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Kühe und Kuchen als Kunst

Anneliese Hermès stellt ab Samstag rund 60 Werke im Wasserschloss Glatt aus

Himmelwärtsgewandte Hirsche, kauende Kühe, spacige Spiegeleier und kirschige Kuchen: Bei den Motiven ist Anneliese Hermès sehr vielseitig. Unter dem Motto „Das Weiß in meinen Bildern“ stellt die Künstlerin aus der Nähe von Göppingen ab 22. August im Wasserschloss in Glatt etwa 60 Bilder aus.

20.08.2015
  • cristina priotto

Glatt. Forschen Blicks begrüßt ein Hirsch mit imposantem Geweih die Ausstellungsbesucher am Treppenaufgang. Das baden-württembergische Wappentier gehört zu Anneliese Hermès‘ bevorzugten Motiven. „Abwurfstangen“ lautet der Titel eines anderen Werks im Fürstensaal, das die Malerin vor drei Jahren anlässlich des 60-jährigen Bestehens von Baden-Württemberg realisiert hat.

Bekanntheit erlangte die heute 62-Jährige Anfang der 1980er-Jahre aber vor allem durch ihre Kuhbilder. Doch wie kommt eine studierte Designerin und Künstlerin ausgerechnet auf diese Hornträger als Motiv? „Meine Eltern hatten einen Bauernhof, daher kannte ich Kühe durch und durch und kann sie bis heute auswendig malen“, erzählte Anneliese Hermès der SÜDWEST PRESSE am Mittwochnachmittag bei einer Vorab-Besichtigung.

Die gebürtige Westfälin auf Tierbilder zu reduzieren, würde jedoch das breite Spektrum an Motiven verkennen, das Hermès und ihr Schaffen auszeichnet.

Zudem enthalten die Werke durchaus auch politische Anspielungen: Den als Mai-Streich grün-rot gestrichenen Hirsch im Höllental etwa sieht die Malerin als Zeitzeichen, weshalb das Tier genau so auf Leinwand gebannt wurde.

A propos Leinwand: „Ich habe eigentlich keine Scheu vor einer weißen Leinwand“, erklärt Anneliese Hermès selbstbewusst. Die Farbe Weiß muss sich jedoch in jedem ihrer Bilder wiederfinden – entweder als unbemalte Leinwand, Verstärkung, Lasur oder Nachbarfarbe. So lag es nahe, der Ausstellung in Glatt den Titel „Das Weiß in meinen Bildern“ zu geben.

Dieses Faible für Weiß spiegelt sich auch im Zyklus von Portraits Hermann Hesses in der Galerie wieder, das den Schriftsteller nachdenklich rauchend zeigt.

Im Eiweiß steckt Hermès‘ leitmotivische Lieblingsfarbe ebenfalls, weshalb dem kleinen Zimmer eine ganze Serie mit querformatigen Spiegeleiern gewidmet ist. Die Hühnerprodukte erinnern vor dem abstrahierten Hintergrund mit weißen Farbsprenkeln auf schwarzer Leinwand freilich eher an Ufos, die durchs Weltall schwirren – dies ist natürlich ein gewollter Effekt.

Obwohl Portraits ein bevorzugtes Motiv der Künstlerin darstellen, hat die Oberwäldin nach Glatt nur eine kleine Auswahl davon mitgebracht, darunter neben den Raucher-Bildern mit Hesse eine Frau mit Katze und ein sitzendes Kind.

Die Malerin ins Wasserschloss geholt hat übrigens Norbert Stockhus, der ein Künstlerbund-Kollege von Hermès ist. Die Idee für ein Schwarzwaldzimmer brachte Anneliese Hermès allerdings selbst mit – und packte eine ganze Reihe ihrer doppeldeutig „Schwarzwaldstücke“ genannten Werke ein. Darauf sind Schwarzwälder Kirschtorten-Stücke zu sehen, die natürlich perfekt ins Turmzimmer zum „Schloss-Café“ hin passen. Die Kuchen der 62-Jährigen werfen allerdings Tannen als Schatten – ein Abstraktionskniff der Designerin.

Das Ambiente gefällt der Malerin: „Ich mag schöne Räume für meine Bilder“, schwärmte Hermès, die erstmals in Glatt ausstellt.

Info Die Ausstellung wird am Samstag, 22. August, um 18 Uhr im Fürstensaal in Glatt eröffnet. Zur Einführung spricht Heiderose Langer.

Anneliese Hermès stellt ab Samstag rund 60 Werke im Wasserschloss Glatt aus

Anneliese Hermès stellt ab Samstag rund 60 Werke im Wasserschloss Glatt aus
Durch Kuhbilder wie diese „Kißlegg-Kühe“ wurde die Künstlerin bekannt.

Geboren wurde Anneliese Hermès im Jahr 1953 in Kesternich in der Eifel.

Studiert hat die Künstlerin von 1970 bis 1974 an der Fachschule für Design in Aachen, von 1978 bis 1983 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und an der Kunstakademie Düsseldorf.
Stipendien erhielt Hermès 1983/84 vom Land Baden-Württemberg und den Freunden der Kunstakademie Stuttgart für Ann Arbor in Michigan (USA) sowie 1999 durch die Kulturstiftung der ZF Friedrichshafen AG.

Einen Lehrauftrag für Malerie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart hatte Anneliese Hermès von 1985 bis 1987.

Bei Ausstellungen präsentiert die 62-Jährige seit 1981 ihre Werke in Deutschland und Frankreich einzeln oder mit anderen Künstlern.

Infos im Internet unter www.hermes-art.de.

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20.08.2015, 12:00 Uhr

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