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Dettensee – Ulan Baator – zurück

Andre Baum und Jens Hellstern fuhren mit dem Motorrad an den Baikalsee / Von Philipp Eichert

Höhepunkt für die beiden Dettenseer Andre Baum und Jens Hellstern war ihr Länder-Besuch mit dem Motorrad im Juni und Juli dieses Jahres in Zentral-Asien allemal, nachdem mit der Schwarzmeer-Umfahrung (2012) und dem Marokko-Besuch (2013) entsprechende Abenteuer-Erfahrung vorhanden war. Mit 23 200 zurückgelegten Kilometern auf einem Rundkurs haben sie innerhalb von 25 Tagen mehr als die Hälfte des Erdumfangs auf Straßen und Wegen, die größtenteils diese Bezeichnung nicht verdienten, unter die Räder genommen.

27.08.2015

Dettensee/Ulan Baator. Die Idee zu dieser Asien-Fahrt mit Ziel Baikalsee wurde im gemeinsamen Weihnachtsurlaub in Thailand geboren. Die Vorbereitung hielt sich in Grenzen, da für die einmal abgesteckte Route keine Buchungen vorgenommen wurden und nur für Russland eine Visums-Pflicht bestand – selbige wurde vier Wochen vor dem Start eingeholt. Die anderen Länder waren für unterschiedliche Zeiträume von 15 bis 90 Tagen Visa frei. Ein russischer Dienstleister garantierte für die gesamte Tour die Ersatzteilversorgung für die beiden Enduros (Yamaha Tenere’, XT 660Z mit 48 PS), während die ADAC-Leistungen am Ural (Fluss) endeten. Doch die beiden Bikes waren zuverlässig und schnurrten auch mit dem Oktan-schwachem Benzin, das längstens nach 500 Kilometer wieder zu bekommen war.

Am Ende stand je Enduro ein Hinterreifen zur Erneuerung an. Bei Jens Hellsterns Bike musste noch ein Dichtring für die Vordergabel-Federung ersetzt werden und bei Andre Baum brach der Gepäck-Träger fünf Mal und musste von hilfsbereiten Fachleuten geschweißt werden. Mit Spanngurten konnte man sich aber immer behelfen, um Teile einer kompletten Camping-Ausrüstung – Zelt, Matten, Schlafsäcke, Kochbedarf –, Funktions-Klamotten und andere (Selbstwäscher oder Wäsche-Service) zu transportieren. Ansonsten hatten die beiden für das etwa je 3000 Euro teure Abenteuer ihre „Visa-Card“ und 400 Dollar Bares.

Am Montag, 20. Juni, 9 Uhr wurde in Dettensee gestartet.

Die Rückkehr war für den Donnerstag, 13. Juli, geplant. Über Passau fuhr das Tandem in Österreich ein und gelangte über Tschechien und Polen in die Ukraine. Von hier wollten Andre und Jens auf die Krim fahren, wo man sich bereits bei einem Freund aus der Schwarzmeer-Umfahrung (2012) angemeldet hatte. Doch die Ukraine verweigerte die Ausreise auf die Krim, weshalb man hernach entlang dem Krisengebiet nach Charkow weiterfuhr, um nach Russland zu gelangen. Die nächste Stadt war Wolgagrad, wo ein Zweitages-Halt gemacht wurde. Dem Wolga-Verlauf folgend überschritten die beiden in Astrachan die Grenze nach Kasachstan.

Auf gerader Linie das Land durchfahrend gelangte man über Kirgistan wieder nach Kasachstan zurück nach Russland. Nun stand der direkten Anfahrt in die Mongolei mit der Hauptstadt Ulan Baator fast nichts mehr im Weg, sieht man einmal von den nicht vorhandenen Straßen oder Wegen ab, die erst wieder etwa 200 Kilometer vor Ulan Baator sichtbar wurden. Nach dem Härtesten was es an Fahranforderungen bisher und nachher gab waren Andre und Jens am Baikalsee angekommen. Allerdings verpassten die beiden Dettenseer die vorgesehene Heimreise mit dem Transsibirien-Express bis Moskau um eine glatte Woche. Deshalb fuhren die beiden, um wieder rechtzeitig am Arbeitsplatz zu sein, in einer nördlicheren Route als bei der Herfahrt über Russland, die Ukraine, Polen und Dresden zurück nach Dettensee, wo man dann noch einen Tag Urlaub übrig hatte, um sich wieder einzugewöhnen.

