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Warteliste für ein Fahrrad

Annahmestellen von Sachspenden für Flüchtlinge bitten um vorherige Absprachen

Die Spendenfreudigkeit der Tübinger Bürger für Flüchtlinge ist so groß, dass einige Annahmestellen immer wieder aus Platzgründen oder wegen fehlender Helfer die großzügig abgegebenen Mengen an gebrauchter Kleidung, Möbeln, Fahrrädern oder Geschirr ablehnen müssen.

02.11.2015
  • Christiane Hoyer

Tübingen. So musste beispielsweise der Kinderschutzbund nach den Sommerferien ebenso wie jetzt das DRK zum Spendenstopp aufrufen. „Wir sind förmlich von Spendenwilligen überrannt worden“, berichtet Tanja Bisinger. Massenweise hatten Bürger nicht nur Kleidung und Spielzeug der eigenen Kinder zusammengetragen, sondern auch noch im Bekanntenkreis gesammelt. Ohne Absprache bekam der Kinderschutzbund plötzlich 25 Umzugskartons voller Kindersachen. Sehr viel, so Bisinger, „mussten wir dann aber aussortieren“.

Bisinger und ihre Mitarbeiter waren „unglücklich“ über die Situation. Sie kann den Frust einiger Bürger, die ihre Spende nicht unterbringen konnten, nachvollziehen. Inzwischen habe sich die Lage aber wieder entspannt. Sie bittet aber Bürger darum, bei einer größeren Spendenmenge vorher anzurufen. Dringend gebrauchen kann das Stüble des Kinderschutzbunds in der Kepler straße vor allem die Kleidergrößen 164 und 176 für unbegleitet minderjährige Flüchtlinge. Diese verteilt dann das Landratsamt an die Betroffenen.

Noch Spenden und Helfer gebrauchen kann die Kleiderkammer der Wohnungslosenhilfe in der Eberhardstraße 53. Susanne Barth berichtet, dass die Flüchtlinge meistens in Gruppen bei ihnen vorbeischauen. Besonders gefragt sind derzeit Winterjacken, warme Pullover, aber auch Jeans und Schuhe. Die Zahl der Kunden, so Barth, habe sich seit dem Herbst „versechsfacht“. So schnell wie die Regale leer sind, komme man weder mit dem Auffüllen noch mit neuen Spenden nach. Sie ist daher froh über ehrenamtliche Helfer und Kleiderspenden.

Keine Sachspenden nehmen die zahlreichen Asylarbeitskreise an, da sie dafür keine Räumlichkeiten haben. Sie vermitteln diese aber gezielt an Flüchtlinge oder begleiten diese zum Teil auch zu den entsprechenden Anlaufstellen. Beim Radstall der Bruderhausdiakonie beispielsweise können Flüchtlinge ein repariertes Fahrrad bekommen. Derzeit haben die Mitarbeiter sogar eine Warteliste: Zirka 25 Asylbewerber warten auf ein gebrauchtes Rad. Hier kann man sein ausgedientes, aber noch verkehrstaugliches Rad vorbeibringen. Auch der Wunsch, es möge gezielt einem Flüchtling gegeben werden, berücksichtigen die Mitarbeiter.

Anders sieht es bei der Gebrauchtwarenbörse Retour in der Südstadt aus. Diese nimmt nach Auskunft von Renate Olliges zwar prinzipiell Sachspenden an, aber nicht gezielt für Flüchtlinge. „Wir können bei uns nichts lagern“, so Olliges. Außerdem werden bei Retour die gebrauchten Sachen verkauft. In den Unterkünften „gibt es keinen großen Bedarf an Möbeln“, sagt Olliges. Das werde für die Asylbewerber erst spruchreif, wenn sie in eine Wohnung ziehen. Spendenwillige Anrufer vermittelt Retour aber gerne an die Asylkreise weiter. Diese finden sich auch auf der Internetseite des Landratsamts. Dort gibt‘s speziell eine Seite zum Thema Spenden für Flüchtlinge. Diese Internetseite „hat mehr Klicks als die für unsere Autozulassungsstelle“, sagt Sprecherin Martina Guizetti. Im Landratsamt selber gibt es eine zentrale Anrufstelle, in der Mitarbeiter Auskunft geben, wenn Bürger ihre Sachspenden an Mann und Frau bringen wollen (Telefon: 207 2003). Die Anrufe, so Guizetti, „haben enorm zugenommen“. Man verweise auf die einschlägigen Annahmestellen und Unterstützerkreise. Doch die haben eigentlich andere Aufgaben,. Schließlich müssen solche Spenden auch koordiniert werden.

Der Annahmestopp beim DRK ist das beste Beispiel dafür. Wohin mit den Sachspenden, wenn niemand sie will? „Die Bürger sollen die Sachen einfach solange bei sich behalten und auf den nächsten öffentlichen Aufruf warten“, sagt Claudia Stöckl vom DRK.

Kinderschutzbund – Stüble (Keplerstraße 5): Nur Kleidung, Spielzeug für Kinder und Jugendliche. Besonderer Bedarf besteht in den Größen 164 und 176. Größere Mengen nur nach Absprache (0 70 71/ 551372).
Kleiderkammer der Wohnungslosenhilfe (Eberhardstraße 53): Nimmt gut erhaltene Kleidung an und freut sich über Ehrenamtliche (0 70 71/ 938 7872).
Radstall der Bruderhausdiakonie, Sindelfinger Straße 18 (0 70 71/ 407 1213): Nimmt Radspenden an und gibt sie nach der Reparatur über die Asylkreise an Flüchtlinge weiter.

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02.11.2015, 12:00 Uhr

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