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Vulkane und Dichter

Anna Jablonskajas „Es gibt kein Ende“ am Zimmertheater

Die deutschsprachige Erstaufführung feierte das Zimmertheater im Mai auf den Ruhrfestspielen in Recklinghausen. Morgen ist Anna Jablonskajas „Es gibt kein Ende“ auch am Zimmertheater zu sehen. Dramaturg Michael Hanisch sprach mit Regisseur Christian Schäfer.

28.09.2012

Michael Hanisch: Stücke von Anna Jablonskaja sind bisher im deutschen Theater nicht aufgeführt worden. Wie sind Sie auf die junge Autorin aufmerksam geworden?

Christian Schäfer: So grausam das ist: Durch einen Nachruf in einem Theatermagazin. Ich habe daraufhin recherchiert und in Claudia Dathe von der Uni Tübingen, eine wesentliche Hilfe gefunden. Sie hat aus verschiedenen Stücken von Jablonskaja Ausschnitte für mich übersetzt, da diese bislang nur auf Russisch erhältlich waren. Ich war begeistert von der Lektüre und so haben wir, gemeinsam mit den Ruhrfestspielen, dem Rowohlt Verlag, der Robert Bosch Stiftung, dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst Baden-Württemberg und Annas Witwer alles daran gesetzt, ihre Monodialoge auch in Deutschland zeigen zu können. Das Nationaltheater Mannheim zeigt übrigens auch in dieser Woche ihr Stück „Die Heiden“. Weitere Aufführungen werden folgen.
Was macht den Reiz des Textes aus?

„Es gibt kein Ende“ stellt in knappen, von einander unabhängigen, sprachlich brillant geschriebenen Szenen, die Absurditäten der Welt ins Rampenlicht der Theaterbühne. Sie kostet dabei die dichterischen Freiheiten genussvoll aus, schert sich weder um Genres, noch um Ländergrenzen, blickt somit auch weit über den Tellerrand ihres Heimatlandes, der gebeutelten Ukraine hinaus, wählt beispielgebende Szenen aus verschiedensten Epochen, erfindet unmögliche und mögliche Begegnungen, lässt Vulkane, Dichterfürsten und heutige Menschen auftreten und schafft so Sinnbilder für die Sinnsuchenden, die wir ja alle mehr oder weniger sind.

Sie arbeiten zusammen mit dem Musiker Thomas Maos. Welche Rolle spielt Musik in der Inszenierung?

Eine große! Es ist uns eine inspirierende Freude, dass Thomas Maos mit auf der Bühne sitzt und den Abend begleitet. Wir haben neben wundersamen atmosphärischen Klängen, die er seiner Gitarre zu entlocken vermag, auch Songs und Songfetzen in das Stück eingebaut um etwas von dem, was vielleicht als Emotion unter der Oberfläche der teils wirklich absurden Texte der Figuren schlummert, mittels der Musik Ausdruck zu verleihen– denn weiterhin ist das Leben natürlich nichts anderes, als ein Chanson.

Was geben Sie dem Zuschauer mit auf den Weg durch den Kosmos der Anna Jablonskaja?

Anna Jablonskajas Monodialoge, sind – ähnlich wie etwa die berühmten Gespräche zwischen Alexander Kluge und Christoph Schlingensief – für mein Empfinden bestens geeignet, um den eigenen Denk- und Fühlapparat mal wieder gehörig durch- und wachzurütteln.

Info: Mit Christine Diensberg, Lucie Mackert, Robert Arnold, Endre Holéczy, Johannes Karl, Thomas Maos. Premiere am morgigen Samstag im Zimmertheater, weitere Termine: 3.10., 27.10., 28.10., jeweils 20 Uhr.

Anna Jablonskajas „Es gibt kein Ende“ am Zimmertheater
Anna JablonskajaBild: Agentur

Anna Jablonskajas „Es gibt kein Ende“ am Zimmertheater

Am 24. Januar 2011 stirbt die 29-jährige ukrainische Autorin Anna Jablonskaja, die viele für die große Hoffnung des neuen russischen und ukrainischen Theaters hielten, bei einem Terroranschlag am Moskauer Flughafen. Sie hinterlässt ihren Mann und eine dreijährige Tochter. Bis zu ihrem frühen Tod hat sie über ein Dutzend Dramen verfasst, Gedichte und Essays geschrieben. Im Jahr vor ihrem Tod war sie zur internationalen Theaterbiennale nach Wiesbaden eingeladen, und das Royal Court Theatre in London plante die szenische Lesung eines ihrer Stücke. In „Es gibt kein Ende“ stellen skurril gekleidete Geister in bizarren Monodialogen „Fragen, die die Welt nicht braucht“.

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28.09.2012, 12:00 Uhr

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