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Im Wahn gerammt

Angeklagter Taxifahrer vermindert schuldfähig

Im Prozess wegen versuchten Mordes unter Taxifahrern stellte gestern der Psychiater sein Gutachten vor: Der Angeklagte habe im Wahn gehandelt.

24.09.2014
  • ST

Tübingen. Wegen versuchten Morden muss sich derzeit ein 59-Jähriger vor dem Landgericht verantworten. Der Taxifahrer soll im November vergangenen Jahres einem Kollegen mit Mord gedroht haben. In derselben Nacht soll er einen anderen Taxifahrer gerammt halten, weil er diesen für seinen Kollegen hielt.

Am gestrigen dritten Verhandlungstag stellte Heiner Missenhardt, Chefarzt der Forensischen Psychiatrie Bad Schussenried, wo der Angeklagte zur Zeit untergebracht ist, sein Gutachten vor. „Verminderte Schuldfähigkeit ist eindeutig gegeben“, sagte Missenhardt. Bei dem Angeklagten liege eine wahnhafte Störung vor. Der psychiatrische Gutachter sprach von einer „akuten, schweren wahnhaften Symptomatik“ in jener Tatnacht: „Er war in einer völlig verschobenen, verrückten Wirklichkeit.“

Unter dem Druck der finanziellen und der familiären Situation – seine Frau ist chronisch krank – hatte er schon früher unter Depressionen gelitten. Im vergangenen Jahr habe er sich jedoch immer mehr verändert, immer öfter auch wirr und ausschweifig geredet. Dass der Angeklagte in Zukunft noch einmal gefährlich werden könne, wollte Missenhardt nicht ausschließen: „Ich kann nicht sagen, dass es beim verbeulten Auto bleibt.“ Bereits zuvor hatte der Taxifahrer dem Betreuer seiner Frau gedroht und ihn am Hals gepackt. Dies zeige, so Missenhardt, dass gefährliches „Potenzial da ist“.

„Es wird nie wieder passieren“, versprach hingegen der Angeklagte. Er würde jede Hilfe hier in Tübingen annehmen, auf keinen Fall wolle er wieder hinter die Klinikmauern. „Ich habe Unterstützung“, dabei deutete er auf seine Familienangehörigen und Freunde, „ich schaffe das, glauben Sie mir“. Für den kommenden Verhandlungstag, Dienstag, 30. September, werden die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung erwartet. Ob dann auch das Urteil fällt, ist noch unklar.

Info Vorsitzender Richter: Ralf Peters; Beisitzer: Philipp Ries, Christoph Sandberger; Schöffen: Monika Raible, Stefanie Maisch; Staatsanwältin: Tatjana Grgic; Verteidigung: Safak Ott; Gutachter: Heiner Missenhardt; Dolmetscherin: Mirjana Majic.

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24.09.2014, 12:00 Uhr

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