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Wenn der Darm des Kindes stirbt

An der Kinderklinik kümmern sich Spezialisten um hochkomplexe Krankheiten

Noch vor wenigen Jahren sind viele Kinder an akutem oder chronischem Darm-Ver sagen gestorben. Heute können sie oft gerettet werden – durch ein Programm der Tübinger Kinderklinik.

22.12.2014
  • ULRICH JANSSEN

Tübingen. Nicht nur in Deutschland, auch im Ausland hat es sich inzwischen herumgesprochen, dass die Spezialist(inn)en der Tübinger Universitätsklinik auch sehr komplizierte Darmerkrankungen von Kindern behandeln können. „Die Anfragen an unser Zentrum haben drastisch zugenommen“, sagt Andreas Busch, Kindergastroenterologe an der Tübinger Kinderklinik.

Der Arzt schildert dem TAGBLATT den Fall eines Dreijährigen, der an einer so komplexen Darmerkrankung leidet, dass er täglich drei Liter Durchfall produziert. „Das ist etwa ein Viertel seines Körpergewichts.“ Zwei Meter ist der Darm eines Kindes normalerweise lang, in diesem Fall standen für die Verarbeitung der Nahrung keine 50 Zentimeter mehr zur Verfügung.

Dass so viel von dem Organ fehlt, liegt daran, dass der Darm bei schweren Erkrankungen oft Stück für Stück abstirbt und große Teile entfernt werden müssen. Es kann auch sein, dass die Darmmuskulatur genetisch bedingt nicht arbeitet oder ein Virus das Nervensystem des Darmes zerstört hat. In jedem Fall führt das zu schwersten Beeinträchtigungen und Störungen des Stoffwechsels. Ein Kind mit einem solch vielfältigen Organversagen überhaupt nur am Leben zu erhalten, erfordert großen Aufwand, viel Erfahrung und die Zusammenarbeit unterschiedlicher Spezialisten.

An der Kinderklinik kümmert sich ein Team von zwölf Experten um diese besonders schweren Fälle. Darunter sind Pfleger/innen, Ernährungsberater/innen, Kindergastroenterologen und -Chirurgen sowie Kinderradiologen. Denn so kompliziert wie die Krankheiten der Kinder sind, so kompliziert ist auch die Behandlung. „Wir treiben einen hohen Aufwand“, sagt Busch, „aber es lohnt sich.“

Für jeden der kleinen Patienten tüfteln die Experten eine eigene Behandlungsstrategie aus. Das Kind bekommt einen individuellen Medikamentenmix und auch eine hochspezialisierte Diät. Damit gelingt es bei einigen Kindern sogar, den zu kurzen Darm zum Wachsen zu bringen und eine fast normale Verdauung - normales Essen zu ermöglichen. Langfristig versuchen die Ärzte dann, „den Darm wieder so fit zu machen, dass die Kinder keine künstliche Infusions-Ernährung mehr brauchen.“

Bis dahin ist es allerdings ein weiter und nicht ganz leichter Weg. Schon die künstliche Ernährung über einen eingepflanzten Infusions-Katheter ist eine große Herausforderung - in der Klinik, aber auch zu Hause. „Wir müssen den hohen Versorgungs-Standard an der Klinik in den häuslichen Bereich transferieren“, sagt Busch.

So darf das Kind daheim den Katheter nicht herausreißen, und es darf nicht zu einer Infektion kommen. Entsprechend wichtig ist die Arbeit der Fachkrankenschwester und der Pädagogin, die an der Tübinger Klinik die Therapie begleiten. Die beiden zeigen den Eltern, wie es geht, und kümmern sich darum, dass an den jeweiligen Wohnorten die Voraussetzungen stimmen. Mit Erfolg: „Unsere Kinder“, sagt Busch, „haben deutlich weniger Komplikationen und eine bessere Lebensqualität.“

Dies sollten, wünscht sich der Arzt, auch die Krankenkassen zur Kenntnis nehmen. Denn dank der Verbesserung des Ernährungszustandes und des starken Rückgangs lebensbedrohlicher Katheter-Infektionen werden teure Klinikaufenthalte vermieden. „Das sehen die Kassen leider noch nicht.“ Bislang ist die Klinik, um das hohe Betreuungspotenzial zu halten, auf die Förderung durch den Verein „Hilfe für kranke Kinder“ angewiesen. Der Verein finanziert zu einem erheblichen Teil die Stellen der Krankenschwester und der Pädagogin.

An der Kinderklinik kümmern sich Spezialisten um hochkomplexe Krankheiten

An der Kinderklinik kümmern sich Spezialisten um hochkomplexe Krankheiten
Dr. med Andreas Busch

Die Weihnachtsspendenaktion des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTS kommt in diesem Jahr dem Verein „Hilfe für kranke Kinder“ und dem „Notfonds Flüchtlingshilfe“ zugute. Wenn Sie spenden wollen, haben Sie die Wahl zwischen zwei Spendenkonten: Bei der Kreissparkasse Tübingen (IBAN: DE 94 6415 0020 0000 1711 11 ) und der Volksbank Tübingen (IBAN: DE 91 6419
0110 0171 1110 01). Bitte vermerken Sie, welches Projekt Sie unterstützen wollen, ob Sie eine Spendenquittung benötigen (unter 200 Euro akzeptiert das Finanzamt auch einen Kontoauszug) und ob Sie anonym bleiben möchten.

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22.12.2014, 12:00 Uhr

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