang.

Das Spendenaufkommen werde insgesamt weniger, klagt Steinhilber. Dazu wären natürlich auch die hohen Flüchtlingszahlen mitverantwortlich. Das sagt sie, ganz ohne die Gruppen der Bedürftigen gegeneinander ausspielen zu wollen. Allerdings betont sie im gleichen Atemzug, dass die Akzeptanz für die Wohnsitzlosen oder jene Menschen, die vom Verlust der Wohnung bedroht sind, im Laufe der letzten Jahrzehnte in der Bevölkerung wesentlich größer geworden sei. Und dann erinnert sie an eine Kampagne mit dem unsäglichen Slogan „Einen Penny für den Penner“. So etwas wäre heute glücklicherweise undenkbar: „Wir haben keine Penner, diese Erkenntnis ist in der Gesellschaft gewachsen.“

Ein Anliegen konnte Steinhilber in all den Jahren nicht realisieren. Sie hätte gerne erreicht, dass die Stadt die Kindertagesbetreuung an freie Träger abgibt. Andere AWO-Kreisverbände im Land hätten große Einrichtungen, von der Krippe bis zur Ganztagesbetreuung. In Reutlingen sei das bisher nicht möglich. Fürsprecher gibt es zumindest bei den Liberalen. Die FDP-Fraktion hat jetzt beantragt, dass städtische Kinderbetreuungseinrichtungen freien Trägern zur Übernahme angeboten werden.

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15.11.2016, 01:00 Uhr

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