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Anpassen statt Rebellieren
Auffallen war gestern. Foto: Fotolia

Anpassen statt Rebellieren

Hippies, Popper, Punks? Fehlanzeige. Deutschlands Teenager stehen nach der neuen Sinus-Studie auf das, was für junge Leute früher ein Schimpfwort war: Mainstream.

27.04.2016
  • DPA

"Sein wie alle", das gelte als cool. Beim Musikgeschmack, Klamotten oder Kino wollen junge Leute nicht auffallen. Kuschelkurs mit den Erwachsenen statt Abgrenzung und Provokation.

Jugendforscher Klaus Hurrelmann sieht darin einen Trend zur Überanpassung. "Es ist eine nicht-rebellische Generation, die als oberstes Ziel hat, in diese Gesellschaft hineinzukommen".

Für Sozialwissenschaftler ist es auch eine Generation der positiven Überraschungen. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle fragten Forscher junge Leute im vergangenen Jahr auch nach ihrer Meinung zu Flucht und Asyl. Im Ergebnis waren Ausländerfeindlichkeit oder die Ablehnung des Islam als Religion den meisten Teenagern fremd. Eine deutliche Mehrheit sprach sich für die Aufnahme von Flüchtlingen aus - so lange es nicht zu viele werden, um sie zu integrieren. Auch religiöse Toleranz sowie die Ablehnung von Gewalt eint die befragten Jugendlichen aus allen Bildungsschichten. Besonders zu spüren sei die Distanzierung vom radikalem Islamismus bei Muslimen, sagt Calmbach. Die junge Generation rückt in ihren Einstellungen zusammen - und ist dennoch keine homogene Gruppe.

Auch Migranten fühlten sich mehrheitlich zu Hause. Damit habe Deutschland trotz kleiner radikal-islamistischer Strömungen eine deutlich bessere Ausgangssituation als zum Beispiel Frankreich. "Der Mainstream hat auch Vorteile. Diese Jugend will sich nicht auseinanderdividieren lassen", sagt Hurrelmann.

Statistisch lässt sich das allerdings noch nicht belegen. Denn die Sinus-Studie arbeitet nicht mit Quantität. Sie setzt in langen Einzelinterviews mit 72 Jugendlichen auf inhaltliche Tiefe. In der Forschung ist diese Methode als seriös anerkannt - auch als Basis für weitere, größere Erhebungen.

Forscher sehen äußere Einflüsse wie Wirtschaftskrisen, die Terroranschläge in Europa und eine zunehmend unsichere globalisierte Welt als Gründe für den ungewöhnlichen Schulterschluss - unter Jugendlichen, aber auch mit ihren Eltern. Hurrelmann: "Es ist eine Überanpassung aus Sorge."

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27.04.2016, 06:00 Uhr

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