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Antworten ohne Debatte

Annette Widmann-Mauz besuchte die Berufliche Schule

Die Berufliche Schule in Rottenburg war gestern Ziel von Annette Widmann-Mauz, der CDU-Bundestagsabgeordneten für den Wahlkreis Tübingen. Besonders viel Zeit nahm sich die Politikerin für die Elftklässler des Wirtschaftsgymnasiums: Fast eine Stunde lang beantwortete sie Fragen zu ihrer Politik und ihrer Person.

19.12.2012
  • hete henning

Rottenburg. Was als Frage- und Diskussionsrunde mit den Schülerinnen und Schülern des an der Beruflichen Schule neu eingerichteten Wirtschaftsgymnasiums angekündigt war, geriet zur reinen Fragerunde, bei der die Diskussion ausblieb und etwaige Kritik nicht laut wurde. Dirigiert von Oberstufen-Abteilungschef Berthold Hirt, der zuvor beim Begrüßungslied für Widmann-Mauz auch schon den so genannten Hard-Chor der Schule leitete, ergab sich ein reibungsloses Frage-Antwort-Spiel zwischen den Elftklässler(innen) und der Bundestagsabgeordneten.

Ihr Einstieg in die Politik habe im Grunde mit der katholischen Jugendarbeit begonnen, erfuhren die 25 jungen Männer und Frauen von der 46-Jährigen, die seit 2009 auch parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium ist. Als 16-Jährige habe sie Mädchengruppen bei der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) geleitet und festgestellt, dass sie gerne organisiere und etwas für andere Menschen tue.

Zeitgleich, also Anfang der 1980-er Jahre, habe zwischen den Ostblock-Staaten und den Westmächten der Kalte Krieg geherrscht, verbunden mit der Stationierung von Kurz- und Mittelstreckenraketen im damaligen Westdeutschland. „Wie kommt man von diesen Pershing-Raketen weg? Das war eins der wichtigen Themen damals“, fasste Widmann-Mauz ein wichtiges Kapitel der jüngeren deutschen Geschichte zusammen.

Mehr als die Parole der Friedensbewegung – „Frieden schaffen ohne Waffen“ – habe sie das Konzept der CDU überzeugt: „Frieden schaffen mit immer weniger Waffen“. 1984, mit 18 Jahren, trat Widmann-Mauz in die Junge Union, die Jugendorganisation der CDU, ein.

Unerfreuliche Enttäuschungen

Lange nachdenken musste die Bundestagsabgeordnete auf die Frage, was für sie als Politikerin am schwersten sei. Schwer sei es, sagte sie, wenn sich unterschiedliche Wünsche der Bürger diametral entgegen stünden und die verschiedenen Interessen nicht unter einen Hut bringen ließen. „Besonders unerfreulich“ sei es , wenn nach langen Vorverhandlungen ein Abschluss kurz bevor stehe und „Sie dann von jemandem enttäuscht werden“.

Dass sie 2009 parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium wurde, sei nicht nur „einer klugen Entscheidung“, sondern auch dem Zufall geschuldet, sagte Widmann-Mauz, die nach dem Abitur in Balingen in Tübingen Jura und Politik studierte, aber keinen Abschluss machte. Als sie 2002 zum zweiten Mal in den Bundestag gewählt wurde und sich die Ausschuss-Frage stellte, seien ihre Lieblingsressorts Verkehr und Landwirtschaft schon besetzt gewesen. „Gesundheitspolitik war noch frei.“ Da ihr Wahlkreis Tübingen sehr durch Medizin geprägt sei, durch die Universitätskliniken sowie die verschiedenen weltweit agierenden Medizintechnik-Unternehmen, passe das Ressort sehr gut.

Gesundheit und ihre steigenden Kosten

Das Gesundheitssystem, prognostizierte Widmann-Mauz auf Anfrage eine Schülers, werde „transparenter für die Patienten“, das sei „wie bei Autowerkstätten“, wo man sich erkundigen könne, wo die Arbeit besonders gut oder besonders günstig sei. Die Bürger würden mündiger, die Gesundheit dabei aber nicht billiger werden, sondern „mehr von unserem Einkommen ausmachen“, so die CDU-Abgeordnete.

Nach ihrer Meinung zur Kostensteigerung beim Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 angesprochen, verortete sie die Ursachen unter anderem in der großen Planungsdauer und der trotz demokratischer Legitimierung ablehnenden Haltung von Stadt und rot-grün regiertem Land. Jede Verzögerung koste Geld, so Widmann-Mauz – „man kann einfach durch Hinsitzen die Sache teurer machen“.

Bevor sie einen kurzen Rundgang durch die Berufliche Schule mit ihren 720 Schüler(innen) und 16 Schularten unternahm und schließlich zur Firma Löwensprudel in Obernau weiterfuhr, sprach Widmann-Mauz sich noch fürs Zentral-Abitur aus („der Kunde will ‚Made in Germany‘ und nicht ‚Made in Baden-Württemberg oder Bremen‘“) und verteidigte den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan, wo es nun aber gelte, „langsam die Truppen abzuziehen“.

Annette Widmann-Mauz besuchte die Berufliche Schule
25 Schülerinnen und Schüler des neuen Wirtschaftsgymnasiums an der Beruflichen Schule verfolgten konzentriert, was die Bundestagsabgeordnete Annette Widmann-Mauz (rechts in der Mitte) gestern über sich und die Politik sagte. Rechts am Tisch, von oben nach unten, außerdem der Lehrer Berthold Hirt (Leiter der Abteilung Oberstufe), Rottenburgs Oberbürgermeister Stephan Neher, Landrat Joachim Walter und Berufsschulleiter Dominik Kugler.Bild: Metz

Nicht ein Schüler, sondern Elmar Zebisch von den Freien Bürgern erkundigte sich gestern bei Annette Widmann-Mauz nach den Aussichten für den Ausbau der B 28 zwischen Tübingen und Rottenburg. Nachdem Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) dem Bund keine neuen Projekte vorgelegt habe, habe Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer anderen Straßenbauprojekten in Baden-Württemberg die 70 Millionen Euro zugesagt. Eigentlich, so Widmann-Mauz, „hätte die B 28 in die erste Kategorie gehört“. Jetzt gelte es bis Mai zu warten und zu schauen, ob die 70 Millionen „zeitnah abfließen“ oder sich ein Straßenbauprojekt verzögert. Falls bewilligtes Geld ungenutzt liegen bleibe, sagte die CDU-Abgeordnete, müssten die Mittel neu vergeben werden – eine Chance für die B 28.

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19.12.2012, 12:00 Uhr

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