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Fotos machen Erinnern schön

Angelika Paerschke hat den Blick für gute Tierbilder

Angelika Paerschke versorgt das TAGBLATT aus Kusterdingen mit Fotos einer badenden Amsel oder eines sich ausgelassen schubbernden Pferdes. Dabei ist sie eigentlich Webkünstlerin.

08.09.2010
  • Mario Beisswenger

Kusterdingen. Das Bild mit den drei Fliegen gefällt ihr ganz gut. Oder der fette Spatz, der da auf einem schmiedeeisernen Gitter sitzt. Oder die Rosenblüte, deren Blütenblätter gar nicht perfekt sind, sondern leicht angeknabbert. Angelika Paerschke fotografiert gern und viel. Manche ihrer Fotos verkauft sie oder schickt sie ans TAGBLATT, aber eigentlich fotografiert sie für sich selbst.

Der erste Apparat vom Konfirmationsgeld

Selbst die Fliegen sind ihr „eine Fixierung eines Erlebnispunktes“. Die 66-Jährige ruft sich damit einen besonders schönen Abend ins Gedächtnis. Der Spatz ist eine Erinnerung an Dresden. Sie traut der einfachen Erinnerung nicht. „Das weiß man doch inzwischen. Das Gehirn schmeißt ganz viel hinaus, arbeitet das ständig um.“ Da verlässt sie sich lieber auf ein Foto. „Mein Herz schlägt öfter höher, wenn ich es anschaue. Es sind Gelegenheiten, sich an kleinen Dingen zu erfreuen.“

Paerschke fotografiert seit sie 14 ist. Vom Konfirmationsgeld kaufte sie sich den ersten Fotoapparat. Die Marke weiß sie nicht mehr. Das war nicht so wichtig. Wichtig war der eigene Foto, ein Luxus im evangelischen Pfarrhaushalt, in dem sie in Weil der Stadt aufwuchs. Ihr Vater fotografierte auch. Wenn die Kinder etwas gebastelt hatten, wurde es aufgenommen. „Das war eine besondere Art der Wertschätzung.“

Einen Fotoapparat hat sie heute noch fast immer dabei, „bloß beim Einkaufen nicht“. Den Vor-Fotohandy-Satz: „Hätt‘ ich jetzt bloß meinen Foto dabei“, kennt sie auch, aber meistens hat sie ihre Lumix mit. Das ist schon ihre zweite Digitalkamera, die ihr das schwere Spiegelreflexgerät ersetzt. Die Marke ist ihr auch heute noch nicht wichtig. Sie nahm einfach das mit, was ihr im Fotoladen des Vertrauens empfohlen wurde. Die Bedienungsanleitung hat sie immer noch nicht gelesen. „Ich kann nur die intelligente Automatik einstellen.“

Dass ihr in letzter Zeit so schöne Tierbilder gelingen, wundert sie selbst ein bisschen. „Ich hab zu Tieren eigentlich gar keine besondere Beziehung gehabt. Aber dann sind sie zu mir gekommen.“ Das Falkenjunge, das sie von der Stube ihres Häuschens in der Hindenburgstraße fotografierte, die Amsel, die im Wasserfass im Garten badete. All das hält sie fest, neben den Pflanzen, an denen sie besonders „die unperfekten Blüten“ schätzt. „Am schönsten sind sie kurz vor dem Abblühen.“

Stoffbilder für Kirchen

Ihre Fotos verkauft sie auch. Die Kusterdinger wissen das und versorgen sich übers Jahr, besonders aber beim Weihnachtsmarkt mit einem Kalender, Dorfansichten, ihren Pflanzen- und Tierporträts als Grußkarten. Als Fotografin versteht sich die gelernte Krankenschwester aber nicht. In ihrem Internetauftritt und an ihrem Auto wirbt sie für sich als Webkünstlerin. Zwischen Fotografie als Hobby und Weben als Kunst „gibt es absolut keine Verbindung“, sagt sie. Als Weberin arbeitet sie schon seit gut dreißig Jahren, neben der Erziehung ihrer fünf Kinder und neben ihrer Berufstätigkeit zunächst als Gemeindeschwester, dann bei einer Krankenkasse.

Für evangelische Kirchen schuf sie viele Antependien, das sind die Stoffbilder, die vorm Altar hängen. Weil die Kirchengemeinden daran jetzt aber sparen, versucht sie ihre in Gobelin-Technik hergestellten Arbeiten als eigenständige Kunstwerke zu etablieren. Wer ihre jüngsten Webbilder kennenlernen will, kann sie am 23. und 24. Oktober auf dem Textilkunstmarkt im Freilichtmuseum Beuren betrachten.

Angelika Paerschke hat den Blick für gute Tierbilder
Angelika Paerschke hat zwei Tipps für gute Tierfotos: „Zum einen braucht man Geduld, zum anderen muss man schnell reagieren.“ Bild: Sommer

Angelika Paerschke hat den Blick für gute Tierbilder
Es müssen nicht Falken, Amseln oder Pferde sein. Für einen Freund, der Imker ist, fotografiert Angelika Paerschke auch gerne Bienen – hier mal im Strahlenkranz einer Flockenblume. Bild: Paerschke

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08.09.2010, 12:00 Uhr

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