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„Aktion Erna“ geht weiter

An der Kinderklinik soll ein neues Medikament gegen Leukämie entwickelt werden

Die Geschichte von Erna Brunner hat Tausende von Menschen berührt: Überwältigend war die Hilfs- und Spendenbereitschaft für das leukämiekranke Kind und die „Aktion Erna“ im Herbst 2011. Für Erna gab es allerdings keine Heilung mehr. Die Fünfjährige starb 2012. Doch die „Aktion Erna“ geht weiter – und kann vielleicht vielen anderen Kindern das Leben retten.

30.06.2014
  • Angelika Bachmann

Tübingen. In der Erwachsenen-Medizin sind Antikörper heute eine wichtige Säule der Krebstherapie. Die für die einzelnen Krebsarten entwickelten Antikörper helfen dem Immunsystem der Patienten, die Neubildung von Krebszellen zu unterbinden. Doch für Kinder gibt es diese Medikamente nicht. Kein Pharmaunternehmen hatte bislang ein Interesse daran, solche Medikamente zu entwickeln. Die Patientenzahl – und damit der zu erwartende Gewinn – ist den Firmen zu gering.

Dabei gibt es solche Antikörper bereits. Das Team von Prof. Rupert Handgretinger, Leiter der Tübinger Uni-Kinderklinik und Leukämie-Experte, hat sie entwickelt. Handgretinger hat in einigen so genannten Einzelheilversuchen sehr erfolgreich leukämiekranke Kinder behandelt, die nach einer Stammzelltransplantation einen Rückfall erlitten hatten. Normalerweise, so Handgretinger, ist ein Rückfall nach einer Transplantation für die Kinder das Todesurteil. In der Tübinger Klinik hat er jedoch einzelne Patienten ein zweites Mal transplantiert und ihnen gleichzeitig Antikörper verabreicht. Einige von ihnen, berichtet Handgretinger, leben bereits seit zwei Jahren ohne Rückfall. Zudem habe man bislang keinerlei Nebenwirkungen der Antikörper feststellen können.

So war Tübingen auch für die Familie Brunner aus Rohrdorf bei Nagold der letzte Rettungsanker. Doch als Erna, die nach einer Stammzelltransplantation 2011 wiedererkrankte, in die Klinik kam, gab es keine Antikörper mehr – die erste Tranche dieses Medikaments war verbraucht. Für die Produktion neuer Antikörper fehlte das Geld. Die „Aktion Erna“ wurde ins Leben gerufen, um die Herstellung zu finanzieren.

Die Medienberichte über die „Aktion Erna“ lösten eine Welle an Hilfsbereitschaft aus. Auch im Kreis Tübingen spendeten viele TAGBLATT-Leser, Schulklassen organisierten Sammelaktionen. 390 000 Euro kamen so zusammen. Die Antikörper konnten produziert werden.

Im Februar 2012 erhielt Erna ihre zweite Stammzelltransplantation. Vier Wochen später standen auch die Antikörper zur Verfügung. Zuerst waren die Eltern voller Hoffnung: „Erna geht es so gut wie lange nicht mehr“, schrieben sie im Internet-Blog. Dann im Juli die niederschmetternde Diagnose: Die Leukämie war zurück. Für Erna gab es nun keine Hilfe mehr. Sie starb im Dezember 2012.

Auch wenn die Antikörper ihrem Kind nicht dauerhaft halfen: Bei anderen Kindern konnten die Brunners sehen, wie gut diese gewirkt haben. „Die Antikörper werden hoffentlich noch ganz vielen kleinen Patienten helfen können!” schreibt das Ehepaar. Auch Klinik-Chef Handgretinger will jetzt erreichen, dass die Antikörper zu einem regulären Medikament entwickelt werden. Ziel ist deshalb, demnächst eine multizentrische Medikamenten-Studie zu beginnen.

1,4 Millionen Euro braucht die Klinik für diese Studie. Aus der „Aktion Erna“ und dank eines Großspenders verfügt Handgretinger bereits über knapp 800 000 Euro. Den Rest muss er irgendwie zusammenbekommen, sagt der Klinik-Chef. Der Anti-Körper ist bereits produziert. 80 Gramm des Wirkstoffs stehen zur Verfügung, sagt Handgretinger: „Das reicht für Hunderte von Patienten.“

Info Für die Antikörper-Studie werden weitere Spenden benötigt, Spendenkonto 509 000 bei der Volksbank Rottenburg, BLZ 603 913 10, Stichwort Antikörper.

An der Kinderklinik soll ein neues Medikament gegen Leukämie entwickelt werden
Erna Brunner starb im Alter von fünf Jahren an Leukämie.Archivbild

Die Stiftung des Fördervereins für krebskranke Kinder hat in Erinnerung an Erna Brunner einen Preis ins Leben gerufen. Der „Erna Brunner-Preis“ ist ein Forschungspreis für Nachwuchswissenschaftler. Er wird dieses Jahr zum ersten Mal ausgelobt und im Herbst vergeben. Die Stiftung des Fördervereins hat unter anderem die erste Produktion von Antikörpern für die Leukämie-Behandlung bei Kindern in Tübingen finanziert.

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30.06.2014, 12:00 Uhr

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