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Sondelfinger Mordprozess: Sie wussten, dass das Opfer keine Chance hatte

Anklage und Verteidiger liegen bei Einschätzung weit auseinander

Im Fall der schwerkranken Sondelfingerin, die an den Folgen eines Überfalls starb, will der Staatsanwalt wegen Mordes eine lebenslange Haftstrafe für den Angeklagten.

18.06.2015
  • DOROTHEE HERMANN

Tübingen / Sondelfingen.Staatsanwalt Burkhard Werner fasste gestern noch einmal zusammen, was seiner Überzeugung nach am 15. November 2014 bei dem Überfall auf die 58-Jährige geschehen war: Gegen 23 Uhr seien der Angeklagte und ein verstorbener zweiter Beschuldigter (er hat sich am 30. März selbst getötet) in die Wohnung der Schwerkranken eingedrungen und hätten sie gefesselt und geknebelt. Schließlich legte der zweite Angeklagte auch noch eine Decke über die Frau, die wenig später erstickte. „Dafür ist auch der Angeklagte verantwortlich“, sagte der Staatsanwalt.

Als sie die Schwerkranke geknebelt zurückließen, „wussten beide Täter, dass die Frau keine Chance hat“, so der Staatsanwalt. „Sie hat Todesängste ausgestanden, bis sie das Bewusstsein verlor.“ Das sei den Angeklagten egal gewesen, „denn es ging ums Geld“. Sie sollen 400 000 Euro in der Wohnung vermutet haben. Beide waren mit dem Ehepaar verwandt, das sich seit Januar 2014 um die Schwerkranke kümmerte. Als sich herausstellte, dass die 58-Jährige vermögend war, „hat sich das in der Verwandtschaft herumgesprochen“. Auch die Kranke profitierte von dem Arrangement. Sie verreiste mit der Betreuerfamilie und fasste wieder Lebensmut.

Spätestens, als der ältere Angeklagte Klebeband und Mützen zur Maskierung beschaffte, habe der Beschuldigte gewusst, dass es nicht nur um Diebstahl gehe. „Er hat gesehen, wie die Frau gefesselt wurde, und hat weiter mitgemacht. Er muss sich auch zurechnen lassen, was der andere Mann getan hat.“ Der ältere Angeklagte sei zwar „die treibende Kraft“ gewesen. Doch der Jüngere, zur Tatzeit 30 Jahre alt, hätte die Möglichkeit gehabt, nein zu sagen. „Es ging ums Geld. Es gibt keinen inneren Zusammenhang zu einer eventuellen Drogenabhängigkeit des Angeklagten.“ Dieser hatte unter einem Vorwand bei dem Ehepaar den Schlüssel zur Wohnung der 58-Jährigen beschafft.

Der Angeklagte hätte ohne weiteres nach der Tat wieder in die Wohnung gehen und die 58-Jährige befreien können, argumentierte der Staatsanwalt. „Er hätte auch die Polizei rufen können. Vielleicht hätte es dann noch gereicht, die Frau zu retten.“ Der ältere Beschuldigte war mit den erbeuteten 1800 Euro und etwas Schmuck in seinem Auto geflüchtet.

Die Verteidiger des Angeklagten forderten, den Mann allein wegen Beihilfe zum Wohnungseinbruchdiebstahl zu verurteilen. „Der einzige, der für die Tat verantwortlich ist, ist der zweite Angeklagte, und er hat sich selbst gerichtet“, sagte Verteidiger Markus Okolisan. Die Strafhöhe stellten die Verteidiger ins Ermessen des Tübinger Landgerichts.

In seinem Letzten Wort ging der Angeklagte zunächst noch einmal darauf ein, dass er über die Betreuerfamilie schon vor dem Tatabend Kontakt zu der Getöteten hatte und sie wirklich mochte. Trotz ihrer schweren Krankheit habe sie ihm immer Mut gemacht und ihm zugeredet, mit den harten Drogen aufzuhören. Er bat das Gericht um die Chance einer Entzugstherapie. Allein käme er nicht weg von den Drogen. Am heutigen Freitag wird das Urteil gesprochen.


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