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Der Fluss darf freier fließen / Neue Allee geplant

An der hinteren Neckarhalde wird die Uferböschung umgebaut

Am Neckar im Bereich der hinteren Neckarhalde stehen im kommenden Jahr größere Erdarbeiten bevor: Zwischen dem Flusskraftwerk beim Preußischen und dem Beginn der Remmingsheimer Steige wird die Uferböschung umgebaut.

27.11.2014
  • Hete Henning

Rottenburg. Die Umbaupläne, die der Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstag absegnete, betreffen das linke Neckarufer auf einer 250 Meter langen Strecke zwischen den Hausnummern 86 und 58. Für rund 370 000 Euro soll das sogenannte Neckarvorland, also der Bereich zwischen dem Wasser und dem höher gelegenen Gehweg auf der unbebauten Straßenseite, naturnäher und zugänglicher gemacht werden; 170 000 Euro schießt das Land zu. Der Hochwasserschutz, versicherte Wasserbauingenieur Markus Heberle dem Gemeinderat, werde durch die Uferveränderung nicht beeinträchtigt.

Hübsch anzusehen und ökologisch wertvoller

Das Prinzip, nach dem die Böschung zwischen Februar und Juni 2015 umgestaltet wird, ist einfach. Am Fuß der Böschung wird Erdreich abgetragen, sodass der Fluss etwas breiter wird. Die momentan durchgängige harte Böschungssicherung, die dem Neckar laut Heberle nur eine „monotone Fließstruktur“ erlaubt, soll zum Teil aufgelöst werden, um hier und da eine freie Entwicklung des Ufers zu ermöglichen.

Das soll nicht nur hübsch natürlich aussehen. Dadurch, dass sich neue Lebensräume für Pflanzen und Wassertiere bilden, sei der Böschungsumbau auch mit einer ökologischen Verbesserung verbunden, sagte Ingenieur Heberle. Gedacht ist an punktuelle Stein- und Kiesaufschüttungen, an Ried- und Röhrichtpflanzungen. Auch Weidensteckhölzer sollen die Entwicklung der Vegetation positiv beeinflussen. Die Böschung selbst soll mit einer standorttypischen Gras- und Kräutermischung eingesät werden.

Unten wird abgetragen und oben aufgeschüttet

Das Erdreich, das im unteren Bereich der Böschung großzügig abgetragen wird, soll teilweise oben neben dem Gehweg wieder aufgeschüttet werden. Auf diese Weise wird Platz geschaffen, um der hinteren Neckarhalde eine neue Allee mit 16 Bäumen zu bescheren. Deren Art, sagte Heberle am Dienstag, sei noch offen. Die beiden alten Bäume, die von der ehemaligen Ahorn- und Eschen-Allee noch übrig sind, sind nach Auskunft von Jürgen Klein, dem künftigen Leiter des Tiefbauamts, „an ihrem Lebensende angekommen“ und nicht mehr sehr stabil. Sie werden wahrscheinlich gefällt.

Über Sitzsteine soll’s ans Wasser gehen

Wer nicht die steile Böschung herunter an den Neckar klettern will, soll künftig über Sitzsteine Zugang erst zu einer relativ ebenen Grünfläche und dann zum Wasser bekommen. Diese Steine werden auf einer Länge von etwa 30 Metern am stadtnahen Ende in die Böschung eingebaut. Auf Mülleimer, erfuhr Jörn Heumesser (WiR) auf Anfrage, soll im Bereich dieser zum Verweilen einladenden Sitzsteine verzichtet werden. Mülleimer, sagte Oberbürgermeister Stephan Neher, hätten die Eigenschaft, dass sie Müll anziehen, und das sei nicht erwünscht.

