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Angriff
auf den Fußball
Die Antwort des Staates auf das Sprengstoffattentat: Polizisten patroullieren vor dem Stadion in Dortmund. Foto: SASCHA SCHUERMANN
Terror

Angriff auf den Fußball

Die Attentäter von Dortmund hatten es auf das Spiel abgesehen, das die Massen anzieht. Großartig ist die Solidarität mit der Borussia. Über die islamistischen Bekennerschreiben rätseln die Experten.

13.04.2017
  • Johannes Nitschmann, Stefan Uhlmann

Dortmund. Die Angreifer hatten das Schlimmste einkalkuliert. Hinter einer Hecke deponierten sie drei Sprengsätze. Sie trafen den Mannschaftsbus des BVB Dortmund, der das Hotel verlassen hatte und zum Stadion fahren sollte. Dort stand die Champions-League-Partie gegen den AS Monaco an. Hintere Scheiben des Busses barsten trotz Sicherheitsverglasung. Ein Polizist auf dem vorausfahrenden Motorrad erlitt einen Schock und ein Knalltrauma.

Schlimmer erwischte es Verteidiger Marc Bartra. Er brach sich die Speiche nahe der rechten Hand, Glassplitter bohrten sich in sein Handgelenk. Der 26-Jährige wurde noch am Abend operiert. Torhüter Roman Bürki saß neben ihm und blieb unverletzt. 100 Meter weit reichte die Wirkung der Sprengsätze, die mit Metallstiften bestückt waren. Einer landete in einer Kopfstütze. Es sei ein Glück, dass nicht mehr passierte, sagte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke Köhler.

Bartra ging es am Mittwoch bereits „deutlich besser“, wie er twitterte. Auf einem Foto reckte der Spanier den Daumen der linken Hand in die Luft: „Meine ganze Kraft widme ich meinen Mannschaftskameraden, den Fans und dem BVB für heute Nacht.“

Am Dienstagabend war an Fußball nicht mehr zu denken, das sahen auch die Fans ein. Nachdem im Stadion die Nachricht verkündet wurde, stimmten die rund 3000 Monaco-Anhänger Gesänge auf den BVB an. Über Twitter boten Dortmunder Fans den Gästen Übernachtungen an. Selbst Erzrivale Schalke 04 solidarisierte sich mit dem BVB. „In solchen Momenten hält man im Revier fest zusammen“, twitterten die Königsblauen aus Gelsenkirchen. Borussia-Chef Hans-Joachim Watzke erklärte am Mittwoch: „Wir spielen heute nicht nur für uns. Wir spielen für alle. Egal, ob Borusse, Bayer oder Schalker.“ Das Spiel war auf den Mittwochabend verlegt worden. Ein anderer Termin wäre wegen der eng getakteten Spielpläne in Europa und den nationalen Ligen schwierig geworden.

Zu den Motiven der Tat herrschte noch keine Klarheit. In der Nähe des Tatortes wurden drei wortgleiche Bekennerschreiben gefunden, die einen islamistischen Hintergrund vermuten lassen. Gefordert werden der Abzug der Bundeswehr-Tornados aus der Türkei und die Schließung der Ramstein Air Base in Rheinland-Pfalz. Mehrere Medien berichteten von einer im Schreiben erwähnten Todesliste des IS, auf der Sportler und Prominente stünden. Experten verweisen aber darauf, dass der IS sich über soziale Netzwerke zu seinen Taten bekennt. Es fehlen zudem übliche IS-Symbole, das Schreiben ist auf Deutsch, die 15 Zeilen enthalten nur einige Rechtschreibfehler, schwierige Worte seien korrekt geschrieben, einige Bezeichnungen für die Szene ungewöhnlich. Zwei Verdächtige wurden ausgemacht, einer festgenommen. Es handelt sich um einen Iraker und einen Deutschen, die zur Islamistenszene zählen. An der Echtheit eines Bekennerschreibens aus der linksextremen Szene zweifeln die Ermittler.

Die Behörden gingen von einem erhöhten Anschlagsrisiko in Deutschland aus, erklärte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) in Düsseldorf. Die Täter befänden sich wohl noch auf freiem Fuß und hätten weitere Taten angekündigt. „Das müssen und das werden wir ernst nehmen“, versicherte Jäger. Die Spieler des BVB, deren Verein und Trainingsgelände stünden unter Polizeischutz.

Trotz der Festnahme des 25-jährigen Irakers aus Wuppertal als einem möglichen Tatverdächtigen ermitteln die Fahnder „in alle Richtungen“. Das Sprengstoffattentat könne sowohl links- als auch rechtsextremistisch motiviert sein. Dahinter könne der Islamismus genauso stecken wie eine gewalttätige Fanszene. Die Polizei müsse jetzt die Zeit bekommen, ihre Arbeit zu machen.

Über die Anzahl der Täter tappten die Fahnder noch völlig im Dunkeln. Die Bekennerschreiben nannte Jäger „ungewöhnlich“. „Die können echt sein oder aber der Versuch, eine falsche Spur zu legen.“ Jäger rief die Bevölkerung auf, sich nicht einschüchtern zu lassen. „Wir werden uns dem Hass und Terror nicht beugen“. Die Polizei wandte sich an die Bevölkerung: „Anwohner versorgen unsere Kräfte mit Kaffee. Dafür ein dickes Dankeschön.“

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13.04.2017, 06:00 Uhr

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