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Ein Abba-Star wird 70

Anni Frid Lyngstad: Von Welterfolgen, Lebenskrisen und Zufriedenheit

Die Ex-Abba-Sängerin Anni Frid Lyngstad feiert morgen den 70. Geburtstag in ihrer Wahlheimat Schweiz. Trotz ihres Welterfolgs mit dem schwedischen Popquartett hatte sie tiefe Lebenskrisen zu bewältigen.

14.11.2015

Von ANDRÉ ANWAR

Stockholm Ähnlich wie die Beatles war das schwedische Popquartett Abba eine Legende. Und die "Abbamania" lässt einfach nicht nach. Songs wie "Dancing Queen" werden nicht nur von der Generation geliebt, die 1974 den gewaltigen internationalen Durchbruch der Band mit "Waterloo" beim damaligen Grand Prix (heute Eurovision Song Contest) erlebt hat. Morgen feiert die einst tiefrothaarige Sängerin Anni Frid Lyngstad ihren 70. Geburtstag in der Schweiz, wo sie schon seit 30 Jahren lebt.

Lyngstad hat ein Leben geführt, dass neben dem Weltruhm und ihrem Aufstieg als Sex-Ikone in der Männerwelt auch viele, harte Schicksalsschläge für sie bereithielt. Heute genießt sie die Einsamkeit, an der sie lange sehr gelitten habe, sagt sie dem schwedischen Fernsehsender SVT.

Geboren als Tochter eines deutschen Wehrmachtssoldaten und einer Norwegerin war bereits der Anfang schwierig. In Norwegen wurden die "Deutschkinder" nach der NS-Besatzungszeit als Schandfleck betrachtet. "Ich war glücklicherweise so klein, dass ich nichts davon mitbekommen habe", sagt sie.

Ihre Mutter starb jung im Jahr 1947. Ihren Vater hat Lyngstad erst 1977 getroffen, als sie weltberühmt war. Die deutsche "Bravo" hatte die Geschichte aufgedeckt. Anni Frid hatte bis dahin immer angenommen, er sei tot. Ihre Großmutter war mit ihr nach Schweden gezogen. Mit 16 nahm sie die schwedische Staatsbürgerschaft an.

Anni Frid ist in sehr bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen. Mit 17 verheiratete sie sich auch deshalb mit dem schwedischen Teppichhändler Ragnar Fredriksson, sie bekam einen Sohn und eine Tochter. Die Ehe ging in die Brüche. 1972 bis 1982 war ihre große Zeit mit Abba, den Plateauschuhen, den wunderbaren Bühnenkostümen, die inzwischen in einem interaktiven Abba-Museum in Stockholm ausgestellt sind. 380 Millionen Tonträger hat die Band verkauft.

"Wir waren damals zwei Paare. Wir waren verliebt", erzählt sie in einem Interview des Magazins "Damernas Värld". "Ich glaube, irgendwie konnten sich die Leute mit uns identifizieren." Die Idylle zerbrach an ihrer Scheidung vom Bandkollegen Benny Andersson. Auch das zweite Abba-Paar Björn Ulvaeus und Agnetha Fältskog ließ sich 1980 scheiden. Der letzte gemeinsame Auftritt fand 1982 statt.

Später ging Anni Frid ihre dritte Ehe mit dem Deutschen Heinrich Ruzzo Prinz Reuß von Plauen ein. Beide liebten die Schweiz und die Berge. Aus dem einstigen Arbeitermädchen wurde Anni Frid, Prinzessin von Reus und Gräfin von Plauen.

Es sollte jedoch ihre schwerste Lebensperiode werden. Ihre Tochter aus erster Ehe starb 1998 bei einem Autounfall in den USA. 1999 starb ihr Ehemann Heinrich an Krebs. In der schwedischen Presse wurde davon berichtet, dass sie vor dem völligen Zusammenbruch stand.

Inzwischen tritt Anni Frid wieder häufiger in der Öffentlichkeit auf. "Ich schrieb damals sehr viel, ich schrieb mir den Kummer von der Seele", sagt sie. Zudem sei sie viel in der Schweizer Bergnatur gewesen, "Klettern, Wandern, Skifahren, alles was mir Seelenfrieden gibt."

Heute hat sie viele Projekte am Laufen. Da sind einerseits Wohltätigkeitsveranstaltungen. Und zum 150. Geburtstag der Besteigung des Matterhorns 2015 hat sie ein Lied mit dem Titel "1865", dem Jahr der Erstbesteigung, produziert.

Sie schreibt außerdem an einem Buch, in dem es um "Ökologisches" und die "Bergwelt" geht, wie sie im schwedischen Fernsehen andeutet. Auch hat sie exklusive Skikleider designt.

2014 hat Anni Frid Schlagzeilen gemacht, als sie eine befristete Wiedervereinigung von Abba für möglich hielt. "Solange wir alle singen und spielen können, warum nicht?!", sagte sie. "Ich würde das gerne machen, aber dass müssen Björn und Benny entscheiden."

Auch Agnetha hatte sich zuvor positiv dazu geäußert. Ebenso Björn, der das früher kategorisch abgelehnt hatte, weil die Bandmitglieder das Geld nicht bräuchten: "Es müsste dann ein sehr spezieller Anlass sein", sagte er der Zeitung "Aftonbladet". Vielleicht findet ein Abba-Geburtstagsständchen ja morgen zum 70. ganz ohne Publikum in der Schweiz statt.

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Erstellt:
14. November 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
14. November 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. November 2015, 12:00 Uhr

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