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Prozess am Landgericht um Überfall

Angeklagter entschuldigte sich

Nach dem Überfall auf eine Spielhalle in Derendingen Anfang Januar 2013 müssen sich derzeit ein 54-Jähriger und eine mutmaßliche Mittäterin vor dem Landgericht verantworten. Am Mittwoch sagte die Angestellte aus, die der Angeklagte mit einer Pistole bedroht hatte.

17.10.2014
  • dhe

Tübingen. Am frühen Morgen des 8. Januar 2013 betrat der Angeklagte mit gezogener Pistole die Spielhalle in der Tübinger Gartenstadt. Mit vorgehaltener Waffe zwang er die dortige Aufsicht, rund 1100 Euro herauszugeben. Um die Frau noch stärker einzuschüchtern, gab er zwei Schüsse ab (wir berichteten). Der Mann räumt die Tat ein.

Die 49-Jährige aus einer Reutlinger Kreisgemeinde schilderte nun vor Gericht, wie sie die Situation erlebte. Nachdem sie gegen 5.30 Uhr aufgeschlossen hatte, kontrollierte sie die Spielautomaten, drehte die Heizung an und zählte die Kasse durch. Als sie aus den hinteren Räumlichkeiten, wo sie Kaffee gemacht hatte, wieder nach vorne kam, sei der Mann plötzlich vor ihr gestanden. Erst als sie ihn gewohnt freundlich begrüßt hatte, habe sie die Pistole bemerkt – und dass der Mann sie böse anschaute, mit ernstem Gesicht. Er habe die Waffe einmal abgefeuert, um zu zeigen, dass er es ernst meinte, und zwei Mal Geld gefordert, das sie in die Stofftasche des Täters packen musste. Als sich der Mann Richtung Ausgang wandte und sie schon dachte, sie habe es hinter sich, habe er sich umgedreht und noch einmal geschossen, sagte die 49-Jährige.

Sie sei so schockiert gewesen, dass sie erst Tage später realisierte, was passiert sei. Am Tattag habe sie nur noch funktioniert. Die Folgetage seien irgendwie vorbeigegangen. Sie versuchte, nicht über den Überfall nachzudenken, um nicht von Angst überwältigt zu werden, und war eine Woche lang arbeitsunfähig. Noch monatelang sei sie sehr schreckhaft gewesen, wenn eine Tür zuschlug oder plötzlich jemand hinter ihr war.

Der Angeklagte hörte ihrer Aussage in sich zusammengekrümmt zu, den Blick gesenkt. Dann sagte der 54-Jährige, er würde die Geschädigte gern um Entschuldigung bitten. Wenn er könnte, würde er die Tat ungeschehen machen.

Wenn er sie wirklich um Verzeihung bitte, verzeihe sie ihm, sagte die Zeugin und fügte hinzu: „Aber versuchen Sie, in Ihrem Leben niemandem Angst zu machen.“ Auch die 41-jährige Mitangeklagte hatte sich bei der Frau entschuldigt. Der Prozess wird am heutigen Freitag fortgesetzt.

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17.10.2014, 12:00 Uhr

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