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Wenn du wiederkommst

Anna Mitgutsch las bei Osiander: Liebe im Zick-Zack-Kurs

Tübingen. Ein Mensch stirbt unerwartet. Der zurückgelassene Partner ist damit konfrontiert, dass der Protagonist seines Lebens gegangen ist und nie zurückkehren wird.

28.09.2010

Vom Trauern einer Witwe zu erzählen, ist mitnichten ein Handlungsschema, das erst noch entdeckt werden muss. „PS: Ich liebe dich“ der irischen Autorin Cecelia Ahern ist ein Beispiel der Trivialliteratur. Joan Didion autobiographisches Werk „Das Jahr magischen Denkens“ beschreibt den Kummer um den Tod von Ehemann und Tochter. Nun hat sich auch die in Linz geborene Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Anna Mitgutsch dem Topos der Frau in Trauer angenommen. In der Osianderschen Buchhandlung las sie aus ihrem Roman „Wenn du wiederkommst“ (Verlag Luchterhand).

Jerome, ein US-amerikanischer Anwalt jüdischen Glaubens, stirbt in einem Münzgeschäft an einem Kreislaufkollaps. Der Roman beginnt mit einer Rückschau auf die letzte Begegnung zwischen ihm und seiner Partnerin, der Ich-Erzählerin. Dann erhalten sie und Tochter Ilana die Nachricht vom Tod des Ehemannes/Vaters. In den Nächten schützt nichts die beiden „vor der Gegenwart des Todes“. Mutter und Tochter erfahren „das unheimliche Paradox, dass Jerome in allen Dingen anwesend und trotzdem nicht mehr da ist.“ Sie essen die Speisen aus dem Kühlschrank, die Jerome kurz vor seinem Tod zubereitet hat.

Der Leser von „Wenn du wiederkommst“ taucht tief ein in die dunkle See der menschlichen Gefühle. Doch man sollte sich von dem alogischen und pathetisch-rührseligen Titel nicht irreführen lassen. Zu klug ist der Roman, die Differenzen zwischen dem theoretischen Anspruch an die Liebe und ihrer gelebten Realität zu leugnen.

In der ersten „totenstillen“ Nacht findet die Erzählerin den Verlobungsvertrag auf Pergamentpapier. Darin steht: „Wir würden einander nie belügen, gelobten wir vor fünfunddreißig Jahren, aber auch die Wahrhaftigkeit nicht benützen, um einander weh zu tun. Wir würden einander beschützen und mit Rat und Hilfe unterstützen.“

Doch die Beziehung des Paares, so stellt sich rasch heraus, verlief im Zick-Zack. Man betrog sich eben doch, trennte sich und fand sich wieder. Für die Ich-Erzählerin kein Gegenbeweis zur Liebe: „Ich behauptete, Liebe hinge zwar nicht davon ab, ob der andere treu sei, aber es hinge von gegenseitiger Treue ab, ob es eine schmerzliche oder eine glückliche Liebe sei.“ Ob die Witwe den Aufbruch schafft, bleibt offen. In der letzten Szene stehen Mutter und Tochter an Jeromes Grab.

Etwas irritiert war man vom Auftreten Anna Mitgutschs. Jedes Publikum hat eine Begrüßung und Verabschiedung verdient. Auch beantwortete die Autorin die einzige Rückfrage des Abends äußerst unwirsch. Antonia Kurz

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28.09.2010, 12:00 Uhr

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