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Mordprozess

Angeklagter erinnert sich nicht

Ein 37-Jähriger ersticht seine Ex-Freundin vor den gemeinsamen Kindern. Beim Prozessauftakt schweigt er zur Tat.

12.11.2016
  • KRISTINA BETZ

Donzdorf. Vor Gericht wirkt der Angeklagte ruhig. Wenn ihm der mutmaßliche Mord an seiner Ex-Partnerin von den Richtern und der Staatsanwaltschaft im Detail vorgehalten wird, blickt er nach unten. An die Tat könne er sich nicht erinnern, gibt er beim gestrigen Prozessauftakt am Ulmer Landgericht zu Protokoll.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem türkischstämmigen 37-Jährigen Mord aus niedrigen Beweggründen vor. Im April dieses Jahr tötete er seine Ex-Partnerin im Beisein der drei gemeinsamen Kinder in einer Metzgerei in Donzdorf (Kreis Göppingen). Bereits zuvor hatte er der 25-Jährigen mehrmals aufgelauert, sie mit hunderten Nachrichten belästigt, sie geschlagen und mit dem Tod bedroht. Die Folge: Ein gerichtlich erwirktes Kontakt- und Annäherungsverbot. Doch an das hielt er sich nicht.

Was als Beziehungsdrama begann, mündete am Morgen des 4. Aprils in einer Katastrophe. Der Supermarkt-Angestellte fuhr mit einer Flasche voll Wodka-Cola in der Hand und einem 15 Zentimeter langen Küchenmesser in der Jackentasche nach Donzdorf, lauerte der 25-Jährigen auf und verfolgte sie bis in eine Metzgerei. Dort stach er laut Staatsanwaltschaft 23 Mal auf sie ein. Noch vor Ort starb die junge Frau am hohen Blutverlust.

Opfer war schwanger

Sechs Zeugen stützen den Vorwurf; darunter zwei Verkäuferinnen und der Senior-Chef der Metzgerei sowie ein Kunde. Er habe sie immer wieder an den Haaren hoch gezerrt und auf sie eingestochen, berichtet eine der Zeuginnen. Die Kinder im Alter von drei, fünf und sechs Jahren mussten die Tat mit ansehen. Zu diesem Zeitpunkt war die junge Frau bereits wieder in der 13. Woche schwanger – von einem neuen Partner, wie ein DNA-Gutachten offenbart.

Der neue Partner – das Tatmotiv? „Nur ihr Tod konnte seine Ehre wiederherstellen“, mutmaßt Staatsanwalt Stefan Adamski beim Prozessauftakt. Es sei ihm um ein Besitzanspruch-Denken gegangen. Bei der Frage, ob der Angeklagte vom neuen Partner und der Schwangerschaft wusste, verstrickt dieser sich immer wieder in Widersprüche. Er habe so etwas gehört, lässt der Mann über seine Dolmetscherin verlauten. Darauf angesprochen habe sie zwar den Partner zugegeben, die Schwangerschaft aber geleugnet. „Ich habe ihr geglaubt“, sagt der mutmaßliche Täter.

Er habe am Morgen der Tat lediglich mit dem späteren Opfer über die gemeinsamen Kinder sprechen wollen. Das Küchenmesser habe er nur bei sich getragen, um es später mit zur Arbeit in einem Supermarkt zu nehmen. Die Messer dort seien nicht scharf genug gewesen, sagt er aus.

Die Kinder sind jetzt in der Obhut des Jugendamtes und in einem Heim untergebracht – noch immer werden sie psychologisch betreut. Kristina Betz

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12.11.2016, 06:00 Uhr

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