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„Angleichung löst nicht alles“
Jürgen Wasem ist Experte für Medizinmanagement. Foto: Techniker Krankenkasse / Alfred Fontaine
Interview mit Jürgen Wasem

„Angleichung löst nicht alles“

Eine neue GroKo will prüfen, wie man die Bevorzugung von Privatpatienten bei der Terminvergabe beenden könnte. Über diese Pläne sprach Hajo Zenker mit Professor Jürgen Wasem, dem Leiter des Lehrstuhls für Medizinmanagement an der Universität Duisburg-Essen.

01.03.2018
  • HAJO ZENKER

Berlin. Laut Koalitionsvertrag sollen bis Ende 2019 Vorschläge gemacht werden, wie man eine gemeinsame Ärzte-Honorarordnung für gesetzlich und privat Versicherte schaffen könnte. Glauben Sie daran, dass aus dem Projekt etwas wird?

Jürgen Wasem: Es geht nicht nur um unterschiedliche Honorarhöhen. Vielmehr sind die Vergütungssysteme von gesetzlicher und privater Krankenversicherung für die Ärzte sehr unterschiedlich. Bei der Behandlung von Privatpatienten bekommen die Ärzte durchweg die Einzelleistungen bezahlt, bei der gesetzlich Versicherten gibt es viele Pauschalen. So machen die Hausärzte 70 Prozent ihres Umsatzes bei gesetzlich Versicherten mit einer Quartalspauschale, die beim ersten Besuch eines Patienten in der Praxis fällig wird. Eine einheitliche Honorarordnung verlangt daher sehr wesentliche Entscheidungen, wie sie denn ausgestaltet sein sollte. Die Kommission, die dazu eingerichtet werden soll, wird das sicher umfassend aufarbeiten können. Inwieweit eine Große Koalition dann Teile davon aufgreift, kann denke ich heute noch niemand absehen.

Gesetzlich und private Kassen sind sich in der Ablehnung einig.

Die gesetzlichen Krankenkassen sind insbesondere gegen eine Angleichung der Vergütungen, wenn sie das bezahlen sollen. Die privaten Versicherer wiederum sehen eine gleiche Vergütung als Einstieg in die Bürgerversicherung. Zudem verlieren sie an Attraktivität, wenn der Privatpatient nicht mehr bevorzugt Termine bekommt.

Brächte die Angleichung etwas?

Durch eine gleiche Vergütung würde man die bevorzugte Terminvergabe sicher in den Griff bekommen. Allerdings muss deutlich gesagt werden: Belege dafür, dass Privatpatienten auch besser behandelt werden, gibt es nicht. Und es ist auch eine Illusion zu meinen, danach wären die Terminprobleme alle verschwunden.

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01.03.2018, 06:00 Uhr

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