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An Helfern kein Mangel

Andrang bei den Jobs in der Vesperkirche

Vier Mal noch öffnet die Rottenburger Vesperkirche 2010 ihre Türen. Gut 180 Essen gingen dort allein gestern über den Tisch, an den Mann und die Frau gebracht von über zwei Dutzend ehrenamtlich schaffenden Helfer(inne)n.

06.02.2010
  • willibald Ruscheinski

Rottenburg. „Wenn die Arbeitslosigkeit nicht noch einmal drastisch zunimmt, dann hat unsere Vesperkirche in etwa die Größe, die in Rottenburg gebraucht wird“, schätzt Diakonin Gudrun Keller-Fahlbusch nach zweieinhalb Wochen die Nachfrage bei jenem Teil der Besucherschaft ein, der sich so einen Mittagstisch sonst nicht leisten könnte.

An ehrenamtlichen Mitarbeitern hingegen herrschte noch nie Mangel, es gibt Wartelisten. Und das, obwohl – defensiv gezählt – gestern mindestens 25 Menschen im Gemeindezentrum Kirchgasse mithalfen. Man komme mit Leuten zusammen und könne sich sein Engagement einteilen, fasst Keller-Fahlbusch zusammen, was beileibe nicht nur Senioren in die Vesperkirche zieht: „Außerdem sind hier Kompetenzen gefragt, die jeder mitbringt, und Hausfrauen ja sowieso.“

Eine halbe Stunde vor Beginn besprechen sich die für den jeweiligen Tag Eingeteilten und bekommen noch einen kleinen „geistlichen Impuls“ mit auf den Weg. Passten sie nicht gut auf, wäre das kein Problem: Die Aufgaben jedes einzelnen sind nicht nur „klar definiert“, so Keller-Fahlbusch, sondern auf laminierten Job-Beschreibungsbögen, die ausliegen, auch lückenlos dokumentiert.

In diesen Plänen ist etwa festgehalten, dass in der Küche ständig mindestens fünf Menschen beschäftigt sein müssen, obwohl die Menüs aus der Großmetzgerei Zeeb stammen. „Aber wir müssen die Geschirrkörbe im Takt der Spülmaschine ständig be- und entladen“, sagt Küchen-Vorarbeiterin Uta Fäßler: „Sonst wären wir am Nachmittag noch lange nicht fertig.“

Neben einem jungen Mann, der gerichtlich verordnete Arbeitsstunden absolviert, schauen täglich auch Schüler vorbei, um Hand anzulegen. „Man trifft Menschen, denen man sonst nicht begegnen würde“, sagt Irina Schmidt aus der Hohenbergschule, die gestern mit zwei Klassenkameraden der 9 b beim Bedienen half. Im Vorjahr hatte sie schon kurz herein geschnuppert; jetzt leistete die 17-Jährige echt freiwillige Praktikumsstunden, denn angerechnet werden sie ihr nirgends. „Dafür lerne ich“, so Schmidt, „dass es Spaß machen kann, für andere da zu sein und ihnen zu helfen.“

Das gilt nicht nur für den gastronomischen Part. Mehrere Schichten Musizierende lösten sich gestern am Bühnenende des Gemeindesaals ab, unter ihnen auch Profi Adrian Oswalt mit seiner Drehorgel. Über zwei Dutzend Besuchern hat Josiane Rosskopf bisher die Haare geschnitten – unentgeltlich, versteht sich. Und auch die Crew des Malteser Hilfsdienstes, die den Ab- und Antransport der Essenscontainer übernimmt, nimmt für ihre ständige Präsenz im Hintergrund nichts. Anders als im Vorjahr mussten die Malteser bislang keine schweren Notfälle versorgen; gestern allerdings erlitt eine zuckerkranke Frau einen Schwächeanfall, die sich an der Kuchentheke verschätzt hatte.

Sind die letzten Gäste gegangen, wird gleich Kassensturz gemacht und das Geld sodann bei der Kreissparkasse eingeworfen. Exakt 397,20 Euro waren gestern in den Gläsern, in die jeder Gast einfach das legt, was er für angemessen hält.

Damit lag dieser Freitag fast im Spenden-Schnitt, der sich gegen 500 Euro bewegt, aber mit der Zahl der Esser schwankt: Hatte das Ausgabeteam per „wundersamer Brotvermehrung“ zum Auftakt aus 100 angelieferten Portionen 120 gezaubert, so hielten gestern gut 180 Esser mit. An Spitzentagen waren es sogar schon über 300. Am Ende, sagt Keller-Fahlbusch, sollte möglichst ein fünfstelliger Spenden-Betrag herein kommen: 13 000 Euro Aufwand werden es wohl auch heuer wieder sein.

Info

Bis Dienstag noch ist täglich von 11 bis 14..30 Uhr Vesperkirche. Heute gibt‘s Schweineschnitzel mit Spätzle und Salat, am morgigen Sonntag Schweinegeschnetzeltes mit Butterreis, jeweils samt Suppe und Dessert. Spendenkonto: 200 635 6 bei der Kreissparkasse Tübingen. Stichwort: Vesperkirche.

Andrang bei den Jobs in der Vesperkirche
Wiron Oblyschuk (links vorn) und Heidi Kaiser (rechts) teilten gestern unter anderem Tomatencremesuppe aus. Angelika Meyer, Gudrun Keller-Fahlbusch und Wolfgang Kaiser (hinten von links) warteten als Bedienungen schon auf die nächsten vollen Teller. Bild: Mozer

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06.02.2010, 12:00 Uhr

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