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Abschied

An der Motivation liegt’s nicht

Weitingens Ortsvorsteher Roland Raible tritt nach 35 Jahren Kommunalpolitik bei den Wahlen im Mai dieses Jahres nicht mehr an.

15.03.2019

Von Hermann Nesch

Roland Raible, immer optimistisch, will seinen Sessel und Schreibtisch nach dem Ende der auslaufenden Amtszeit räumen.Bild: Hermann Nesch

Seit 1984, also seit 35 Jahren, ist Roland Raible in der Kommunalpolitik tätig und bringt sich für das Gemeinwesen ein, davon die ersten 15 Jahre als Ortschafts- und Gemeinderat, und seit Oktober 1999 als Ortsvorsteher. Dass er nun nicht mehr antritt, hat er für sich schon länger entschieden und es war bekannt. Doch nun ist es auch offiziell.

So richtig vorstellen konnte es sich die Bürgerschaft eigentlich nicht, zumindest jetzt noch nicht, schließlich gilt er als Mann mit Durchsetzungskraft und auch mit Ideen, der mit seinen Räten für Weitingen viel erreicht hat. Hinzu kommt, dass auch der Großteil des Gremiums nicht mehr antritt: sein Stellvertreter Hermann Nesch nach 25 Jahren sowie Ute Markert und Roland Leins nach jeweils zehn Jahren. Zusammen sind das 80 Jahre kommunalpolitische Erfahrung.

Der richtige Zeitpunkt

Michael Mattenschlager kann aus beruflichen Gründen sein Amt als Ortschaftsrat nicht mehr wahrnehmen. Er wechselt auf die Kandidatenliste für den Gemeinderat. Somit treten nur noch Karl Fidaschek (zehn Jahre Ratsmitglied) und Steffen Frank (fünf Jahre) erneut an. Seine Entscheidung, so Raible, habe er „nach reiflicher Überlegung und durchaus längerem Hadern und großem innerem Zwiespalt“ getroffen. Mit 66 Jahren sieht er für sich aber den richtigen Zeitpunkt gekommen, obwohl er viel habe mitnehmen und mit seinen Räten voranbringen können, besonders in letzter Zeit.

Er nannte unter anderem die Innerortentwicklung – neuerdings gefördert durch das Bund-Länder-Programm –, die Neugestaltung des Bereichs um das Rathaus und die „Kleine Markthalle“ – mit Förderung durch das Leader-Programm der EU – und die zweimalige erfolgreiche Teilnahme am Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Hier seien die Initiativen vom Ortschaftsrat ausgegangen.

Mit der „super Truppe“, so Raible, sei man auch außerhalb der Sitzungen mit Arbeitseinsätzen aktiv gewesen. Dazu gehörten Aktionen bei der Friedhofs- und Landschaftspflege, beim Blumenschmuck im Ortskern und an anderen Stellen, habe das vakante „Bürgerstüble“ mehrmals geöffnet und bewirtet, um den Blumenschmuck und um Ruhebänke zu finanzieren, und auch beim Teilabbruch der alten Bok-Autowerkstatt, an deren Stelle sich jetzt die Markthalle befindet, wofür im Dorf anfänglich „nicht gerade ,Hurra‘ gerufen wurde“. Neben der Ortskernsanierung habe man zwei weitere Großprojekte angestoßen und auf den Weg gebracht: die geplante Hallensanierung und -erweiterung mit dem Anbau eines Feuerwehrhauses sowie den Kauf des denkmalgeschützten „Adler“-Areals in der Ortsmitte. Letzteres wurde zwar „heiß und sehr harzig diskutiert“, aber die Weitsicht habe bei manchem anfänglichen Zweifler obsiegt und heute sei das Projekt kaum noch umstritten, zumal auch der geringe Kaufpreis bekannt sei, der über das Sanierungsprogramm abgewickelt wurde. Wichtig sei hier die das „richtige Heranführen“ an die Entscheidung gewesen.

Kein Frust zum Schluss

Mit Frust habe seine Entscheidung nichts zu tun, auch nicht mit fehlender Motivation. Dies bescheinigte er auch seinem langjährigen Stellvertreter. Man habe viel Zustimmung für die Arbeit im Rat erfahren. Raible verwies auf die gute Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung, auf die Unterstützung seiner Räte, der Vereine sowie vieler ehrenamtlicher Helfer, darunter das emsige Blumenschmuck-Team. Aber man wolle nicht an seinen Stühlen kleben und jüngeren Kräften nicht im Wege stehen, sondern ihnen den Platz freimachen und sie an Bord holen, um ihnen Zeit und Chancen zu bieten, die angestoßenen Projekte weiterzuführen, neue Ideen einzubringen und Verantwortung zu übernehmen: „Das geht nur, wenn man nicht mehr antritt.“

Raible zeigt sich zuversichtlich, dass dies gelingen wird. Die ihm bekannten Kandidaten würden antreten, um sich engagiert für die Ortschaft einzusetzen und Verantwortung zu übernehmen. Die neuen Räte fänden eine sehr gute Ausgangslage vor, die sie weiterentwickeln und zu Ende bringen können, „wenn sie dran bleiben“.

Zur Frage eines Nachfolgers wollte sich Roland Raible nicht äußern. Dies sei zunächst einzig und allein Aufgabe und Recht des dann neu gewählten Gremiums, das nach der Hauptsatzung den Ortsvorsteher aus seiner Mitte wähle. Man habe dies unter den Kandidaten der CDU-Liste daher auch noch nicht diskutiert und wolle erst einmal die Wahl abwarten.

Wenn sich niemand finden werde, bestehe die Möglichkeit, eine externe Lösung zu finden. Am Ende müsse der Nachfolger aber
noch vom Gemeinderat bestätigt werden.

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Erstellt:
15. März 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
15. März 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. März 2019, 01:00 Uhr

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