Verständigung „Ohne Worte“ dank Langenscheidt

Während die Straßenlage oft verheerend war – in Kasachstan hatte sich der Verkehr neben den löcherigen Straßen links und rechts eigene unbefestigte Pisten geschaffen und in der Mongolei war bis etwa 200 Kilometer vor der Hauptstadt Ulan Baator keine angelegten Verkehrsverbindungen zu finden – machten die beiden mit der einheimischen Bevölkerung nur gute Erfahrungen. Wenngleich die überwiegenden Begleiter Strommasten und nichtbetreute Tierherden – Kamele, Kühe, Schafe – waren. Andererseits waren bis zu tausend Kilometer schon mal kein Baum oder Gebüsch, sondern nur Steppengras zu sehen. Die Menschen dort seien sehr hilfsbereit, berichten die beiden, wobei ihr Interesse vordergründig den Motorrädern und dem Beruf von Andre und Jens galt. Die Erfahrung zeigte, wenn es einmal nicht weiterging, half geduldiges Warten. Einer kam immer vorbei und fragte nach. Konnte jener nicht helfen, fragte er einen anderen, der vielleicht auch nicht helfen konnte, aber telefonieren konnte, weil er ein Handy hatte. Und weiter ging es. Von einer grassierenden Korruption – auch nicht an den Grenzen, wenngleich über die Beamten allenthalben gelästert wurde – haben die beiden Biker nichts bemerkt und nur unbedeutende eigene Erfahrungen gemacht. Bei Taxi-Fahrten (meist Privat-Taxi) galt es auf jeden Fall zu handeln, sollte die gleiche Strecke zurück nicht plötzlich das Mehrfache kosten.

In Erinnerung bleiben Begegnungen mit Russen, Türken, einem Iren und Deutschen, die man ausschließlich im Ulan Baator Camp kennenlernte. In der Regel verständigten sich die Dettenseer mit Händen und Füßen. Der Langenscheidt „Ohne Worte“ war dagegen mit seiner bildhaften Symbolik sehr hilfreich und erzielte durchweg großes Aufsehen.

Unvergessen wird für Adre Baum und Jens Hellstern aber Wolgograd (ehemals Stalingrad) mit seinem monumentalen Gedächtnis-Park (als Erinnerung an die Schlacht um Stalingrad) mit der erschlagenden Mamajew-Statue sein, die ohne Sockel doppelt so hoch wie die amerikanische Freiheitsstatue ist. An zweiter Stelle kommt die Erfahrung mit dem russischen Fernsehen in Shymkent am Aralsee. Nach einem langen Interview und unendlichen Filmaufnahmen wurden Andre und Jens abends ausgiebig von der Sendeleitung ausgeführt und wohl auch ein bisschen hergezeigt, wobei immer ein Kameramann zugegen war.

War es in Kasachstan noch die Polizei, die mit Blaulicht überholte und respektabel den Daumen nach oben reckte, war es in Kirgistan die Verkehrsstaffel, die nach einer geringen Tempo-Überschreitung von jedem 30 Euro kassierte – ohne Quittung versteht sich. Ansonsten machten die beiden mit den Uniformierten gute Erfahrungen. Eine solche ergab sich auch beim Grenzübertritt in die Mongolei. Jens Hellstern hielt auf der eigenen Webseite (siehe Artikelende), wo die gesamte Tour verfolgt werden kann, fest: „Wir bekommen von der Immigrationsbeamtin noch einen Stempel und dürfen zum Zoll. Doch als die nette Dame uns bearbeiten will, wird wohl in Ulan Baator der Schalter umgelegt. Sie kann nichts mehr machen. Alle packen ihre Taschen und gehen. Wir stehen etwas blöd da. Ich frage, ob ich hier im Gebäude schlafen kann, da erbarmt sich die Immigrationsbeamtin und nimmt sich uns an. Ob wir eine Unterkunft brauchen, fragt sie uns auf Englisch. Wir bejahen und sie nimmt uns mit. Sie betreibt mit ihrer Familie ein kleines Herbergsunternehmen. Ein Zimmer mit zehn Betten. Im Hauptzimmer schläft, kocht und wohnt die Familie. Wir fragen uns, wie sich das lohnen kann ohne Werbung. Doch am Abend ist alles voller Menschen, die hier übernachten. Sie fahren an die Grenze und morgens darüber, wenn die Grenze um 10 Uhr, wie alles andere in der Mongolei, wieder ihre Pforten öffnet“.

Online: 2auf4raedern.de/reisen/ kas-mong-baik-2015/allepaartagebuch

Andre Baum und Jens Hellstern fuhren mit dem Motorrad an den Baikalsee / Von Philipp Eichert

Andre Baum und Jens Hellstern fuhren mit dem Motorrad an den Baikalsee / Von Philipp Eichert
Wenn es auch nicht danach aussieht, Jens muss zur Kenntnis nehmen, dass er hier eine Straßevor sich hatte.

Hier gibt es die gesammelten Erfahrungen der beiden Dettenseer in ihrem Reisetagebuch

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27.08.2015, 12:00 Uhr

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