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Ansingen gegen den Schatten
Pop

Ansingen gegen den Schatten

Die erste Ausgabe des New Fall Festivals in Stuttgart wurde von der Ausnahmekünstlerin Dillon eröffnet.

29.10.2016
  • UDO EBERL

Stuttgart. Zum Start des ersten New Fall Festivals im Mozartsaal der Stuttgarter Liederhalle konnte man mit dem Konzert der 28-jährigen Popikone Dillon gleich einen starken Akzent setzen. Die in Brasilien geborene, in Deutschland sozialisierte Sängerin und Pianistin, die mit ihrem so verhuschten wie sperrigen Indie-Pop mit nur zwei Alben zum international wahrgenommenen Act wurde, setzte ihr jüngstes Album „Live at Haus der Berliner Festspiele“ erneut vor Publikum um. Einem begeisterten wohlgemerkt.

Wie bereits in den vergangenen Jahren schickte der kongeniale Partner Tamer Fahri Özgenenc als routinierter Sideman die Beats, elektronischen Flächen und Schleifen sowie den Puls von Dillons Musik in den Raum. In etlichen Stücken des knapp anderthalbstündigen Konzerts war immer wieder ein kleiner Chor zu hören. Während aber die Songs von Dominique Dillon de Byington gerade von der mystischen Atmosphäre der Zwischenräume und einem großartigen Gefühl für Dynamik leben, waren die mehrstimmigen Parts überraschend eindimensional arrangiert und dienten meist allein zur Verstärkung der sowieso starken Melodielinien und harmonischen Flächen.

Im Dunkel bis Halbdunkel, meist nur von hinten beleuchtet, bewegte sie sich in einem Umhang aus schwarzem Tüll gegen imaginäre Widerstände auf ihr Piano zu, um gegen ihren riesenhaften Schatten anzusingen. Zunächst fast gehemmt, nicht nur im Gewand, sondern scheinbar auch in einer Starre gefangen. Emotionen werden in den Stücken ja meist sowieso in einer Metaebene ausgelebt, doch hier galt es die Sensoren noch mehr zu schärfen. Die Sängerin, die den Soul in ihrer Stimme oftmals mit federleichter Feenhaftigkeit wie einen Kokon umspinnt, konnte aber schon bald ihre ganze Magie verbreiten. Bei „Tip Tapping“ gar mit dem Publikum als Chor. In den Zugaben durfte man die Beherrscherin der Stille ganz allein am Piano hören. Ein intensives Finale des ersten „New Fall“-Tags. Udo Eberl

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29.10.2016, 06:00 Uhr

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