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Wenn der Shop pleite geht

Anwalt gibt Tipps, wie Online-Kunden den Schaden gering halten

Aus einem vermeintlichen Schnäppchen im Internet wird schnell ein Verlustgeschäft - wenn der Shop pleite geht. Doch mit ein wenig Umsicht kann man den Schaden versuchen, gering zu halten.

13.11.2015

Von GEORG H. PRZIKLING

Peter K. konnte nicht widerstehen: Bei einem Online-Händler hatte der Auszubildende eine spieletaugliche Grafikkarte gefunden, die 20 Prozent weniger kosten sollte als anderswo. Doch das vorab überwiesene Geld kann der junge Mann vermutlich abschreiben.

Denn wenige Tage nach der Bestellung war die Webseite des Händlers nicht mehr erreichbar - der Händler hat Insolvenz angemeldet.

Was viele Verbraucher angesichts günstiger Online-Preise leicht vergessen: Auch Internet-Händler können Pleite gehen, sprich Insolvenz anmelden. Im jetzt anlaufenden Online-Geschäft mit Weihnachtsgeschenken hat natürlich kein Online-Shopper Lust, über so einen Pleite-Shop zu stolpern und sein Geld zu verlieren. Was man tun kann, um den Schaden in solchen Fällen möglichst gering zu halten, weiß Martin Rätze. Er ist Rechtsexperte beim Kölner Unternehmen "Trusted Shops", das europaweit über 19 000 Online-Händler zertifiziert hat. Händler, die die Kriterien (Bonität, Preistransparenz, Kundenservice, Datenschutz, etc.) erfüllen, erhalten hierbei das begehrte "Trusted Shop"-Siegel, das dem Käufer Seriosität signalisiert.

Um schon im Vorfeld Probleme zu vermeiden, rät der Rechtsexperte dazu, sich gezielt über den Online-Händler zu informieren. Neben einer offiziellen Zertifizierung können Kundenmeinungen hilfreich sein: "Eine Vielzahl von negativen Kundenbewertungen deuten oft schon darauf hin, dass etwas nicht stimmt", erklärt Rätze. "Das funktioniert allerdings nur, wenn die Kundenbewertungen auch seriös und echt sind." Damit man nicht auf "gekaufte" Meinungen hereinfällt, empfiehlt es sich, nicht nur im Forum des Händlers, sondern zusätzlich im Internet nach Kundenbewertungen zu suchen.

Ein absoluter Klassiker, der auf mögliche finanzielle Probleme des Händlers hinweist, sind länger andauernde "Lieferschwierigkeiten". Hintergrund: Schuldet der Online-Händler seinen Lieferanten bereits Geld, werden die künftig logischerweise auf Vorkasse bestehen. Um noch Ware zu erhalten, wird der (beinahe) insolvente Händler daher seinerseits auf Vorkasse vom Käufer bestehen, um mit diesem Geld zunächst seine Lieferanten zu bezahlen - die Lieferung verzögert sich entsprechend. Finden sich im Internet Kommentare wie "Liefert mit großer Verspätung" oder "Musste vier Wochen auf meine Ware warten", ist Vorsicht angesagt.

Grundsätzlich gilt: Ist der Betreiber des Shops zahlungsunfähig, muss er Insolvenz anmelden. Das Gericht kann dann einen Insolvenzverwalter einsetzen, "...der prüft, wie viel Geld das Unternehmen noch hat, wie hoch die Schulden sind und wie es weitergeht", so Rätze weiter. Das Problem für den Kunden: Ab diesem Zeitpunkt werden Waren in der Regel nicht mehr ausgeliefert und auch kein Geld mehr zurückerstattet. Relativ glimpflich kommen nur noch diejenigen davon, die Ware bestellt, aber noch nicht bezahlt haben. In derartigen Fällen könne man "...problemlos den Vertrag widerrufen", sagt der Rechtsexperte.

Schlechte Karten habe man dagegen, wenn sich die bereits bezahlte Ware nach dem Auspacken als defekt erweist oder nach kurzer Zeit den Geist aufgibt. Normalerweise greift die gesetzliche Gewährleistungspflicht des Händlers. Doch die wird der insolvente Anbieter vermutlich nicht mehr erfüllen. Rätzes Rat: "Dann muss ich als Verbraucher schauen: Gibt es vielleicht eine Herstellergarantie auf das Produkt, das ich gekauft habe?" Weil bei einer Herstellergarantie aber andere Regeln und Fristen gelten als für den Online-Shop, müsse man die Garantiebedingungen des Herstellers genau durchlesen, um zu erfahren, was im Einzelfall zu tun ist.

Wenn man das Geld für die Ware bereits überwiesen hat, muss man laut Rätze "...seine Forderung auf Lieferung oder Rückerstattung des Geldes beim Insolvenzverwalter anmelden. Hier besteht aber das Problem, dass man oft nur einen Bruchteil des Geldes zurückbekommt." In der Schlange der Gläubiger - Banken, Lieferanten & Co. - stellt sich der Kunde hinten an und geht meist leer aus. Und was, wenn die Ware vom mittlerweile insolventen Unternehmen geliefert wurde, aber nicht gefällt? "Als Verbraucher kann ich natürlich mein Widerrufsrecht noch ausüben", erklärt Rechtsexperte Rätze. Den Widerruf erklärt man - am besten schriftlich - gegenüber dem Unternehmen, das jetzt vom Insolvenzverwalter vertreten wird. Allzu viel Hoffnung auf Rückerstattung sollte man sich aber nicht machen. Der Grund: Als Verbraucher bekomme man von dem zahlungsunfähigen Unternehmen kein Geld zurück. "Wenn ich also die Ware schon erhalten habe, sollte ich sie einfach anderweitig verkaufen, damit ich meinen eigenen Schaden so gering wie möglich halte."

Wachstumsbranche: Jeder zweite Deutsche hat 2014 im Internet eingekauft und dabei im Schnitt 1054 Euro ausgegeben. Das geht aus einer Studie im Auftrag der Onlineplattform deals.com hervor. Am gesamten Handelsvolumen in Deutschland hat das Online-Geschäft einen Anteil von zehn Prozent. Foto: dpa

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Erstellt:
13. November 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
13. November 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. November 2015, 12:00 Uhr

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