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Krippe, Christbaum, Amerika

Annerose Richter und Ernst Heimes erzählten Weihnachtliches

Von Krippen, aber auch von Gefangenen und Hexen erzählten Ernst Heimes und Annerose Richter den 80 Teilnehmern der weihnachtlichen Stadtführung am vergangenen Sonntagnachmittag.

18.12.2012
  • Martin Zimmermann

Rottenburg. Warum gab St. Martin dem Bettler eigentlich nur den halben Mantel? Nicht schwäbischer Geiz habe den Heiligen zur Mantelteilung bewegt, vielmehr bekam der römische Offizier Martinus vom Staat den halben Mantel bezahlt. „Er verschenkte nur das, was ihm selbst gehörte“, klärte Ernst Heimes auf.

Annerose Richter erzählte im Waldhorn-Kino, dass das von Sebastian Blau bedichtete „Weggentaler Kripple“ ursprünglich im Festsaal des ehemaligen Herrenhauses stand, dem heutigen Kinosaal. Damals war das Waldhorn eine Gastwirtschaft, in der viele Hochzeiten gefeiert wurden. Die Wirtin Kreszentia Fischer gab die Krippe bei Leopold Lazaro in Auftrag, dessen Vorfahren aus Como eingewandert waren. Lazaro war Klausenmesner, Holzschnitzer und Weber. „Weil er so viele Passionsbilder schuf, nannte man ihn Leib-Christi-Weber“, so Richter.

Nachdem die Krippe knapp zehn Jahre in der Gaststube gestanden hatte und immer wieder angetrunkene Gäste mit den Figuren gespielt hatten, ärgerte sich dis katholische Wirtin so sehr, dass sie entschied: „Das Kripple kommt ins Weggental.“

Vom Waldhorn ging die Führung zur Zehntscheuer, vor der einst eine inzwischen längst abgerissene Mühle stand. Die Bogen der Brücken, die einst über den Mühlbach führten, sind immer noch an der Zehntscheuer und dem gegenüberliegenden Haus zu erkennen. Durch die Unterwässer, in denen Heimes das stinkende Handwerk der Gerber erklärte, ging die Führung weiter zum Amannhof, dem ehemaligen Gefängnis.

So bekam mancher Christbaum Idealfigur

Dort wurden die Gäste von einem Posaunentrio der Stadtkapelle mit Weihnachtsliedern empfangen. Ein Christbaum stand in dem Raum, an dessen ursprüngliche Zwecke die Bauanleitungen für Daumenschrauben erinnern, die an den Wänden hängen.

Annerose Richter berichtete dort, wie ihr Vater einst nicht ganz perfekte Weihnachtsbäume mit zusätzlichen, in den Stamm gebohrten Zweigen verschönerte – eine Technik, die vor einigen Jahren auch am großen Weihnachtsbaum auf dem Rottenburger Marktplatz angewendet wurde. So wurde dem Gewächs die ihm untenherum fehlende Fülle beigebracht.

Auswanderer nahmen ihre Krippenfiguren mit

Elke Mildner, die ihre zu groß gewordene Vorgarten-Tanne dieses Jahr der Stadt auf den Marktplatz spendierte, las die nachdenklich machende Weihnachtserzählung eines Gefangenen. Letzte Station der Führung war das Haus am Nepomuk, wo Heimes einige seiner mehr als 30 Krippen ausgestellt hatte. Der Stadtführer erzählte, wie er viele der schwäbischen Krippenfiguren in amerikanischen Antiquitätengeschäften kaufte: „Die Auswanderer haben ihre Krippenfiguren mit in die neue Heimat genommen, aber ihre Nachfahren hatten keinen Bezug dazu und haben sie wieder verscherbelt.“

Eine Erbschaft erinnerte an spontanen Beschluss

Heimes berichtete auch von seinem Nachbarn aus Wurmlingen, der einst eine große Erbschaft eines Onkels aus Amerika gemacht habe. Die Geschichte dazu: Nach dem Ersten Weltkrieg beschloss eine Hirschauer Familie, ihren ältesten Sohn nach Amerika zu schicken, weil das Reiseticket billiger gewesen sei, als das Lehrgeld um ihn hier zu Lande in die Lehre zu schicken.

Als man den Jungen verabschieden wollte, war der jedoch verschwunden. Weil man das Ticket aber schon gekauft hatte, wurde kurzerhand sein jüngerer Bruder, der eigentlich nur zum Winken an den Bahnhof gekommen war, in den Zug nach Amerika gesetzt. „Bis zu dem Tag, an dem der amerikanische Anwalt mit dem Erbe auftauchte, hatte die Familie nie wieder etwas von dem Jungen gehört“, sagte Heimes.

Annerose Richter und Ernst Heimes erzählten Weihnachtliches
Im Amannhof, dem einstigen Gefängnis, zeigte Stadtführer Ernst Heimes (vorne Mitte) den rund achtzig Neugierigen unter anderem Bauanleitungen für Daumenschrauben. Solche Foltergeräte sollten damals bei der Wahrheitsfindung behilflich sein.Bild: Zimmermann

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18.12.2012, 12:00 Uhr

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