Bis auf Rainer Mozer (SPD), der an der Widerstandskraft der umgebauten Böschung bei Hochwasser zweifelte und sich am Ende der Beratung der Stimme enthielt, war der Gemeinderat einmütig angetan von den Umbauplänen. „Für die, die da draußen wohnen, ist das eindeutig ein Gewinn“, stellte Margarete Nohr (SPD) fest. Voraussetzung für das Gelingen des Vorhabens sei allerdings die öffentliche Akzeptanz. Elmar Zebisch (Freie Bürger) drängte sehr darauf, „dass man vorher mit den Bürgern schwätzt, dass man mit ihnen eine Uferbegehung macht und ihnen zeigt, was geplant ist, damit sie sich das vorstellen können.“

Jörn Heumesser nannte die Pläne „wirklich toll“. Weniger gefiel ihm allerdings, dass nach den Vorstellungen der Planer ein sehr großer Teil der jetzt vorhandenen Büsche und Bäume auf dem 250 Meter langen Uferabschnitt entfernt werden soll. Vor allem standortuntypische Gewächse sollen Opfer der Motorsägen werden. Standortgerechte Bäume wie Weiden und Erlen hingegen „überwiegend“ erhalten bleiben und gegebenenfalls ersetzt werden. Laut Wasserbauingenieur Heberle dürfte außerdem die neue Vegetation schnell hochkommen.

OB Neher: Kaum Verkehrsbehinderungen

Für den Straßenverkehr werden sich nach Auskunft von Oberbürgermeister Stephan Neher während der fünfmonatigen Bauzeit von Februar bis Juni „kaum Behinderungen“ ergeben. Die hintere Neckarhalde werde lediglich halbseitig gesperrt, sagte Neher.

An der hinteren Neckarhalde wird die Uferböschung umgebaut
Nur noch zwei alte Bäume sind von der Ahorn- und Eschen-Allee an der hinteren Neckarhalde übrig. Jetzt soll an dem schmalen Gehweg entlang eine neue Allee mit 16 Bäumen gepflanzt werden. Das Erdreich, das beim Böschungsumbau unten entfernt wird, soll deshalb zum Teil oben wieder aufgeschüttet werden. Bild: Henning

An der hinteren Neckarhalde wird die Uferböschung umgebaut
Die Zeichnung zeigt das Böschungsprofil auf Höhe des Hauses Neckarhalde 68: Die orangene Linie zeigt den momentanen Böschungsverlauf. Alles was gelb markiert ist, wird abgetragen und weiter oben rechts des Gehwegs wieder aufgeschüttet (lila markiert). Dort soll eine neue Allee gepflanzt werden. Die Bäume und Sträucher direkt am Ufer werden großteils entfernt, um Platz für ufertypische Gewächse zu schaffen. Der Baum rechts existiert bereits, die Weide soll nach dem Böschungsumbau auf einem 20 Meter langen Inselchen parallel zum Ufer stehen. Grafik: Ingenieurbüro Heberle

Ran an den Neckar heißt das Konzept, mit der die Stadt Rottenburg den Fluss aufwerten und für die Bevölkerung wieder zugänglicher machen will. Das soll nicht zuletzt mit Zuschüssen aus dem baden-württembergischen Programm „Unser Neckar“ geschehen.

Der Umbau des Neckarvorlands im Bereich der hinteren Neckarhalde im ersten Halbjahr 2015 ist nur der erste Schritt.

Geplant sind auch die Umgestaltung des Schänzles und die Schaffung einer direkten Verbindung des Weggentalbachs mit dem Neckar sowie die Vervollständigung der Neckarpromenade zwischen Frauenbad und Priesterseminar.
Außerdem soll der Neckar jenseits der Osttangente, etwa dort, wo nach dem Orkan Lothar das Sturmholz lagerte, aufgeweitet werden, um einen durch eine Insel abgetrennten Altarm zu schaffen beziehungsweise wieder herzustellen. Genaue Pläne gibt es nach Auskunft des künftigen Tiefbauamtsleiters Jürgen Klein dazu noch nicht.

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27.11.2014, 12:00 Uhr

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