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Wie viel Pizza verträgt das Dorf?

Anwohner protestieren gegen Geschäftsidee in Kusterdingen

Ein leer stehendes Ladenlokal in der Kusterdinger Marktstraße möchte der Eigentümer für einen Pizza-Service nutzen. In der Nachbarschaft sorgt das Projekt für Ärger.

12.10.2012
  • Ulrike Pfeil

Kusterdingen. Die Marktstraße ist bis auf den seit mehr als einem Jahr leer stehenden Blumenladen in der Nummer 19 eine reine Wohnstraße; die Häuser stehen dicht beieinander. Sieben Anwohner haben Einwände gegen den Umbau des Ladenlokals zu einem Pizza-Service vorgebracht. Sie befürchten Geruchs- und Lärmbelästigungen, parkende Autos im Gartenbereich und erhöhte Brandgefahr. Fast alle besuchten die Bauausschuss-Sitzung des Härtengemeinderats, die sich am Mittwoch im Mähringer Rathaus mit dem Thema beschäftigte.

Was sie dort hörten, beruhigte sie nicht. Bürgermeister Jürgen Soltau erklärte, die Gemeinde habe „keinen rechtlichen Spielraum“, das Projekt abzulehnen, da es sich bei einem Pizza-Service um einen Thekenverkauf und nicht um eine Gaststätte handle. Allerdings gaben sowohl Soltau als auch die meisten Ratsvertreter zu erkennen, dass sie von einem Pizza-Laden an dieser Stelle nicht gerade begeistert sind. Auf Anregung Soltaus verabschiedete das Gremium eine Stellungnahme an das übergeordnete Landratsamt mit der Bitte, das Vorhaben angesichts seiner Wohn-Umgebung „restriktiv zu prüfen“. Auf Anregung von Günter Walker (Freie Wähler) wurde ausdrücklich der Wunsch aufgenommen, dem Laden eine Schankgenehmigung zu versagen, damit er sich nicht zu einer Gaststätte entwickeln könne. Nur Wolfgang Weiß von der Härtenliste hatte „kein Problem mit einem Pizza-Service“, der werktags bis 22 Uhr, sonntags von 11 bis 14 Uhr in Betrieb wäre.

Nach der Sitzung zeigten sich die Anwohner frustriert. Sie hatten den Eindruck, die Räte hätten sich nicht ausreichend über die Situation vor Ort kundig gemacht. „Die Abluft zieht direkt zu mir herüber“, sagte ein Nachbar. Ein anderer war entsetzt über die Absicht des Bauherrn, zwei Parkplätze hinter dem Haus auszuweisen: „Da geht direkt mein Wohnzimmer raus.“

Das „Etna“ vor der Neu-Eröffnung

Es wurde jedoch auch bezweifelt, ob sich das Pizza-Geschäft an dieser Stelle überhaupt rentieren könne, angesichts der Konkurrenz von Franchise-Pizzadiensten in Tübingen und Reutlingen. Zudem könnte es sein, dass im Restaurant „Etna“ im Ortszentrum ebenfalls ein Pizza-Service eröffnet. Auch dieses Lokal stand zuletzt längere Zeit leer und war in Kusterdingen Gegenstand teils wilder Spekulationen. Der Besitzer Roberto di Dio Ragusa (er betreibt auch die Sportgaststätte „Da Roberto“ in Unterjesingen) hat das Gebäude an der Ortsdurchfahrt jedoch gründlich sanieren lassen und will in dem ansprechend hergerichteten Gastraum im hinteren Teil des Hauses demnächst wieder ein Speiselokal mit mediterraner Küche aufmachen. Der Name „Etna“ bleibt.

In den oberen Geschossen des Hauses hat di Dio Ragusa sieben Zimmer ausgebaut, die er an Studenten vermieten will. (Der Bauausschuss genehmigte ihm dafür zwei weitere Gauben.) Was er mit dem zur Straße hin gelegenen Gastraum anfangen will, hat der Wirt noch nicht endgültig entschieden: „Ein Steakhouse oder ein Pizza-Taxi“ nennt er als Alternativen.

Die Konkurrenz eines zweiten Pizza-Service im selben Ort schreckt ihn nicht. „Ich habe schon einen guten Namen“, sagt der Gastronom. „Der Andere muss erst aufbauen.“ Der Andere ist übrigens sein Neffe. Di Dio Ragusa hat ihm seinen alten Pizza-Ofen überlassen. Kurzzeitig war der Neffe als Betreiber des vorderen, kleinen „Etna“-Lokals im Gespräch. Die Kooperation zerschlug sich jedoch, nachdem er dort Spielautomaten aufstellen wollte. Das wollte der Onkel keinesfalls dulden. „Gegen so etwas bin ich total“, sagt Di Dio Ragusa. Das Glücksspiel schade den Menschen, dem guten Ruf und dem Geschäft.

Anwohner protestieren gegen Geschäftsidee in Kusterdingen
Pizza auch hier? Kaum wiederzuerkennen ist das sanierte Gebäude des Restaurants „Etna“ im Zentrum von Kusterdingen. Oben sollen Studenten einziehen, das neu hergerichtete Speiselokal im hinteren Teil macht demnächst wieder auf. Noch hat der Wirt nicht entschieden, ob hinter den Fenstern des Straßen-Lokals (Bild) Steaks gebraten oder Pizza gebacken wird.

Anwohner protestieren gegen Geschäftsidee in Kusterdingen
In der Marktstraße 19 (Haus mit Schaufenster) war früher ein Blumenladen. Der jetzige Eigentümer will in dem Geschäft einen Pizza-Service eröffnen. Die Anwohner fürchten, dass sie von den Emissionen, lärmendem Publikum und dem zu erwarteten Verkehr massiv beeinträchtigt werden.

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12.10.2012, 12:00 Uhr

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