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Analyse eines Abstiegs
Duden griffbereit: Baden-Württembergs Abschneiden in einer Bildungsstudie wird heftig diskutiert. Foto: imago stock&people/Jochen Tack
Bildungsstudie

Analyse eines Abstiegs

Die SPD sieht in der starken Zuwanderung im Südwestens einen Grund für das schlechte Abschneiden. Die FDP gibt Grün-Rot die Schuld.

29.10.2016
  • ANDREAS BÖHME

Stuttgart. Nicht alle Parteien machen sich die Analyse der mehr als 500 Seiten umfassenden Bildungsstudie des Berliner Instituts zu Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) so leicht wie die FDP: „Fünf Jahre Grün-Rot, und Baden-Württemberg verliert die Spitzenposition in der Bildungspolitik“, sagt der Chef-Liberale Michael Theurer. Das ist schon deshalb wenig glaubwürdig, weil die Neuntklässler, die im vergangenen Jahr geprüft wurden, nur vier Jahre unter einer sozialdemokratischen, aber fünf Jahre unter christdemokratischer Bildungspolitik zur Schule gingen.

Ex-Kultusminister Andreas Stoch (SPD) nennt erste „Vermutungen“ für das Abfallen in Deutsch: Baden-Württemberg kenne eine lange Zuwanderertradition, weil hier die Jobs sind. Entsprechend nehme die Zahl der Kinder aus rein fremdsprachlichen Elternhäusern mit schlechteren Fähigkeiten beim Zuhören in Deutsch zu – im Gegensatz zu den östlichen Bundesländern mit geringem Ausländeranteil. Die Konsequenz hatte seine Regierung schon im vergangenen Dezember gezogen, mit mehr Sprachförderung in der Grundschule und im Vorschulbereich. Im Fach Englisch habe sich der Südwesten zwar verbessert, die anderen Länder aber steigerten sich noch mehr, was einen schlechteren Listenplatz erklären könne. Schließlich die Naturwissenschaften: Dort werde viel Unterricht fachfremd erteilt, auch dies führe zu mangelnder Qualität. Auch die Zahl der Schwangerschaften mit besonders frühen Krankschreibungen sei sprunghaft gewachsen, was die einst vorgesehene Lehrerreserve um das Dreifache überschreite.

„Ich will mich nicht generell exkulpieren“, sagt Stoch, aber den Vorwürfen gegen die SPD-Schulpolitik fehlten bisher die Belege. Mehr Controlling, wie von seiner Nachfolgerin Susanne Eisenmann (CDU) versprochen, sei sinnvoll. Allerdings werde der Rechnungshof nur Annäherungswerte liefern und keine brachliegenden Reserven entdecken. „Die Lehrer, die wir haben“, sagt Stoch, „sind auch im Unterricht.“

Wie die SPD warnen auch die Grünen vor Schnellschüssen. Sandra Boser, schulpolitische Sprecherin der Fraktion, verteidigt die unter Grün-Rot eingeführte Gemeinschaftsschule. Sie sei „die richtige Antwort, weil sie Bildungserfolg von der sozialen Herkunft entkoppelt und Durchlässigkeit fördert.“ Gemeinschaftsschulen wurden mangels einer neunten Klasse allerdings nicht getestet. Boser kündigte an, Lernprozesse, Ausbildungsinhalte und Lernbedingungen ohne politische Scheuklappen in den Blick zu nehmen. Die Handwerkskammern äußern sich besorgt: „Die Neuntklässler sind genau die Jugendlichen, die wir für eine duale Ausbildung gewinnen wollen“, so Landes-Präsident Rainer Reichhold. Peer-Michael Dick, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes, erklärt, „den Schuh dürfen sich alle politischen Akteure anziehen.“ Die Probleme hätten sich langfristig aufgebaut.

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29.10.2016, 06:00 Uhr

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