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Die Menschen haben Vorrang

Angela Keppel-Allgaier will an der Tübinger Gemeinschaftsschule West mehr als gut verwalten

Die Chefin mag Sinnsprüche. Das zeigt Angela Keppel- Allgaiers Zimmer. „Besser organisiert wäre ich gefährlich!“ Diese Karte ziert momentan einen Schrank. Sie zeigt, dass die neue Schulleiterin der Gemeinschaftsschule West Humor hat. „Kommt Zeit, kommt Gestaltung“, sagt sie mit Blick auf noch leere Wände.

19.11.2015
  • Ute Kaiser

Tübingen. Die Schulstatistik lässt sich nicht aufschieben. Obwohl Angela Keppel-Allgaier damit am Nachmittag noch nicht angefangen hat, aber bis zum Abend fertig sein muss, wirkt sie kein bisschen ungeduldig – und reagiert auch nicht ungehalten, als der Hausmeister kommt und sie auf lärmende Schüler hinweist. Nach wenigen Minuten ist die Situation geklärt, sie setzt das Gespräch da fort, wo es unterbrochen wurde.

Als die Reutlingerin Mitte Januar an die Schule kam, hat sie sofort der Alltag überrollt. Dabei kam ihr zugute, dass sie die Abläufe kennt. Keppel-Allgaier bringt 15 Jahre Erfahrung als Konrektorin und Schulleiterin mit, sechs Jahre als Vize an der Werkrealschule im Reutlinger Bildungszentrum Nord und fast neun Jahre als Chefin der Mörikeschule in Sondelfingen. Verwalten kann sie, aber die 52-Jährige versteht sich auch als „Vollblutpädagogin“. Die Gemeinschaftsschule West sollte ihre neue Herausforderung werden: „Wenn alles nur noch Routine ist, würde mir schnell langweilig werden.“

Ein Puzzle aus Filz

Im neuen Verfahren zur Auswahl von Schulleitern wurde Keppel-Allgaier auf Herz und Nieren geprüft. Sie musste eine Unterrichtsstunde beobachten, analysieren und den Lehrer beraten, eine Präsentation entwickeln und halten und sich im Bewerbungsgespräch bewähren. Dabei sei ihr unter anderem zugute gekommen, dass sie sieben Jahre lang als Lehrbeauftragte am Seminar in Nürtingen Referendare im Fach Deutsch ausgebildet hat.

Ihre Schullaufbahn begann sie als Grundschullehrerin in Grötzingen im Aichtal. Da waren ihre Tochter, heute 30 und Psychologin, und der Sohn, heute 26 und Student, schon geboren. Zweiter Schwerpunkt beim Studium von 1983 bis 1987 an der Pädagogischen Hochschule in Reutlingen war Englisch. Das zeigt auch ein Puzzle aus Filz mit allen Bundesstaaten der USA, das an der Magnetwand pinnt. Keppel-Allgaier würde den Indian Summer an der Ostküste der USA gern einmal erleben. Doch weil er während der Schulzeit ist, dauert es noch lange, bis sie sich diesen Traum erfüllen kann.

Vorher muss die Schulleiterin ganz reale Aufgaben lösen. Beispielsweise „aus zwei gut funktionierenden Schulen“ wie der Albert-Schweitzer-Realschule und der Werkrealschule Innenstadt eine Gemeinschaftsschule machen. Sie sieht die Chancen, nicht die Probleme und weiß um die Kompetenz der Lehrer beider Kollegien. „Es geht darum, sich um die schwachen und schwächsten Schüler zu kümmern, aber wir müssen auch leistungsstark sein“, beschreibt sie den Spagat, den die neue Schulart packen muss.Die Gemeinschaftsschule West ist stabil. Es gibt drei Parallelklassen pro Stufe. Außerdem zwei Vorbereitungsklassen für Flüchtlingskinder. Neun der momentan 46 Schüler/innen haben „nie Lesen und Schreiben gelernt“, sagt die Schulleiterin. Das fordert ihre drei Lehrerinnen, von denen eine „Deutsch als Fremdsprache“ studiert hat.

Keppel-Allgaiers Alltag ist noch stark vom „operativen Geschäft“ geprägt: Gespräche mit Eltern und Ämtern, Sitzungen, Unterrichtsbesuche bei Referendaren, bauliche Fragen. Es sollen unter anderem eine Verbindung zwischen dem Realschul-Rundling und dem Langhaus der Werkrealschule sowie Lernateliers geschaffen werden. Die Schulleiterin hätte gern mehr Zeit für „Visionäres“. Etwa dafür, mit dem Kollegium das Schulkonzept noch intensiver weiterzuentwickeln.

Auf die 65 Lehrer, Sozial- und Gruppenpädagogen an der Schule kann sie zählen. Obwohl das Kollegium „hart an der Belastungsgrenze“ arbeitet, erlebt sie es als „unheimlich engagiert“ und fühlt sich durch ihre Konrektorin Christa Renz ausgesprochen gut unterstützt. Es finde sich immer jemand, der bereit sei, eine Zusatzaufgabe zu übernehmen, sagt die Chefin, die selbst eine 60-Stunden-Woche hat. Die steht sie durch, weil sie „keine Perfektionistin“ sei und sich „auch mal Auszeiten nehmen“ kann. Manches bespricht sie mit ihrem Mann, der ebenfalls eine Schule leitet.

Bei allem, was zu tun ist, lässt die Chefin sich von der Devise leiten: „Die Menschen haben Vorrang vor Papier und Zahlen.“ Sie stellt sich die Gemeinschaftsschule West als Ort vor, „an dem sich Schüler und Kollegen gut aufgehoben fühlen“. Dazu gehört für die Gewerkschafterin auch „soziale Gerechtigkeit“.

Angela Keppel-Allgaier will an der Tübinger Gemeinschaftsschule West mehr als gut verwalten
Zwischen Hai und chinesischen Schriftzeichen im Treppenhaus des Realschul-Rundlings fühlt sich Angela Keppel-Allgaier wohl. Die neue Schulleiterin der Gemeinschaftsschule West will mit dafür sorgen, dass die Schule „ein friedlicher Ort“ für alle Beteiligten ist, der „von Toleranz geprägt ist“. Bild: Metz

Angela Keppel-Allgaier engagiert sich seit Jahrzehnten in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Sie war Mitglied in Personalräten auf verschiedenen Ebenen. Seit sie Schulleiterin ist, lässt sie das Mandat im Hauptpersonalrat beim Kultusministerium ruhen. Im Bezirkspersonalrat beim Regierungspräsidium dagegen arbeitet sie weiter aktiv mit. Er wird beispielsweise bei der Besetzung von Schulleiterstellen oder bei Personalangelegenheiten angehört.

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19.11.2015, 12:00 Uhr

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