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Terror

Angst und Entsetzen in der Einkaufsmeile

Nach Nizza und Berlin nun Stockholm: Ein Mann rast mit dem Lkw in die Menge und tötet mehrere Menschen.

08.04.2017
  • ANDRé ANWAR

Stockholm. „Lauft, lauft!“ ruft die Polizei den Menschen auf der Einkaufsmeile Drottninggatan zu. Die Straße im Herzen Stockholms ist am Freitagnachmittag voll von Hauptstädtern, die noch schnell Wochenendeinkäufe erledigen, und Touristen, die bummeln wollen. Um kurz vor 15 Uhr rast ein Lastwagen in die Menge und von dort in das Kaufhaus Åhléns.

Kurz darauf zeigen Fernsehbilder, wie Menschen panisch aus dem Shopping-Center flüchten. „Es war fürchterlich. Unmengen von Blut auf der Straße, Menschen lagen überall“, sagt ein Augenzeuge. „Viele waren hysterisch“, erzählt eine andere Zeugin mit Tränen in den Augen.

„Eine Frau stand da mit ihrem Baby auf dem Arm und wirkte wie paralysiert“, sagt ein Schwede im Fernsehen. „Wäre ich eine Minute später dort hingekommen, wäre ich umgefahren worden. Ich habe Menschen gesehen, die gestorben sind“, sagt die Schwedin Sandra Japundzic Lindquist.

Stockholms Innenstadt ist kein sicherer Ort, warnt die Polizei. Die meisten zentralen Straßen werden gesperrt, die U-Bahn stellt den Betrieb ein. Am Hauptbahnhof bewegt sich nichts mehr. Kunden und Verkäufer eines Modegeschäfts neben dem Kaufhaus müssen in dem Laden ausharren, solange niemand weiß, ob der Täter noch frei herumläuft.

Beim Ausladen überrascht

In dem Lastwagen sollen die Ermittler keine Sprengmittel gefunden haben, berichtet die Zeitung Aftonbladet. Der Fahrer ist auch am Abend noch auf der Flucht. Die Polizei veröffentlicht ein Video mit dem Flüchtigen. Er hat eine grüne Jacke an, trägt weiße Schuhe und einen grauen Kapuzenpulli.

Der Lastwagen der Brauerei Spendrups soll vor dem Anschlag gestohlen worden sein. „Während der Getränke-Lieferung an ein Restaurant, sprang jemand in die Fahrerkabine und fuhr mit dem Lkw davon“, sagt ein Sprecher der Brauerei. Der Spendrups-Fahrer sei überrascht worden. Er habe gerade ausgeladen.

Die Stockholmer Polizei geht von einem Terroranschlag aus. „Schweden ist angegriffen worden. Alles deutet auf einen Terroranschlag hin“, sagt auch Ministerpräsident Stefan Löfven kurz nach dem Anschlag und ruft seine Landsleute dazu auf, Ruhe zu bewahren.

Gerüchte kursieren. Von drei Schießereien wird kurz nach dem Lkw-Anschlag berichtet. Eine direkt am Kaufhaus, die zweite am nahen Platz Hötorget und die dritte nahe des entfernter liegenden Konzertsaales Globen. Zumindest laut der Zeitung Expressen hat die Polizei die Schießerei am Kaufhaus selbst direkt nach der Tat bestätigt.

Der direkt am Kaufhaus liegende Hauptbahnhof wird geräumt, Passanten müssen ihn teils über die Gleise verlassen. Auch Theater, Kinos und andere größere Veranstaltungsorte im Stadtzentrum werden vorsichtshalber geschlossen.

Von weiteren Opfern durch die Schießereien ist bis zum Abend nicht die Rede. Reichspolizeichef Dan Eliasson sagt auf einer Pressekonferenz: „Wir wissen nicht, ob es eine Einzeltat ist oder ob wir mit mehr rechnen müssen.“ Zur Zahl der Opfer erklärt er, es gebe so viele unterschiedliche Aussagen. Deshalb sei es besser zu warten, bis Klarheit herrsche.

Stunden nach dem Anschlag laufen die Menschen über die zahlreichen Brücken der Inselstadt in Scharen nach Hause. Andere warten in Cafés und Bibliotheken im Stadtzentrum darauf, dass ihnen die Polizei mitteilt, dass ihr Heimweg sicher ist. „Das ist so unglaublich. So schrecklich, ich habe Angst“, sagt der 26-jährige Student Marten der in der „Königlichen Bibliothek“ am Östermalmstorg mit zahlreichen Menschen ausharrt. Einige sind Studenten, andere Büroangestellte aus der Umgebung und Mütter mit schreienden Kindern. Alle schauen auf ihre Handys und in Laptops, wo die jüngsten Nachrichten laufen. Der Fußweg von der Bibliothek zum Lastwagen beträgt nur sieben Minuten.

Die Polizei hat auch das königliche Schloss und das Parlament sicherheitshalber umstellt. Niemand darf die Gebäude verlassen. König Carl Gustaf hat seine Brasilienreise abgebrochen und befindet sich auf dem Rückflug. Die Regierung hat eine Krisensitzung einberufen.

Offiziell wird zunächst nicht bestätigt, dass es sich um einen islamistischen Anschlag gehandelt haben könnte. Dabei hat sich das neutrale Schweden wie kaum ein anderes westliches Land durch die Anerkennung ihres Staates für die Palästinenser und für Flüchtlinge aus Syrien eingesetzt und viele Migranten aufgenommen. mit dpa

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08.04.2017, 06:00 Uhr

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